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Workpods erobern Berlin – PropTech mit Biss

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Startups & Ventures

Workpods erobern Berlin – PropTech mit Biss

Was passiert, wenn ein Berliner Startup Büros in Schuhkartongröße baut und sie in Bahnhöfe stellt? Die Seed-Runde von miros zeigt: Der Markt für flexible Arbeitsplätze ist noch lange nicht gesättigt. Doch wer steckt hinter dem Hype – und wer zahlt?

Marcus Heller

31. März 2026

Es ist ein Dienstagmorgen in Berlin-Mitte, und während die U-Bahn-Schlangen vor den Ticketautomaten wachsen, passiert etwas Ungewöhnliches: Ein Mann in Hoodie schließt die Tür eines schalldichten Würfels hinter sich, klappt seinen Laptop auf und beginnt zu tippen. Was wie eine Szene aus einem Sci-Fi-Film wirkt, ist das Geschäftsmodell von miros – einem PropTech-Startup, das gerade 1,1 Millionen Euro Seed-Geld eingesammelt hat. Die Idee? On-demand Workpods in öffentlichen Räumen, die Remote Workern eine Alternative zum Homeoffice oder überfüllten Co-Working-Spaces bieten. Branchenkreise nennen es 'Airbnb für Arbeitsplätze', nur ohne Übernachtung. [1]

Die Finanzierung kommt nicht von ungefähr. Der DACH-PropTech-Markt ist in Bewegung, und Berlin entwickelt sich zum Epizentrum der Innovation. Während klassische PropTech-Lösungen wie Arbio mit KI-gestützter Immobilienverwaltung glänzen, setzt miros auf ein Nischenprodukt: mobile Mikro-Büros, die in Einkaufszentren, Universitäten oder Bahnhöfen aufgestellt werden. Die Module sind mit Strom, WLAN und Klimatisierung ausgestattet – alles, was ein digitaler Nomade braucht, um zwei Stunden konzentriert zu arbeiten. 'Die Nachfrage nach flexiblen Arbeitsplätzen wächst schneller als der Markt sie bedienen kann', sagt eine informierte Person aus dem Accelerator-Programm von Startupbootcamp, das miros durchlaufen hat. [4][7]

Doch der Wettbewerb schläft nicht. Über 170 finanzierte PropTech-Startups buhlen um Aufmerksamkeit, und die meisten setzen auf Softwarelösungen für Immobilienmanagement oder Nachhaltigkeit. miros geht einen anderen Weg: Hardware, die physisch in den urbanen Raum eingreift. 'Das ist kein klassisches PropTech', räumt ein Investor aus der Top-50-Liste deutscher PropTech-VCs ein. 'Aber genau das macht es interessant. Die Leute wollen nicht nur Tools, sie wollen Orte.' Die Workpods könnten eine Lücke schließen – zwischen dem Wunsch nach Flexibilität und der Realität überteuerter Büroflächen in Großstädten. [1][3]

Die Herausforderung liegt in der Skalierung. Während Software-Startups wie syte mit digitalen Vermarktungslösungen für Immobilien schnell wachsen, braucht miros physische Präsenz – und damit Partner wie Einkaufszentren oder Verkehrsbetriebe. 'Die ersten Standorte sind entscheidend', erklärt ein Branchenkenner. 'Wenn die Pods in Berlin funktionieren, wird das Modell kopiert.' Die Seed-Runde von 1,1 Millionen Euro soll genau das ermöglichen: Pilotprojekte in hochfrequentierten Lagen, um Investoren zu überzeugen. [1][2]

Hinter den Kulissen tobt ein Wettlauf um die besten Accelerator-Programme. miros hat sich bei Startupbootcamp durchgesetzt, einem der 13 führenden PropTech-Inkubatoren im DACH-Raum. 'Die Programme sind wie ein Gütesiegel', sagt eine Quelle aus dem Netzwerk. 'Wer hier aufgenommen wird, hat Zugang zu Corporates und Investoren, die sonst Jahre brauchen würden.' Die Frage ist: Reicht das, um gegen etablierte Player wie Arbio zu bestehen, die gerade eine Series-A-Runde in zweistelliger Millionenhöhe abgeschlossen haben? [4][6][7]

Für institutionelle Investoren ist das Modell ein Testfall. Die Workpods von miros sind kein klassisches Asset, sondern ein Hybrid aus Immobilie und Dienstleistung. 'Das Risiko liegt in der Nutzung', warnt ein VC aus der Top-50-Liste. 'Wenn die Pods leer stehen, ist das Kapital verbrannt.' Doch die Chancen überwiegen: In einer Stadt wie Berlin, wo bezahlbarer Wohnraum knapp ist und Homeoffice oft an Platzmangel scheitert, könnten die mobilen Büros eine echte Alternative werden – vorausgesetzt, die Nachfrage hält an. [1][3]

Die nächsten Monate werden zeigen, ob miros mehr ist als ein Hype. Die ersten Workpods sollen noch in diesem Jahr in Berlin getestet werden, und die Branche schaut gespannt zu. 'Wenn das funktioniert, wird jeder Bahnhof zum Co-Working-Space', sagt ein Gründer aus dem PropTech-Umfeld. 'Und dann wird es eng für die klassischen Anbieter.' Eines ist sicher: Der Kampf um die Zukunft des Arbeitens findet nicht nur in Zoom-Calls statt – sondern auch in schalldichten Würfeln am Alexanderplatz. [1][7]

Hintergrund

Der DACH-PropTech-Markt ist geprägt von zwei Trends: Softwarelösungen für Immobilienmanagement und physische Innovationen wie Co-Working-Spaces oder modulare Büros. Während klassische PropTech-Startups wie Arbio oder syte mit digitalen Tools wachsen, setzt miros auf ein greifbares Produkt – Workpods, die in urbanen Räumen platziert werden. Die Finanzierung des Berliner Startups unterstreicht das Potenzial von Nischenmodellen, die hybride Arbeitskonzepte bedienen. Doch der Wettbewerb ist hart: Über 170 finanzierte PropTech-Startups kämpfen um Investoren, und die meisten setzen auf Skalierbarkeit durch Software. miros geht einen anderen Weg – und riskiert damit, zwischen den Stühlen zu sitzen.

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