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Berner Blockchain-Kaution erschüttert den DACH-Mietmarkt

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Berner Blockchain-Kaution erschüttert den DACH-Mietmarkt

In einem unscheinbaren Büro in Bern wird gerade ein Modell entwickelt, das Vermietern und Mietern im DACH-Raum jährlich Millionen sparen könnte. CautionPay, ein Fintech-Startup mit Blockchain-Technologie, will die Mietkaution neu erfinden – und zieht damit die Aufmerksamkeit großer Investoren auf sich.

Marcus Heller

1. März 2026

Es ist ein Dienstagmorgen in Bern, als Jonas Meier, Gründer von CautionPay, die neuesten Nutzerzahlen präsentiert. 500 Vermieter und 3.000 Mieter haben sich seit dem Launch im Januar registriert. „Die Nachfrage übertrifft unsere Prognosen“, sagt er in einem Gespräch mit Branchenkreisen. Das Geheimnis? Eine Blockchain-basierte Lösung, die Mietkautionen digitalisiert und automatisiert. Statt Barkaution oder Bankbürgschaft wird die Kaution in einem Smart Contract hinterlegt – transparent, fälschungssicher und ohne bürokratischen Aufwand. Die Technologie könnte den Markt für Mietkautionen im DACH-Raum grundlegend verändern, besonders in der Schweiz, wo die FINMA mit ihrer Fintech-Lizenz innovative Modelle begünstigt. [1][6]

Die Zahlen sprechen für sich: In der Schweiz gibt es rund 2,5 Millionen Mietverhältnisse, in Deutschland sogar 58 Millionen. Traditionelle Mietkautionen sind hier ein Milliardengeschäft – und ein teures dazu. Bankbürgschaften kosten Mieter oft 1–2 % der Kautionssumme pro Jahr, bei einer durchschnittlichen Kaution von 3.000 CHF sind das schnell 60 CHF jährlich. CautionPay verspricht bis zu 50 % Ersparnis. „Das ist kein Nischenprodukt, sondern ein Game-Changer“, sagt ein Analyst der Zürcher Kantonalbank, die zu den Seed-Investoren gehört. Die CHF 1,2 Mio. Seed-Finanzierung, die das Startup im ersten Quartal 2024 einsammelte, unterstreicht das Vertrauen der Investoren. [1][3]

Doch der Weg ist nicht ohne Hürden. In Deutschland regelt die Mietkautionsverordnung genau, wie Kautionen zu hinterlegen sind. „Die Blockchain-Lösung muss hier erst noch regulatorisch anerkannt werden“, erklärt ein Berliner PropTech-Experte. Anders in der Schweiz: Die liberale Fintech-Regulierung der FINMA ermöglicht es Startups wie CautionPay, schneller zu skalieren. Bern als Standort ist dabei kein Zufall. Die Stadt ist ein Hotspot für PropTech-Innovationen – über 150 Startups buhlen hier um Marktanteile, unterstützt von Netzwerken wie SwissPropTech. [3][5]

Die Konkurrenz schläft nicht. In Deutschland bietet Depos eine ähnliche Lösung an, in Österreich setzt SmartDeposit auf digitale Kautionen. Doch CautionPay hat einen entscheidenden Vorteil: die Blockchain. „Automatisierte Kautionsfreigaben per Smart Contract sind ein USP, den die Konkurrenz nicht hat“, sagt ein Insider aus der Schweizer Fintech-Szene. Die Technologie könnte auch für institutionelle Investoren interessant werden, die nach effizienten Lösungen für ihre Mietportfolios suchen. Erste Gespräche mit deutschen PropTechs wie Homeday laufen bereits. [2][5]

Die Dynamik des Schweizer Mietmarkts spielt CautionPay in die Karten. Seit 2020 steigen die Mietpreise jährlich um 3,5 %, was die Nachfrage nach kostengünstigen Alternativen zu Bankbürgschaften erhöht. „Mieter suchen nach Wegen, ihre Liquidität zu schonen“, erklärt ein Vermieter aus Zürich. Gleichzeitig profitiert das Startup von der wachsenden Akzeptanz digitaler Lösungen in der Immobilienbranche. Laut SwissPropTech nutzen bereits 60 % der Schweizer Vermieter digitale Tools für die Verwaltung ihrer Objekte. [1][3]

Doch nicht alle sind überzeugt. „Blockchain klingt gut, aber die meisten Vermieter wollen einfache, bewährte Lösungen“, sagt ein Makler aus Frankfurt. Tatsächlich zeigt der deutsche Markt eine gewisse Skepsis gegenüber neuen Technologien. Hier könnte CautionPay auf Partnerschaften setzen – etwa mit etablierten PropTechs wie Properti, das erst kürzlich 6 Mio. CHF Seed-Finanzierung einsammelte. „Kooperationen sind der Schlüssel, um regulatorische Hürden zu überwinden“, meint ein Investor aus dem Umfeld von Swisscanto. [2][4]

Die nächsten Monate werden entscheidend sein. CautionPay plant eine Expansion nach Deutschland und Österreich – doch ohne lokale Partner wird das schwierig. „Der DACH-Raum ist kein homogener Markt“, warnt ein Branchenkenner. Während die Schweiz mit ihrer Fintech-freundlichen Regulierung ein idealer Startpunkt ist, müssen in Deutschland und Österreich erst noch die rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt werden. Doch eines ist klar: Wenn das Modell funktioniert, könnte es den Markt für Mietkautionen im gesamten DACH-Raum auf den Kopf stellen. [1][5]

Hintergrund

Der DACH-Mietmarkt steht vor einem digitalen Umbruch. Während traditionelle Mietkautionen mit hohen Kosten und bürokratischem Aufwand verbunden sind, setzen PropTech-Startups wie CautionPay auf digitale Lösungen. Die Schweiz mit ihrer liberalen Fintech-Regulierung und einer hohen Dichte an PropTech-Innovationen bietet dabei ideale Bedingungen. Doch der Weg in die Nachbarländer Deutschland und Österreich ist mit regulatorischen Hürden gepflastert. Institutionelle Investoren beobachten die Entwicklung genau – denn wer hier früh einsteigt, könnte von einem Milliardenmarkt profitieren.

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