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DACH-Immobilienmarkt 2026: Erholung mit strukturellen Brüchen

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Markt & Investments

DACH-Immobilienmarkt 2026: Erholung mit strukturellen Brüchen

Der DACH-Immobilienmarkt zeigt 2026 erste Erholungstendenzen, getrieben durch sinkende Finanzierungskosten und eine stabilere Wirtschaftslage. Während Wohnimmobilien als sichere Anlageklasse gelten, steht der Bürosegment unter anhaltendem Anpassungsdruck. Investoren passen Portfolios an langfristige Trends wie Demografie und ESG-Vorgaben an.

Anna Lenz

11. April 2026

Die Erholung des DACH-Immobilienmarkts 2026 wird maßgeblich von der Geldpolitik der EZB und SNB getragen. Beide Zentralbanken signalisieren eine Lockerung der Zinspolitik, was die Finanzierungskosten für Immobilientransaktionen spürbar senkt. Für Investoren bedeutet das eine verbesserte Kalkulationssicherheit, insbesondere bei langfristigen Projekten. Institutionelle Akteure reagieren mit einer Erhöhung ihrer Immobilienquoten im Portfolio, wie Umfragen unter deutschen Investoren zeigen. Die Nachfrage konzentriert sich dabei auf Asset-Klassen mit stabilen Cashflows und geringerer Volatilität. [4][7]

Wohnimmobilien bleiben die bevorzugte Anlageklasse im DACH-Raum, gestützt durch demografische Trends. Der Bedarf an altersgerechtem Wohnraum und Mikroapartments für Studierende steigt in urbanen Zentren kontinuierlich. Besonders in Deutschland und Österreich zeigen Neubauprojekte in Metropolen wie Wien und München eine hohe Vermietungsquote. Schweizer Städte wie Zürich verzeichnen dagegen eine leichte Preiskorrektur, bleiben aber aufgrund der stabilen Nachfrage attraktiv. Investoren setzen vermehrt auf Bestandsimmobilien mit Modernisierungspotenzial, um ESG-Kriterien zu erfüllen und regulatorische Vorgaben zu antizipieren. [1][3]

Der Büroimmobilienmarkt steht weiterhin unter strukturellem Anpassungsdruck. Hybridarbeit und Flächenoptimierung führen zu einer Neubewertung von Büroflächen, wobei hochwertige Prime-Lagen in Städten wie Frankfurt und Berlin stabil bleiben. Leerstandsquoten in B- und C-Lagen steigen dagegen weiter, was die Renditeerwartungen belastet. Institutionelle Investoren reduzieren ihre Exposure in diesem Segment oder setzen auf Umnutzungskonzepte, etwa durch Umwandlung in Wohn- oder Logistikflächen. Die Nachfrage nach flexiblen Bürokonzepten nimmt zu, was kurzfristige Mietverträge begünstigt. [1][2]

REITs im DACH-Raum verzeichnen 2026 eine gemischte Performance. Während die Dividendenrenditen stabil bleiben, zeigt der FTSE EPRA/NAREIT Developed Europe Index weiterhin eine unterdurchschnittliche Wertentwicklung. Investoren bevorzugen REITs mit Fokus auf Wohnimmobilien oder gemischte Portfolios, die ESG-Kriterien erfüllen. Die Liquidität der Papiere verbessert sich leicht, bleibt aber hinter historischen Werten zurück. Für Anleger bieten REITs dennoch eine Möglichkeit, indirekt in den Immobilienmarkt zu investieren, ohne direkte Managementverantwortung zu übernehmen. [6]

Nachhaltigkeit wird zum entscheidenden Faktor für Investitionsentscheidungen. ESG-Kriterien sind nicht mehr nur ein Nice-to-have, sondern eine regulatorische Notwendigkeit, insbesondere durch die EU-Taxonomie. Immobilien mit Zertifizierungen wie DGNB oder LEED erzielen höhere Mietpreise und geringere Leerstandsrisiken. Institutionelle Investoren passen ihre Due-Diligence-Prozesse an, um Nachhaltigkeitsrisiken frühzeitig zu identifizieren. Projekte ohne klare ESG-Strategie werden zunehmend schwerer finanzierbar, was den Druck auf Bestandsportfolios erhöht. [2]

Das Transaktionsvolumen im DACH-Raum zeigt 2026 eine leichte Erholung, bleibt aber unter den Werten der Vorjahre. Institutionelle Investoren nutzen die verbesserten Finanzierungsbedingungen, um selektiv in Core- und Core-Plus-Objekte zu investieren. Besonders gefragt sind Wohnimmobilien in A-Lagen sowie Logistikflächen mit langfristigen Mietverträgen. Der Markt für opportunistische Investments bleibt dagegen verhalten, da die Risikobereitschaft der Anleger weiterhin gedämpft ist. Portfoliobereinigungen großer Asset Manager könnten zusätzliche Objekte auf den Markt bringen. [2][7]

Die regionalen Unterschiede im DACH-Raum bleiben ausgeprägt. Während deutsche Metropolen wie München und Hamburg von einer stabilen Nachfrage profitieren, zeigen österreichische Städte wie Wien ein dynamischeres Wachstum. Die Schweiz verzeichnet dagegen eine stärkere Differenzierung zwischen urbanen Zentren und ländlichen Regionen. Investoren passen ihre Strategien entsprechend an, indem sie lokale Marktkenntnisse stärker gewichten. Cross-Border-Investments nehmen zu, wobei deutsche Investoren vermehrt in österreichische und Schweizer Märkte expandieren. [1]

Hintergrund

Nach Jahren der Stagnation und Preiskorrekturen infolge hoher Zinsen und wirtschaftlicher Unsicherheit deutet sich 2026 eine Trendwende im DACH-Immobilienmarkt an. Treiber sind sinkende Finanzierungskosten, demografische Entwicklungen und die zunehmende Bedeutung von ESG-Kriterien. Während Wohnimmobilien als sichere Anlageklasse gelten, steht der Bürosegment vor strukturellen Herausforderungen. Institutionelle Investoren und REITs passen ihre Strategien an, um von langfristigen Trends zu profitieren.

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