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Kölns Roboter-Rebellen gegen den Erntemangel

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Kölns Roboter-Rebellen gegen den Erntemangel

Was passiert, wenn zwei Ex-Google-Ingenieure beschließen, Gewächshäuser mit KI zu erobern? Eternal.ag hat gerade 8 Millionen Euro eingesammelt – und könnte die DACH-Landwirtschaft auf den Kopf stellen. Die Frage ist nicht, ob die Roboter kommen, sondern wer sie zuerst einsetzt.

Marcus Heller

20. März 2026

Es ist ein Dienstagmorgen in Köln, als Renji John und Sherry Kunjachan ihren ersten Prototypen in ein Gewächshaus bei Düsseldorf rollen lassen. Die beiden Gründer, beide mit Google-Vergangenheit, haben 2025 Eternal.ag aus der Taufe gehoben – und jetzt, keine zwölf Monate später, steht ihr Roboter „Harvester“ im Rampenlicht. Der Deal, der diese Woche publik wurde, ist kein gewöhnlicher Seed: 8 Millionen Euro, angeführt von Simon Capital, mit Oyster Bay und EquityPitcher im Schlepptau. Branchenkreise flüstern, dass die Runde bereits überzeichnet war, bevor die ersten Pitch-Decks verschickt wurden. Der Grund? Der „Harvester“ verspricht, was die Agrarbranche seit Jahren verzweifelt sucht: eine Lösung für den chronischen Arbeitskräftemangel in Gewächshäusern. [3][4]

Die Technologie hinter dem Roboter klingt wie Science-Fiction, ist aber längst Realität. „Harvester“ navigiert autonom durch die engen Reihen von Tomaten- oder Gurkenpflanzen, erkennt reife Früchte mit KI-gestützter Bildverarbeitung und pflückt sie mit einer Präzision, die selbst erfahrene Erntehelfer in den Schatten stellt. Informierte Personen aus dem Umfeld des Startups berichten, dass der Roboter bereits in ersten Feldtests eine Erntegeschwindigkeit erreicht hat, die deutlich über dem menschlichen Durchschnitt liegt. Das Problem, das Eternal.ag löst, ist dabei kein Nischenproblem: In der DACH-Region fehlen jedes Jahr tausende Saisonarbeiter, und die Lücke wird größer, nicht kleiner. [1][3]

Die Investoren, die jetzt bei Eternal.ag eingestiegen sind, haben nicht nur das Potenzial der Technologie im Blick, sondern auch die Marktchancen in der DACH-Region. Simon Capital, bekannt für seine Wetten auf disruptive Technologien, sieht in dem Startup einen Schlüsselspieler für die „Food Resilience“ – ein Thema, das in Zeiten von Klimawandel und Lieferkettenkrisen immer mehr an Bedeutung gewinnt. Niklas Leske, Partner bei Simon Capital, sagte in einem Hintergrundgespräch, dass Eternal.ag genau dort ansetzt, wo andere AgTech-Startups scheitern: bei der Skalierbarkeit. Während viele Konkurrenten sich auf Freilandkulturen konzentrieren, setzt das Kölner Startup auf Gewächshäuser – ein Segment, das in Deutschland und der Schweiz besonders stark wächst. [2][5]

Doch der Weg zur Marktreife ist steinig. Gewächshausbetreiber sind traditionell skeptisch gegenüber neuen Technologien, und die Integration von Robotern in bestehende Arbeitsabläufe erfordert nicht nur technische Anpassungen, sondern auch ein Umdenken bei den Mitarbeitern. Eternal.ag hat hier einen entscheidenden Vorteil: Die Gründer kommen nicht aus der Landwirtschaft, sondern aus der Tech-Welt. Sie denken in Iterationen, nicht in Erntezyklen. Branchenkenner berichten, dass das Startup bereits Pilotprojekte mit mehreren großen Gewächshausbetreibern in Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden läuft – ein klares Signal, dass die Technologie nicht nur im Labor funktioniert. [1][4]

Die 8-Millionen-Finanzierung ist dabei nur der Anfang. In Branchenkreisen wird spekuliert, dass Eternal.ag bereits in Gesprächen mit weiteren Investoren steht, um eine Series-A-Runde vorzubereiten. Der Fokus liegt dabei auf der Expansion in die Schweiz und Österreich, wo Gewächshauskulturen ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Besonders die Steiermark, bekannt für ihren intensiven Gemüseanbau, gilt als vielversprechender Markt. Die Frage ist nicht, ob die Roboter kommen, sondern wer sie zuerst einsetzt – und wer zu spät dran ist. [4][5]

Für institutionelle Investoren ist Eternal.ag ein interessanter Testfall. Die AgTech-Branche in der DACH-Region hat in den letzten Jahren deutlich an Fahrt aufgenommen, aber viele Startups scheitern an der Kommerzialisierung. Eternal.ag setzt hier auf einen klaren USP: Die Kombination aus KI und Robotik, die nicht nur die Effizienz steigert, sondern auch die Abhängigkeit von menschlicher Arbeit reduziert. Das ist ein starkes Argument in einer Branche, die unter Fachkräftemangel und steigenden Lohnkosten leidet. Die Frage ist, ob das Startup die Erwartungen erfüllen kann – oder ob der „Harvester“ am Ende doch nur ein teures Spielzeug bleibt. [3][5]

Eines ist sicher: Die Seed-Runde von Eternal.ag hat in der DACH-AgTech-Szene Wellen geschlagen. Plötzlich reden alle über Gewächshaus-Roboter – und über die Frage, wer als nächstes in diesen Markt einsteigt. Die Gründer selbst halten sich bedeckt, aber in Köln kursieren bereits Gerüchte über weitere Kooperationen mit Tech-Partnern. Eines steht fest: Wenn der „Harvester“ hält, was er verspricht, könnte er nicht nur die Landwirtschaft verändern, sondern auch die Art und Weise, wie wir über Nahrungsmittelproduktion denken. [1][4]

Hintergrund

Die DACH-Region steht vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits wächst der Druck auf die Landwirtschaft, effizienter und nachhaltiger zu produzieren, andererseits fehlen zunehmend Arbeitskräfte, insbesondere in der Saisonarbeit. AgTech-Startups wie Eternal.ag versuchen, diese Lücke mit Technologie zu schließen. Besonders in Deutschland und der Schweiz, wo Gewächshauskulturen eine wichtige Rolle spielen, könnte die Automatisierung der Ernte ein Game-Changer sein. Die Finanzierung von Eternal.ag zeigt, dass Investoren bereit sind, in Lösungen zu investieren, die nicht nur technologisch innovativ sind, sondern auch konkrete Probleme der Branche adressieren.

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