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Zürichs PropTech-Pionier mit KI an Bord
Herbert Ventures startet mit 32 Millionen Euro und einem ungewöhnlichen ersten Mitarbeiter: einem KI-Assistenten. Warum dieser Fonds die Spielregeln für europäische PropTech-Startups ändern könnte – und was das für Investoren bedeutet.
Marcus Heller
10. April 2026
Es ist ein Deal, der in den Züricher Kaffeerunden der Venture-Szene seit Wochen für Gesprächsstoff sorgt. Herbert Ventures, der neue Fonds von Luis Huber und Ben Simon, hat nicht nur 32 Millionen Euro eingesammelt, sondern gleich zu Beginn einen Mitarbeiter engagiert, der die Branche aufhorchen lässt: „Claude“, einen KI-Assistenten. Branchenkreise sehen darin mehr als einen PR-Coup. „Das ist ein klares Signal, dass hier jemand die Due Diligence revolutionieren will“, sagt eine informierte Person aus dem Umfeld des Fonds. Die Botschaft an Gründer? Wer bei Herbert Ventures anklopft, wird nicht nur mit Geld, sondern mit datengetriebener Präzision bewertet. [8]
Der Fokus auf Pre-Seed- und Seed-Phasen kommt zur richtigen Zeit. Während viele Investoren 2024 noch auf reifere Startups mit klaren Cashflows setzten, zeigt der PropTech-Markt eine wachsende Lücke im frühen Stadium. „Die meisten Fonds jagen heute Series-A-Deals – dabei entstehen die wirklich disruptiven Ideen genau hier“, erklärt ein Insider aus dem CRETI-Report. Herbert Ventures nutzt diese Nische gezielt. Mit einem Volumen von 32 Millionen Euro ist der Fonds groß genug, um Impact zu machen, aber klein genug, um schnell zu entscheiden. Ein Vorteil, den Gründer wie die Wiener von InovaReal bereits zu spüren bekamen: 250.000 Euro Pre-Seed für die Digitalisierung des Immobilienprozesses – ein Deal, der ohne lokale Verankerung kaum zustande gekommen wäre. [2][5]
Die DACH-Region ist für Herbert Ventures kein Zufallsmarkt, sondern strategische Heimat. Über 170 geförderte PropTech-Startups allein in Europa – Tendenz steigend – zeigen, dass hier mehr als genug Deal-Flow existiert. Doch während Accelerator-Programme wie Startup Wise Guys oder die EBZ PropTech Days die Szene beleben, fehlt es an spezialisierten Seed-Investoren. „Die meisten Fonds wollen heute erst ab Series A einsteigen“, sagt ein Gründer, der selbst eine Pre-Seed-Runde durchlaufen hat. Herbert Ventures schließt diese Lücke – und setzt dabei auf ungewöhnliche Synergien. Die Nähe zu Initiativen wie den PropTech Days in Deutschland oder den Schweizer Accelerator-Programmen könnte den Deal-Flow zusätzlich beschleunigen. [1][4]
Doch warum ausgerechnet Zürich? Die Stadt ist längst mehr als ein Bankenstandort. Mit einer wachsenden Zahl an PropTech-Startups und einer Infrastruktur, die internationale Investoren anzieht, bietet sie ideale Bedingungen. „Zürich hat den Vorteil, dass es nah an Deutschland und Österreich dran ist, aber gleichzeitig die Stabilität der Schweiz bietet“, erklärt ein lokaler Branchenkenner. Herbert Ventures nutzt diese Positionierung gezielt: Der Fonds wirbt damit, europäische Gründer zu unterstützen – mit einem klaren Fokus auf die DACH-Region. Die Einstellung von „Claude“ unterstreicht diesen Ansatz: KI-gestützte Due Diligence könnte gerade für internationale Investoren ein entscheidender Faktor sein, um schneller und präziser zu entscheiden. [3][8]
Die Frage ist: Kann Herbert Ventures das Versprechen einlösen? Die ersten Signale sind vielversprechend. Der Deal mit InovaReal zeigt, dass der Fonds nicht nur Geld, sondern auch Expertise mitbringt. „Die meisten Pre-Seed-Investoren werfen nur Schecks über den Tisch – hier geht es um mehr“, sagt ein Gründer, der mit dem Team gesprochen hat. Die Kombination aus lokaler Verankerung, KI-gestützter Analyse und einem klaren Fokus auf skalierbare Lösungen könnte den Unterschied machen. Doch der Markt bleibt hart umkämpft. Während andere Fonds auf Debt-Finanzierung oder reifere Startups setzen, muss Herbert Ventures beweisen, dass frühe Phasen nicht nur riskant, sondern auch lukrativ sein können. [2][5]
Für institutionelle Investoren ist Herbert Ventures ein interessanter Testfall. Der Fonds zeigt, wie sich die PropTech-Branche wandelt: weg von reinen Immobilieninvestments, hin zu technologiegetriebenen Lösungen. „Wer heute in PropTech investiert, muss verstehen, dass es nicht mehr nur um Gebäude geht, sondern um Daten, KI und Automatisierung“, sagt ein Analyst. Die 32 Millionen Euro von Herbert Ventures sind dabei nur der Anfang. Sollte der Fonds erfolgreich sein, könnte er eine Blaupause für andere Seed-Investoren liefern – besonders in Märkten wie Deutschland oder Österreich, wo der Bedarf an Risikokapital für frühe Phasen spürbar wächst. [1][8]
Die größte Herausforderung für Herbert Ventures wird sein, die richtigen Gründer zu finden. Der Fonds setzt auf „außergewöhnliche Profile“ – ein Ansatz, der in der Theorie überzeugt, in der Praxis aber schwer umzusetzen ist. „Die besten Gründer haben oft schon mehrere Optionen auf dem Tisch“, sagt ein Branchenkenner. Hier kommt „Claude“ ins Spiel: Der KI-Assistent könnte helfen, schneller und präziser zu entscheiden, welche Teams das Potenzial haben, die Immobilienbranche wirklich zu verändern. Sollte das gelingen, könnte Herbert Ventures nicht nur ein erfolgreicher Fonds werden, sondern auch ein Vorbild für die nächste Generation von PropTech-Investoren. [3][8]
Hintergrund
Die DACH-Region entwickelt sich zum Hotspot für PropTech-Innovationen, doch der Markt leidet unter einem Mangel an spezialisierten Seed-Investoren. Während Accelerator-Programme wie Startup Wise Guys oder die EBZ PropTech Days die Szene beleben, fehlt es an Risikokapital für frühe Phasen. Herbert Ventures schließt diese Lücke mit einem klaren Fokus auf Pre-Seed- und Seed-Finanzierungen – und setzt dabei auf KI, um die Due Diligence zu revolutionieren. Für institutionelle Investoren ist der Fonds ein spannender Indikator dafür, wie sich die PropTech-Branche in den kommenden Jahren entwickeln könnte.
Quellen
- [1]173+ Funded PropTech Startups 2026 | Verified Contacts & Funding Data - Growth List
- [2]2024 Proptech Venture Capital Report — CRETI
- [3]Zurich’s Herbert Ventures launches €32.5 million Fund I to back European founders at pre-Seed and Seed – BeBeez International
- [4]Übersicht aller Europäischen PropTech-Initiativen
- [5]Vienna-based proptech InovaReal raises €250k in pre-seed to digitize the entire real-state process | EU-Startups
- [6]PropTech & Housing | Startupbootcamp
- [7]Future Built Assets Accelerator Program - Startup Wise Guys
- [8]Herbert Ventures: Neuer Startup-Fonds mit 32 Mio. Euro holt "Claude" als ersten Mitarbeiter
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