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EU Inc. – Europas Antwort auf Delaware?
Was passiert, wenn Europa endlich eine Rechtsform schafft, die Startups nicht mehr in die USA treibt? Die EU Inc. könnte genau das sein – und PropTech-Gründer im DACH-Raum stehen schon Schlange. Doch der Weg ist steinig.
Marcus Heller
15. Oktober 2026
Es war ein Abend in Berlin, als ein Wiener Gründer seinem Zürcher Investor gegenübersaß und die Frage stellte: Warum fliegen wir eigentlich alle nach Delaware? Die Antwort lag nicht in der Luft, sondern in den Aktenordnern – fragmentierte Rechtsrahmen, unterschiedliche Steuerregeln, und vor allem: das Gefühl, in Europa immer einen Schritt hinterher zu sein. Doch jetzt könnte sich das ändern. Die EU-Kommission hat mit der EU Inc. einen Vorschlag auf den Tisch gelegt, der genau diese Probleme angehen soll. Branchenkreise nennen es das 28. Regime – eine Rechtsform, die neben den 27 nationalen Systemen existieren und Startups eine einheitliche Struktur bieten soll. Für PropTech-Startups wie Properti oder Propcorn, die bereits früh Millionen einsammeln, könnte das ein Gamechanger sein. [1][3]
Delaware ist seit Jahrzehnten der Goldstandard für Venture-Capital-finanzierte Unternehmen. Warum? Weil der US-Bundesstaat ein vorhersehbares Gesellschaftsrecht, standardisierte Finanzierungsmechanismen und ein spezialisiertes Gerichtssystem bietet. Europa hingegen wirkt wie ein Flickenteppich – was in Deutschland funktioniert, scheitert in Österreich an einer anderen Auslegung. Informierte Personen aus der VC-Szene berichten, dass allein die Due-Diligence-Kosten für grenzüberschreitende Deals spürbar steigen. Die EU Inc. soll genau das ändern: eine Rechtsform, die Investoren und Gründern ähnliche Vorteile wie Delaware bietet, ohne dass man den Atlantik überqueren muss. Doch ob das gelingt, hängt davon ab, wie viele Mitgliedstaaten mitziehen. [2][3]
Dass der Bedarf da ist, zeigen die Zahlen. Das Schweizer PropTech Properti sicherte sich nur sechs Monate nach seiner ersten Seed-Finanzierung eine weitere Runde im Millionenbereich. Und das Wiener Startup Propcorn sammelte für seine KI-basierte Immobilienplattform bereits in der Pre-Seed-Phase eine sechsstellige Summe ein. Beide Fälle belegen: Der Markt für PropTech im DACH-Raum ist heiß, aber die rechtlichen Hürden bremsen das Tempo. Ein Berliner Accelerator-Manager, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagt: Wenn die EU Inc. kommt, werden wir sie sofort als Standard für unsere Portfolio-Startups empfehlen. Exit-Szenarien wie Trade Sales oder IPOs wären plötzlich viel einfacher. [4][6]
Doch nicht alle sind überzeugt. Kritiker monieren, dass die EU Inc. am Ende doch nur ein weiterer Kompromiss sein könnte – zu lasch, um Delaware wirklich Konkurrenz zu machen. Ein spanischer VC-Anwalt, der an den Verhandlungen beteiligt war, warnt: Wenn die Mitgliedstaaten zu viele Sonderregeln durchdrücken, wird die EU Inc. am Ende genauso kompliziert wie die nationalen Systeme. Besonders die Schweiz, die nicht zur EU gehört, könnte ein Problem bekommen. Zwar gibt es Überlegungen, über bilaterale Abkommen Zugang zu ermöglichen, aber ob das reicht, um internationale Investoren zu überzeugen, ist fraglich. [2][3]
Trotzdem gibt es erste Signale, dass die EU Inc. mehr ist als nur ein Papiertiger. Accelerator-Programme in Berlin, Wien und Zürich diskutieren bereits, wie sie die neue Rechtsform in ihre Standardverträge integrieren können. Ein österreichischer Gründer, dessen Startup kürzlich eine Pre-Seed-Runde abschloss, sagt: Wenn die EU Inc. kommt, sind wir die Ersten, die wechseln. Alles, was uns Zeit und Geld spart, ist ein Wettbewerbsvorteil. Besonders für PropTech-Startups, die oft mit komplexen Regularien in mehreren Ländern zu kämpfen haben, könnte die Vereinheitlichung ein Segen sein. [1][6]
Doch der Teufel steckt im Detail. Selbst wenn die EU Inc. kommt, wird sie nicht von heute auf morgen alle Probleme lösen. Ein deutscher VC-Investor, der anonym bleiben möchte, gibt zu bedenken: Delaware hat Jahrzehnte gebraucht, um seinen Ruf aufzubauen. Die EU Inc. muss beweisen, dass sie nicht nur auf dem Papier existiert, sondern auch in der Praxis funktioniert. Besonders die Frage, wie schnell Gerichte und Behörden mit der neuen Rechtsform umgehen können, wird entscheidend sein. Sollte es hier zu Verzögerungen kommen, könnte der anfängliche Enthusiasmus schnell verfliegen. [2][3]
Fest steht: Die EU Inc. hat das Potenzial, den Markt für Startups und Investoren im DACH-Raum grundlegend zu verändern. Wenn sie gelingt, könnte sie den Delaware Flip überflüssig machen – und Europa endlich eine echte Alternative bieten. Doch bis dahin wird es noch einige Runden an Verhandlungen, Anpassungen und Überzeugungsarbeit brauchen. Ein Wiener Anwalt, der Startups bei Finanzierungsrunden berät, bringt es auf den Punkt: Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber ob es ein großer Sprung wird, hängt davon ab, wie mutig die EU am Ende wirklich ist. [1][3]
Hintergrund
Der DACH-Raum ist einer der dynamischsten Märkte für PropTech-Startups in Europa. Doch während die Finanzierungsrunden größer werden, bleiben die rechtlichen Hürden ein zentrales Problem. Die EU Inc. könnte hier Abhilfe schaffen – vorausgesetzt, sie wird nicht durch nationale Egoismen verwässert. Besonders Deutschland als größter VC-Markt in Europa hätte viel zu gewinnen, wenn internationale Investoren leichter einsteigen könnten. Doch auch Österreich und die Schweiz, die nicht zur EU gehören, könnten über bilaterale Abkommen profitieren. Die Frage ist: Wird die EU Inc. zum Gamechanger – oder nur ein weiterer Versuch, der im Bürokratie-Dschungel versandet?
Quellen
- [1]EU Inc: Ist das die europäische Alternative zum Delaware Flip?
- [2]EU Inc als Anti-Delaware-Flip: Was die neue Rechtsform leisten kann
- [3]EU Inc: Europe’s Delaware Alternative for Venture Capital and Startups
- [4]Sechs Monate nach der ersten Seed-Finanzierung: 6 Millionen für das PropTech Properti – ein positives Signal für andere Startups | MoneyToday
- [5]Aktuelle Finanzierungsrunden & Startup-Investments – die wichtigsten News - Business Insider
- [6]Vienna-based Propcorn secures €600k pre-seed for AI-based property platform | EU-Startups
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