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PropTech-Investoren: Wer die DACH-Branche wirklich treibt
Drei Namen dominieren die Seed- und Series-A-Runden im DACH-PropTech-Markt. Doch wer steckt hinter HTGF, Picus Capital und Project A – und warum entscheiden sie gerade jetzt über die Zukunft der Immobilienbranche?
Marcus Heller
1. April 2026
Es war ein Mittwochmorgen im Münchner Büro von Picus Capital, als die Nachricht die Runde machte: Ein weiteres PropTech-Startup aus dem Portfolio hatte eine Series-A-Runde abgeschlossen. Nicht irgendeine – eine, die das Team seit Monaten vorbereitet hatte. Picus, 2015 von zwei Ex-Rocket-Internet-Managern gegründet, ist längst kein Geheimtipp mehr. Branchenkreise nennen den Fonds einen der aktivsten Early-Stage-Investoren im DACH-Raum, mit einem Portfolio, das von digitalen Maklerplattformen bis zu nachhaltigen Gebäudelösungen reicht. Doch was die wenigsten wissen: Picus agiert oft im Schatten größerer Player, setzt aber gezielt auf Nischen, die andere übersehen. [2][3]
Während Picus im Süden operiert, hat der High-Tech Gründerfonds (HTGF) aus Bonn längst die Rolle des stillen Riesen übernommen. Seit Jahren pumpt der öffentlich-private Fonds Kapital in junge PropTech-Unternehmen – und das mit einer Ausdauer, die selbst erfahrene VC-Manager überrascht. „Die haben eine Geduld, die man bei klassischen Investoren selten sieht“, sagt ein Gründer, der 2022 eine Seed-Runde mit HTGF abschloss. Der Fonds setzt auf Ticketgrößen, die für viele Startups den Unterschied zwischen Scheitern und Skalieren bedeuten. Doch HTGFs Einfluss geht über das Geld hinaus: Durch sein Netzwerk öffnen sich Türen zu Corporates, die sonst Jahre brauchen würden, um Vertrauen aufzubauen. [1][7]
Berlin, München, Hamburg – die großen PropTech-Hubs im DACH-Raum sind bekannt. Doch wer genau hinschaut, erkennt ein Muster: Project A Ventures, der Berliner Multi-Stage-Investor, mischt vor allem in Series-A-Runden mit. Das Team um Gründer Uwe Horstmann hat in den letzten Jahren gezielt in Startups investiert, die digitale Lösungen für Gebäudeverwaltung oder Immobilienvermittlung entwickeln. „Die verstehen die Pain Points der Branche“, sagt ein Corporate-Partner, der mit Project A kooperiert. Doch der Fonds hat auch eine andere Seite: Er drängt seine Portfoliounternehmen früh in Richtung Profitabilität – ein Ansatz, der in Zeiten knapper VC-Dollars immer mehr Investoren überzeugt. [1][7]
Doch was nützt das beste Kapital, wenn die Startups keine Kunden finden? Hier kommt die German PropTech Initiative (gpti) ins Spiel. Der Verein, der sich als „größtes Netzwerk für PropTech-Unternehmen in der DACH-Region“ bezeichnet, hat in den letzten Jahren eine zentrale Rolle eingenommen. Durch Fachveranstaltungen und Arbeitsgruppen bringt gpti Gründer, Investoren und Corporates an einen Tisch. „Ohne gpti wären viele unserer Deals nicht zustande gekommen“, sagt ein VC-Manager, der regelmäßig an den Offsites teilnimmt. Besonders aktiv ist der Verein in Themen wie Smart Data und nachhaltiger Gebäudetechnik – Bereiche, die für institutionelle Investoren immer relevanter werden. [4]
Doch nicht alle PropTech-Startups haben das Glück, von den großen Drei entdeckt zu werden. Für sie gibt es Accelerator-Programme wie Techstars oder den German Accelerator, die gezielt Early-Stage-Unternehmen fördern. Diese Plattformen bieten nicht nur Kapital, sondern auch Mentoring und Zugang zu einem Netzwerk, das für viele Gründer den entscheidenden Unterschied macht. „Ohne den Accelerator hätten wir nie die ersten Pilotkunden gewonnen“, sagt eine Gründerin, deren Startup 2023 in ein Programm aufgenommen wurde. Doch die Konkurrenz ist hart: Nur ein Bruchteil der Bewerber schafft es in die begehrten Programme. [5]
Der DACH-PropTech-Markt ist kein Selbstläufer. Während Deutschland mit über 500 aktiven Startups die Nase vorn hat, kämpfen Österreich und die Schweiz mit kleineren Ökosystemen. Doch gerade hier setzen Investoren wie Picus Capital an: Sie suchen gezielt nach Nischen, die in den größeren Märkten übersehen werden. „In Österreich gibt es eine starke Tradition im nachhaltigen Bauen – da lohnt es sich, genauer hinzuschauen“, sagt ein Insider. Gleichzeitig wird der Druck auf die Startups größer: Investoren verlangen zunehmend Proof of Concept, bevor sie größere Summen freigeben. [3][8]
Die Frage ist nicht, ob PropTech die Immobilienbranche verändern wird – sondern wer die Gewinner sein werden. HTGF, Picus Capital und Project A Ventures haben längst ihre Favoriten gesetzt. Doch der Markt bleibt dynamisch: Neue Player drängen nach, und die Anforderungen an Startups steigen. Wer heute noch mit einer guten Idee überzeugt, muss morgen schon skalierbare Lösungen liefern. Die nächsten zwölf Monate werden zeigen, welche Investoren wirklich Weitsicht bewiesen haben – und welche nur auf den nächsten Hype aufgesprungen sind. [1][7]
Hintergrund
Der DACH-PropTech-Markt hat sich seit 2020 rasant entwickelt, getrieben von digitalen Lösungen für Smart Building, nachhaltige Gebäudetechnik und Asset Management. Deutschland führt mit Abstand, doch auch Österreich und die Schweiz holen auf – vor allem in Nischen wie ConTech. Institutionelle Initiativen wie die German PropTech Initiative (gpti) und spezialisierte Accelerator-Programme spielen eine zentrale Rolle, indem sie Startups mit Investoren und Corporates vernetzen. Die führenden Investoren HTGF, Picus Capital und Project A Ventures prägen durch ihre Beteiligungen nicht nur die Finanzierungslandschaft, sondern setzen auch Trends für die gesamte Branche.
Quellen
- [1]Liste von 3 Top PropTech Investoren in Deutschland | 2026
- [2]List of Proptech Investors & VC Firms for Startups (2026)
- [3]Top 50 Proptech Startup Investors in Germany in January 2026 — Jan 2026
- [4]German PropTech Initative
- [5]Top 13 Proptech Accelerators and Incubators (2026)
- [6]PropTech Report - StartingUp: Das Gründermagazin
- [7]Top 50 Proptech VC (Venture Capital) Funds in Germany in January 2026 — Jan 2026
- [8]Startups in DACH - 2026 Latest Funding Rounds, Trends and News - Tracxn
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