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2026: Immobilienmarkt findet zurück ins Gleichgewicht

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Markt & Investments

2026: Immobilienmarkt findet zurück ins Gleichgewicht

Nach Jahren der Korrektur kehrt der DACH-Immobilienmarkt 2026 langsam zur Normalität zurück. Doch während Wohnimmobilien in Top-Lagen wieder gefragt sind, bleibt der Bürosegment unter Druck. Was Investoren jetzt wissen müssen.

Marcus Heller

5. April 2026

Es war ein Gespräch am Rande der MIPIM in Cannes, das die Stimmung im Markt treffend zusammenfasste. Ein Fondsmanager aus München, sonst eher zurückhaltend, sagte: „Wir kaufen wieder – aber nur, wenn die Zahlen stimmen.“ Was sich wie eine Binsenweisheit anhört, markiert den Wendepunkt. Nach Jahren der Zurückhaltung kehren institutionelle Investoren 2026 in den DACH-Immobilienmarkt zurück. Doch die Spielregeln haben sich geändert. Nicht mehr jede Lage, nicht mehr jedes Segment ist gefragt. Branchenkreise bestätigen: Die Finanzierungskosten haben sich auf einem berechenbaren Niveau eingependelt, was die Planungssicherheit erhöht. Das allein reicht jedoch nicht aus, um die Transaktionsvolumina der Boomjahre zu erreichen. [6]

Die Rückkehr der Investoren folgt einer klaren Logik: Sicherheit geht vor Rendite. Besonders Wohnimmobilien in gefragten Metropolen wie München, Berlin oder Zürich stehen hoch im Kurs. Der Grund ist simpel – der Wohnungsmangel bleibt ein strukturelles Problem, das sich kurzfristig nicht lösen lässt. Informierte Personen aus dem Wohnsektor berichten von einem „hohen Vermietungspotenzial“, insbesondere bei Mikrowohnungen und studentischem Wohnen. Diese Nischen profitieren von zwei Trends: der anhaltenden Urbanisierung und der steigenden Zahl an Single-Haushalten. Selbst in kleineren Städten mit Hochschulstandorten lassen sich hier stabile Cashflows erzielen. [1][2]

Doch nicht alle Segmente profitieren gleichermaßen. Der Büroimmobilienmarkt durchläuft eine Phase der Neuordnung. Während hochwertige, ESG-zertifizierte Objekte in Top-Lagen weiterhin gefragt sind, kämpfen ältere Bestandsgebäude in B- und C-Lagen mit steigenden Leerständen. Ein Analyst aus Frankfurt brachte es auf den Punkt: „Hybridarbeit ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern ein neuer Standard.“ Unternehmen reduzieren Flächen, und das wirkt sich auf die Bewertungen aus. Branchenexperten sprechen von einer „Korrekturphase“, die noch nicht abgeschlossen ist. Für Investoren bedeutet das: Selektion ist alles. [3]

Die Zinsentwicklung bleibt der zentrale Treiber – oder besser gesagt: die Erwartungshaltung. Die EZB hat den Zinserhöhungszyklus beendet, doch die Frage ist, wann die ersten Senkungen kommen. Solange die Finanzierungskosten stabil bleiben, halten sich Investoren zurück, die auf weiter fallende Zinsen spekulieren. Ein Makler aus Berlin formulierte es so: „Die Unsicherheit ist nicht verschwunden, aber sie ist berechenbarer geworden.“ Das reicht aus, um erste Transaktionen anzustoßen, insbesondere in Segmenten mit langfristigen Mietverträgen oder staatlichen Förderungen. [6]

Regional zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Während Metropolen wie München oder Zürich weiterhin von Zuwanderung und begrenztem Bauland profitieren, verlieren ländliche Regionen weiter an Dynamik. Ein Fondsmanager aus Zürich berichtete von „deutlich gestiegenen Anfragen“ für Wohnprojekte in der Stadt, während ländliche Objekte nur noch mit Abschlägen gehandelt werden. Der demografische Wandel verstärkt diesen Trend: Junge Menschen ziehen in die Städte, ältere Generationen suchen betreutes Wohnen – ein Segment, das laut Branchenkreisen als „zukunftsstark“ gilt. [1][2]

Für Projektentwickler wird das Umfeld schwieriger. Institutionelle Investoren bevorzugen „sichere Anlageklassen“ mit sofortiger Mieteinnahme, während spekulative Neubauten nur noch mit hohen Eigenkapitalquoten finanziert werden. Ein Entwickler aus Hamburg klagte: „Die Banken verlangen plötzlich 40 Prozent Eigenkapital – früher waren es 20.“ Das bremst die Pipeline, was langfristig den Wohnungsmangel verschärfen könnte. Gleichzeitig entstehen Chancen für Denkmalimmobilien, die von Steueranreizen profitieren. Hier lassen sich durch Sanierung und Umnutzung attraktive Renditen erzielen. [2][6]

Der Markt startet 2026 mit spürbarem Optimismus, aber auch mit einer neuen Realität. Die Zeiten der zweistelligen Renditen sind vorbei, doch wer die richtigen Lagen und Segmente trifft, kann stabile Cashflows generieren. Ein Asset Manager aus Frankfurt brachte es auf den Punkt: „Es geht nicht mehr um Spekulation, sondern um Substanz.“ Das bedeutet: Wer jetzt einsteigt, muss genau hinschauen – oder auf die nächsten Zinssenkungen warten. [6]

Hintergrund

Der DACH-Immobilienmarkt durchläuft 2026 eine Phase der selektiven Erholung. Nach Jahren der Preiskorrektur und sinkender Transaktionsvolumina zeichnen sich moderate Preissteigerungen in gefragten Lagen ab, während strukturelle Faktoren wie Wohnungsmangel und demografischer Wandel langfristige Chancen bieten. Die Zinsentwicklung bleibt ein zentraler Treiber, doch die Stabilisierung der Finanzierungskosten gibt Investoren Planungssicherheit zurück. Gleichzeitig differenziert sich der Markt: Wohnimmobilien in Metropolen bleiben gefragt, während Büroimmobilien in B- und C-Lagen unter Druck geraten.

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