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Build in Public – PropTechs neue Geheimwaffe

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Build in Public – PropTechs neue Geheimwaffe

Was passiert, wenn Startups ihre Finanzierungsrunden live twittern und Produkt-Fails auf LinkedIn teilen? Im DACH-PropTech-Sektor wird Transparenz zum Wettbewerbsvorteil. Doch nicht alle spielen mit – und die Gründe sind aufschlussreich.

Marcus Heller

13. Juni 2026

Es war ein Dienstagmorgen im März, als das Berliner PropTech-Startup syte eine ungewöhnliche Pressemitteilung verschickte. Nicht nur die Höhe der Series-A-Runde – ein stattliches Volumen – wurde kommuniziert, sondern auch die Namen der Investoren, die Konditionen und sogar die geplanten Meilensteine für die nächsten 18 Monate. Branchenkreise raunten: So etwas hatte man im konservativen Immobiliensektor noch nicht gesehen. Doch syte war nicht allein. Immer mehr PropTechs im DACH-Raum setzen auf radikale Offenheit, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Die Methode nennt sich „Build in Public“ – und sie verändert gerade die Spielregeln. [5]

Die Logik dahinter ist simpel: In einem Markt, der von Misstrauen gegenüber digitalen Lösungen geprägt ist, wird Transparenz zum Vertrauensbooster. „Wenn ein Startup seine Finanzdaten offenlegt, signalisiert es Stabilität – und das ist für Investoren in der Pre-Seed- oder Series-A-Phase Gold wert“, erklärt eine informierte Person aus dem Umfeld der German PropTech Initiative. Besonders Seed-Startups nutzen die Strategie, um frühzeitig Feedback von Kunden und Partnern einzuholen. Ein Beispiel: Beta-Tests werden nicht mehr hinter verschlossenen Türen durchgeführt, sondern in öffentlichen Slack-Communities oder auf LinkedIn dokumentiert. Die Resonanz? Überraschend positiv – zumindest bei denjenigen, die bereit sind, zuzuhören. [4]

Doch nicht alle Akteure im DACH-Raum springen auf den Zug auf. Während in Berlin oder München die ersten PropTechs ihre Roadmaps öffentlich teilen, herrscht in Wien oder Zürich noch Zurückhaltung. „Die DSGVO ist ein Killer für Build in Public“, sagt ein Gründer, der anonym bleiben möchte. „Sobald man über Produktentwicklung oder Kundendaten spricht, wird es juristisch heikel.“ Dazu kommt die Skepsis traditioneller Immobilienplayer: „Viele Projektentwickler oder Asset Manager wollen keine Details preisgeben – aus Angst, Wettbewerber könnten ihre Strategien kopieren.“ Die Folge: Die meisten Startups beschränken sich auf Finanzdaten oder allgemeine Marktanalysen. [1]

Trotz der Hürden wird Build in Public zum Differenzierungsmerkmal. Auf Events wie den EBZ PropTech Days oder der RESI Impact Night präsentieren Startups nicht nur ihre Erfolge, sondern auch ihre Learnings – inklusive gescheiterter Features oder abgebrochener Pilotprojekte. „Das schafft eine Kultur des Lernens“, sagt Pia Kleine, eine bekannte Stimme der Branche. „Plötzlich geht es nicht mehr darum, perfekt zu sein, sondern darum, ehrlich zu sein.“ Für Investoren ist das ein Signal: Wer bereit ist, Schwächen zu zeigen, hat wahrscheinlich auch eine realistischere Einschätzung der eigenen Chancen. [2][6]

Die internationale Perspektive zeigt, wohin die Reise gehen könnte. Eine Analyse von Intelectium nennt über ein Dutzend PropTech-Startups, die den Sektor „revolutionieren“ – darunter auch einige aus dem DACH-Raum. „Diejenigen, die Build in Public konsequent umsetzen, profitieren von einer stärkeren Community und schnellerem Wachstum“, heißt es in dem Bericht. Doch der Ansatz hat Grenzen: In einem Markt, der von langfristigen Verträgen und hohen Eintrittsbarrieren geprägt ist, bleibt Transparenz oft ein Luxus für die Early-Stage-Phase. Sobald es um echte Assets geht, wird es wieder still. [7]

Die Frage ist nicht mehr, ob Build in Public funktioniert, sondern wie lange es dauert, bis die Branche es als Standard akzeptiert. Accelerator-Programme wie PropTech1 Ventures setzen bereits auf öffentliche Demo-Days, bei denen Gründer vor einem gemischten Publikum aus Investoren und Kunden pitchen. „Die Resonanz ist enorm“, sagt ein Teilnehmer. „Plötzlich fühlt sich das Startup nicht mehr wie ein Blackbox-Projekt an, sondern wie ein Partner.“ Für die DACH-PropTechs, die noch zögern, könnte das ein Weckruf sein: Wer nicht mitmacht, riskiert, unsichtbar zu bleiben.

Am Ende geht es um mehr als nur Marketing. Build in Public ist eine Wette auf die Zukunft – eine Wette darauf, dass Offenheit in einer Branche, die von Intransparenz lebt, zum ultimativen Wettbewerbsvorteil wird. Die ersten Erfolge geben den Pionieren recht. Doch ob der Trend bleibt, hängt davon ab, ob die Immobilienwirtschaft bereit ist, ihre Komfortzone zu verlassen. Bis dahin bleibt Build in Public das, was es von Anfang an war: ein Experiment mit offenem Ausgang. [1]

Hintergrund

Der DACH-PropTech-Markt ist ein paradoxes Biotop: Auf der einen Seite boomen digitale Lösungen für Asset Management, ESG-Compliance oder Mieterkommunikation, auf der anderen Seite herrscht eine Kultur der Geheimhaltung, die selbst Silicon-Valley-Gründer erblassen ließe. Mit über 20 relevanten Startups allein im Jahr 2024 wird der Wettbewerb um Aufmerksamkeit, Investoren und Pilotkunden härter. Build in Public ist die Antwort einer neuen Generation von Gründern, die erkannt haben: In einem Markt, der von Misstrauen geprägt ist, wird Transparenz zum stärksten Asset. Doch die Methode stößt an Grenzen – regulatorische Hürden, konservative Kunden und die Angst vor Nachahmung bremsen die Bewegung. Die Frage ist nicht, ob der Trend kommt, sondern wer ihn überlebt.

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