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Berlin auf die 1: Warum BAD1 den Markt aufmischt
Berlin hat schon viele Slogans gesehen – doch keiner traf den Nerv der Immobilienbranche wie „Berlin auf die 1“. Das PropTech-Startup BAD1 setzt nicht auf Tourismus, sondern auf digitale Stadtentwicklung. Was das für Investoren bedeutet.
Marcus Heller
13. März 2026
Es war ein Abend im Berliner „House of Weekend“, als der Gründer von BAD1 den Slogan zum ersten Mal laut aussprach: „Berlin auf die 1“. Die Runde, bestehend aus Investoren und Branchenkennern, reagierte gespalten. Die einen lachten, die anderen stutzten. Doch genau das war der Punkt. Während andere Städte mit Sprüchen wie „arm, aber sexy“ vor allem Touristen locken wollten, zielt BAD1 direkt auf den Immobilienmarkt. Der Slogan ist kein Zufall, sondern eine Kampfansage – und die kommt genau zur richtigen Zeit. Branchenkreise berichten, dass der Berliner PropTech-Markt seit Monaten unter Druck steht. Zu viele Startups, zu wenig skalierbare Ideen. BAD1 will das ändern, indem es nicht nur Technologie, sondern auch eine klare Haltung verkauft. [1]
Dass Slogans in der Immobilienbranche funktionieren, zeigt ein Blick in die Datenbank SLOGANS.DE. Über 50.000 Werbesprüche sind dort verzeichnet, darunter auch welche aus dem Bereich Bauen und Wohnen. Doch während die meisten davon harmlos klingen – „Ihr Zuhause, unsere Leidenschaft“ oder „Bauen mit Zukunft“ –, setzt BAD1 auf Provokation. Das ist kein Marketing-Gag, sondern eine Strategie. Informierte Personen aus der Berliner Startup-Szene bestätigen: Der Slogan „Berlin auf die 1“ ist bewusst gewählt, um sich von der Masse abzuheben. Schließlich geht es nicht um ein weiteres Tool für digitale Grundrisse, sondern um die Frage: Wer gestaltet die Stadt der Zukunft? Und wer traut sich, das auch laut zu sagen? [1][2]
Berlin hat eine lange Tradition, sich selbst zu vermarkten – doch meistens ging es dabei um Image, nicht um Inhalte. „be Berlin“ klang gut, aber was folgte daraus? „Arm, aber sexy“ war charmant, aber für Investoren wenig greifbar. BAD1 bricht mit dieser Tradition. Der Slogan ist kein leeres Versprechen, sondern ein Versprechen an eine Branche, die dringend neue Impulse braucht. Laut Branchenkennern steht der Berliner Immobilienmarkt vor einer Zäsur: Die Zeiten, in denen man mit klassischen Entwicklungsmodellen reich wurde, sind vorbei. Jetzt geht es um Daten, Nachhaltigkeit und digitale Prozesse. Und genau hier setzt BAD1 an – nicht als Dienstleister, sondern als Treiber. [1][3]
Doch warum ausgerechnet Berlin? Die Stadt ist seit Jahren ein Magnet für PropTech-Startups, aber der Markt ist fragmentiert. Während in München oder Hamburg oft noch klassische Player den Ton angeben, herrscht in Berlin ein Wildwuchs an Ideen – von Plattformen für Mieterkommunikation bis zu KI-gestützter Projektentwicklung. BAD1 will diese Vielfalt bündeln und eine Marke schaffen, die über die Stadtgrenzen hinaus strahlt. Das ist kein einfaches Unterfangen, wie ein Blick auf andere Bundesländer zeigt. Slogans wie „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ oder „Niedersachsen – Das Land der Ideen“ funktionieren, weil sie Identität stiften. Doch sie bleiben oft abstrakt. BAD1 geht einen Schritt weiter: Der Slogan ist nicht nur ein Spruch, sondern ein Programm. [1][4]
Die Frage ist: Kann ein Slogan wirklich einen Markt verändern? Die Antwort liegt in der Umsetzung. BAD1 hat bereits erste Projekte in der Pipeline, die zeigen sollen, dass es nicht bei leeren Worten bleibt. Ein Beispiel: Eine digitale Plattform für nachhaltige Quartiersentwicklung, die Investoren, Stadtplaner und Bürger zusammenbringt. Das klingt ambitioniert, aber genau das ist der Punkt. Während andere Startups noch über MVP-Tests diskutieren, setzt BAD1 auf Sichtbarkeit – und das in einer Branche, die sonst eher im Hintergrund agiert. Brancheninsider berichten, dass das Interesse an solchen Ansätzen spürbar gestiegen ist. Nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen deutschen Großstädten. [1]
Doch der Weg ist steinig. PropTech ist kein Selbstläufer, und Berlin ist nicht der einzige Standort, der um Investoren buhlt. Wien und Zürich entwickeln eigene Ökosysteme, und auch in München gibt es erste Ansätze, digitale Lösungen in die Stadtentwicklung zu integrieren. Doch während diese Städte oft noch in klassischen Strukturen denken, setzt BAD1 auf Geschwindigkeit. Das zeigt sich auch in der Zusammenarbeit mit Accelerator-Programmen wie Techstars Berlin oder der German PropTech Initiative. Hier geht es nicht um langwierige Pilotprojekte, sondern um schnelle Skalierung. Und genau das könnte der entscheidende Vorteil sein. [1]
Am Ende geht es um eine einfache Frage: Traut sich die Branche, sich zu verändern? BAD1 hat mit „Berlin auf die 1“ eine Antwort gegeben – und die lautet: Ja. Doch ob der Slogan mehr ist als ein Marketing-Coup, wird sich erst zeigen, wenn die ersten Projekte realisiert sind. Eines ist jedoch klar: In einer Stadt, die sich seit Jahrzehnten mit Sprüchen schmückt, hat BAD1 etwas geschafft, das viele vor ihm nicht geschafft haben – Aufmerksamkeit. Und die ist in der Immobilienbranche oft der erste Schritt zur Veränderung. [1]
Hintergrund
Der DACH-Raum erlebt einen Boom an PropTech-Startups, doch nur wenige schaffen es, sich über die eigene Branche hinaus Gehör zu verschaffen. Berlin gilt dabei als Hotspot, nicht nur wegen der hohen Dichte an Gründern, sondern auch wegen der Bereitschaft, neue Wege zu gehen. BAD1 nutzt diese Dynamik und setzt auf einen Slogan, der mehr ist als ein Werbespruch – er ist eine Haltung. Während andere Städte noch über Imagekampagnen diskutieren, geht es in Berlin um konkrete Lösungen für die Herausforderungen der Stadtentwicklung. Das könnte Schule machen – oder scheitern. Doch eines ist sicher: Die Branche schaut genau hin.
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