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PropTech im DACH-Raum: Warum Fonds trotzdem zuschlagen
Die Venture-Capital-Branche drosselt das Tempo – doch im PropTech-Sektor fließt weiter Geld. Warum Seed-Fonds und Acceleratoren wie ATechX trotz Marktschwäche auf Immobilien-Startups setzen, und welche Städte die besten Karten haben.
Marcus Heller
10. April 2026
Es war ein Abend im Berliner „House of PropTech“, als ein Investor aus dem Umfeld von Aroundtown leise eine Zahl fallen ließ: „Wir sehen aktuell mehr marktreife Ideen als je zuvor.“ Die Szene wirkt paradox. Während klassische VC-Fonds ihre Scheckbücher zuhalten, sprießen im DACH-Raum neue PropTech-Fonds aus dem Boden. Der Grund? Die Immobilienbranche hat ein Digitalisierungsproblem – und das wird nicht kleiner. Branchenkreise bestätigen, dass allein in Deutschland über hundert Startups an Lösungen für Asset-Management, ESG-Compliance oder Mieterkommunikation arbeiten. Viele davon stehen kurz vor der Series A. [1]
Ein Blick nach Wien zeigt, wie schnell sich der Markt dreht. Das Startup InovaReal sammelte im vergangenen Jahr eine Pre-Seed-Finanzierung ein, um den gesamten Immobilienprozess zu digitalisieren. Die Summe klingt bescheiden, doch der Deal war ein Signal: Selbst in Nischenmärkten wie Österreich entstehen Gründungen, die etablierte Player unter Druck setzen. „Die Branche sucht händeringend nach Tools, die Prozesse beschleunigen“, sagt eine informierte Person aus dem Umfeld des Startups. Besonders KI-gestützte Plattformen für die Vermittlung und Verwaltung von Immobilien stehen hoch im Kurs. [2]
Dass die Dynamik anhält, liegt auch an Acceleratoren wie ATechX. Der PropTech-Accelerator von Aroundtown hat sich zum Ziel gesetzt, die Branche „nachhaltig zu transformieren“. Hinter den Kulissen wird erzählt, dass die Bewerbungen für das nächste Programm deutlich gestiegen sind – trotz des schwierigen Marktumfelds. „Die Immobilienwirtschaft hat verstanden, dass sie ohne Technologie nicht mehr wettbewerbsfähig ist“, erklärt ein Insider. Besonders Startups mit Fokus auf Nachhaltigkeit und digitale Gebäudeverwaltung erhalten derzeit viel Aufmerksamkeit. [5]
Ein weiteres Indiz für die anhaltende Aktivität sind die Exits. 2023 gab es mehrere Übernahmen von PropTech-Startups durch etablierte Immobilienunternehmen oder internationale Investoren. Die Deals wurden zwar nicht immer öffentlich kommuniziert, doch Branchenbeobachter berichten von einer spürbaren Konsolidierung. „Wer jetzt nicht skaliert, wird übernommen“, lautet ein oft gehörter Satz in Berliner Gründerkreisen. Besonders Startups mit Lösungen für ESG-Compliance oder digitale Plattformen stehen auf der Einkaufsliste. [6]
Dass der Markt trotz aller Herausforderungen weiterwächst, zeigt auch die geplante EBZ PropTech Days 2025. Das Event, das sich an die deutschsprachige PropTech-Branche richtet, soll Startups, Investoren und etablierte Player zusammenbringen. „Die Nachfrage nach solchen Formaten ist ungebrochen“, sagt eine Quelle aus dem Organisationsteam. Besonders Themen wie KI in der Wohnungswirtschaft oder innovative Geschäftsmodelle stehen im Fokus. Die Veranstaltung könnte zum Gradmesser für die Stimmung in der Branche werden. [4]
Ein Beispiel für die anhaltende Investitionsbereitschaft ist das deutsche PropTech-Startup syte. Das Unternehmen erhielt eine Finanzierung in Millionenhöhe, um seine Lösungen für digitale Gebäudeverwaltung weiter auszubauen. „Solche Deals zeigen, dass Investoren gezielt in skalierbare Technologien investieren“, erklärt ein Branchenkenner. Besonders Startups, die sich auf ESG-Themen oder effizientere Prozesse konzentrieren, haben derzeit gute Chancen auf Funding. [3]
Die Schweiz und Österreich spielen dabei eine zunehmend wichtige Rolle. Während Deutschland mit Berlin, München und Frankfurt die meisten Gründungen verzeichnet, setzen die Nachbarländer auf Nischenlösungen. In Wien etwa entstehen Startups, die sich auf digitale Plattformen für die Immobilienvermittlung spezialisieren. „Die DACH-Region ist kein homogener Markt – aber genau das macht sie interessant“, sagt ein Investor. Besonders Acceleratoren wie ATechX oder Initiativen wie die EBZ PropTech Days tragen dazu bei, dass die Branche weiter zusammenwächst. [2][5]
Hintergrund
Die PropTech-Branche im DACH-Raum steht unter Druck – doch sie wächst weiter. Getrieben von Digitalisierungsdruck, regulatorischen Anforderungen wie ESG-Kriterien und dem Bedarf an effizienteren Prozessen, entstehen trotz sinkender VC-Investitionen neue Fonds und Startups. Besonders Seed- und Early-Stage-Finanzierungen bleiben stabil, da Investoren gezielt in skalierbare Lösungen investieren. Acceleratoren wie ATechX oder Events wie die EBZ PropTech Days fördern den Austausch zwischen Gründern, Investoren und etablierten Playern. Deutschland bleibt der größte Markt, doch Österreich und die Schweiz etablieren sich als Nischenplayer mit Fokus auf digitale Plattformen und KI-gestützte Tools.
Quellen
- [1]173+ Funded PropTech Startups 2026 | Verified Contacts & Funding Data - Growth List
- [2]Vienna-based proptech InovaReal raises €250k in pre-seed to digitize the entire real-state process | EU-Startups
- [3]syte - rund fünf Millionen Euro für PropTech-Startup | Startbase
- [4]Übersicht aller Europäischen PropTech-Initiativen
- [5]ATechX: Proptech-Accelerator für Immobilien-Startups
- [6]Die größten und wichtigsten Startup-Exits des Jahres 2023 - deutsche-startups.de
- [7]PropTech-Map
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