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PropTech im DACH-Raum: Wo die Immobilien-Revolution beginnt

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PropTech im DACH-Raum: Wo die Immobilien-Revolution beginnt

Was in Berlin, Wien und Zürich hinter den Kulissen passiert, könnte die Immobilienbranche für immer verändern. Doch während Accelerator wie ATechX Millionen in Startups pumpen, kämpfen Gründer mit regulatorischen Bremsen – und Investoren fragen sich: Wo bleibt das nächste Unicorn?

Marcus Heller

11. April 2026

Es war ein Deal, der in der Branche für Aufsehen sorgte: Als das Wiener Startup InovaReal vor wenigen Monaten eine Pre-Seed-Runde abschloss, ging es nicht nur um Geld. Es ging um den Beweis, dass digitale Immobilienprozesse auch in einem Markt funktionieren, der traditionell mit Papier und Handschlag arbeitet. Die Summe? Ein Betrag, der in anderen Ökosystemen vielleicht nur ein müdes Lächeln auslösen würde – aber in Österreich als Signal gilt. Branchenkreise berichten, dass die Investoren nicht nur das Produkt, sondern vor allem das Team überzeugt hat: ehemalige Immobilienprofis, die wissen, wo der Schuh drückt. Und genau das ist das Muster, das sich im DACH-Raum immer wieder zeigt: PropTech-Startups entstehen dort, wo Branchenkenntnis auf Technologie trifft. [2]

Doch während InovaReal in Wien die Prozesse digitalisiert, geht es in Deutschland um ganz andere Dimensionen. Das Berliner Startup syte hat vor kurzem eine Series-A-Runde abgeschlossen, die in der Szene als Meilenstein gefeiert wird. Warum? Weil es zeigt, dass PropTech nicht mehr nur ein Nischenthema für Early Adopter ist, sondern langsam in den Mainstream vordringt. Die Investorenliste liest sich wie ein Who-is-Who der Immobilienbranche – darunter auch etablierte Player, die plötzlich merken, dass sie ohne digitale Tools den Anschluss verlieren könnten. Ein Insider aus dem Umfeld des Deals verrät: „Die Runde war überzeichnet. Das Interesse war so groß, dass wir sogar einige Investoren abweisen mussten.“ Ein Zeichen dafür, dass das Geld in der Branche zwar knapp ist, aber dort, wo es wirklich innovativ wird, fließt es plötzlich reichlich. [3]

Doch wer denkt, dass PropTech im DACH-Raum nur eine deutsche oder österreichische Angelegenheit ist, der irrt. Auch die Schweiz mischt mit – wenn auch mit einem anderen Fokus. Während in Berlin und Wien vor allem Transaktionsprozesse und Datenanalyse im Mittelpunkt stehen, setzen Zürcher Startups verstärkt auf Nachhaltigkeit und KI. Das Problem: Die Finanzierungsvolumina sind hier deutlich kleiner. Ein Gründer aus Genf, der nicht namentlich genannt werden möchte, bringt es auf den Punkt: „In der Schweiz gibt es viele gute Ideen, aber zu wenig Risikokapital, das bereit ist, in frühe Phasen zu investieren.“ Das könnte sich ändern, wenn die ersten Exits kommen – doch die lassen auf sich warten. [5][7]

Dabei gibt es längst Programme, die genau diese Lücke schließen sollen. ATechX, der Accelerator des Immobilienriesen Aroundtown, hat sich zum Ziel gesetzt, die Branche nachhaltig zu verändern. Und das nicht nur mit Geld, sondern mit Zugang zu einem Netzwerk, das für Startups sonst schwer zu knacken ist. „Die meisten Gründer kommen mit einer guten Idee, aber ohne Ahnung, wie die Immobilienbranche wirklich tickt“, sagt ein ehemaliger Teilnehmer des Programms. „ATechX gibt ihnen nicht nur Kapital, sondern auch die Kontakte, die sie brauchen, um wirklich etwas zu bewegen.“ Doch nicht alle sind überzeugt: Kritiker monieren, dass solche Programme oft nur Alibi-Projekte großer Konzerne sind, die sich ein grünes Image verpassen wollen. [5]

Dass die Branche langsam erwachsen wird, zeigen auch die ersten Exits. 2023 gab es einige Verkäufe, die zwar keine Milliarden-Deals waren, aber dennoch als Erfolg gewertet werden. Ein Insider aus dem Umfeld eines dieser Exits berichtet: „Es war kein spektakulärer Exit, aber er hat gezeigt, dass es einen Markt für PropTech gibt – und dass Investoren bereit sind, zu kaufen.“ Doch während in den USA oder Großbritannien längst Unicorns aus dem Boden schießen, bleibt der DACH-Raum hier noch zurück. Die Frage ist: Liegt das an den Startups – oder an den Investoren, die zu vorsichtig sind? [6]

Ein weiteres Problem, das Gründer immer wieder nennen: die regulatorischen Hürden. Datenschutz, Bauvorschriften, komplexe Genehmigungsverfahren – all das macht es schwer, digitale Lösungen schnell zu skalieren. „In Deutschland dauert es manchmal Jahre, bis eine Software überhaupt in der Praxis eingesetzt werden kann“, sagt ein Gründer, der mit seinem Startup in mehreren Bundesländern aktiv ist. „In anderen Ländern geht das viel schneller.“ Doch es gibt auch Licht am Horizont: Initiativen wie die EBZ PropTech Days bringen Gründer, Investoren und etablierte Player an einen Tisch – und zeigen, dass die Branche langsam lernt, zusammenzuarbeiten. [4][7]

Am Ende bleibt die Frage: Wird der DACH-Raum jemals ein PropTech-Unicorn hervorbringen? Die Antwort hängt davon ab, ob es gelingt, drei Dinge unter einen Hut zu bringen: mehr Risikokapital, weniger Regulierung – und vor allem eine Branche, die bereit ist, sich wirklich zu verändern. Die ersten Schritte sind gemacht, aber der Weg ist noch lang. Ein Investor, der seit Jahren in PropTech investiert, bringt es auf den Punkt: „Es ist wie bei einer Baustelle: Man sieht die Fortschritte, aber bis das Haus steht, dauert es noch.“ [1][6]

Hintergrund

Der DACH-Raum entwickelt sich zum Hotspot für PropTech-Innovationen, getrieben von einer Mischung aus Corporate-Venture-Capital, staatlichen Förderprogrammen und einer wachsenden Gründerszene. Während Deutschland mit Berlin, München und dem Ruhrgebiet die meisten Startups stellt, positioniert sich Österreich als Hub für digitale Immobilienprozesse und die Schweiz setzt auf Nachhaltigkeit und KI. Doch trotz erster Exits und erfolgreicher Finanzierungsrunden bleibt die Branche fragmentiert – und die Frage, ob hier jemals ein Unicorn entsteht, ist noch offen.

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