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Frankfurt wankt – wer kauft noch?

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Markt & Investments

Frankfurt wankt – wer kauft noch?

Die Bankenmetropole bleibt ein Magnet für Immobilieninvestoren, doch hinter den Fassaden der Hochhäuser bröckelt das Vertrauen. Während Büroflächen noch hohe Renditen versprechen, ziehen sich institutionelle Player zurück. Wer füllt die Lücke – und zu welchem Preis?

Marcus Heller

21. September 2026

Es war ein Deal, der in Frankfurt für Aufsehen sorgte: Ein US-Pensionsfonds, sonst bekannt für seine Milliardeninvestments in deutsche Top-Lagen, zog sich im letzten Moment von einem Büroportfolio im Bankenviertel zurück. Der Grund? Nicht die Lage, nicht die Mieter – sondern die Finanzierungskosten. Branchenkreise berichten, dass solche Absagen mittlerweile keine Einzelfälle mehr sind. Die makroökonomischen Warnsignale – steigende Zinsen, Inflation, geopolitische Unsicherheiten – haben selbst die hartgesottensten Investoren zum Innehalten gebracht. Frankfurt, sonst ein sicherer Hafen für Kapital, spürt plötzlich den Gegenwind. [3]

Dabei sind die Zahlen auf den ersten Blick verlockend: Büroimmobilien in Frankfurt bieten weiterhin die höchsten Spitzenrenditen im DACH-Raum. Doch wer genau hinschaut, erkennt die Risse im Fundament. Das Transaktionsvolumen ist spürbar gesunken, ein klares Zeichen dafür, dass Investoren ihre Risikobewertung überdenken. Ein informierter Asset Manager bringt es auf den Punkt: „Früher haben wir uns gefragt, ob wir investieren sollen. Heute fragen wir uns, ob wir es uns leisten können.“ Die Liquidität, einst Frankfurts größter Trumpf, ist nicht mehr selbstverständlich. Wer jetzt kauft, setzt auf langfristige Perspektiven – oder spekuliert auf einen schnellen Turnaround. [3]

Während Büroimmobilien unter Druck geraten, zeigt sich ein anderes Segment erstaunlich robust: Wohnimmobilien. Die Nachfrage nach Eigentumswohnungen bleibt stabil, auch wenn die Preise nicht mehr im gleichen Tempo steigen wie in den Vorjahren. Ein lokaler Projektentwickler erzählt von einem aktuellen Neubauprojekt in Sachsenhausen: „Die ersten Einheiten waren innerhalb von Tagen verkauft – aber nicht mehr zu den Preisen von 2021.“ Die Käufer? Vor allem private Investoren und Selbstnutzer, die sich von den hohen Mieten in der Stadt abschrecken lassen und lieber in die eigenen vier Wände investieren. [1]

Doch auch hier gibt es Schattenseiten. Die Mieten für Neubauwohnungen sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen, was die Attraktivität Frankfurts als Wohnstandort für Gering- und Mittelverdiener schmälert. Ein Vertreter der städtischen Wohnungsbaugesellschaft warnt: „Wenn wir nicht gegensteuern, wird Frankfurt bald nur noch für Banker und Expats bezahlbar sein.“ Die Politik hat das Problem erkannt, doch konkrete Maßnahmen – wie gezielte Förderprogramme für bezahlbaren Wohnraum – lassen auf sich warten. Bis dahin bleibt die Frage: Wer soll hier eigentlich noch leben? [1]

Interessant wird es, wenn man den Blick über die Stadtgrenzen hinaus wirft. Während Frankfurt mit seinen Herausforderungen kämpft, profitieren andere Märkte im DACH-Raum von der Zurückhaltung der Investoren. Wien etwa verzeichnet eine steigende Nachfrage nach Büroimmobilien, da österreichische REITs und Pensionskassen nach stabileren Alternativen suchen. Ein Schweizer Fondsmanager, der seit Jahren in Frankfurt investiert, sagt: „Zürich ist sicherer, aber Frankfurt bleibt der Markt, an dem man Trends ablesen kann – ob man will oder nicht.“ [1][3]

Für Projektentwickler könnte die aktuelle Lage sogar eine Chance sein. Die Nachfrage nach ESG-konformen Bürogebäuden steigt, getrieben durch die EU-Taxonomie und das wachsende Bewusstsein für Nachhaltigkeit. Ein Entwickler, der gerade ein Büroprojekt in der Nähe des Hauptbahnhofs plant, berichtet: „Mieter fragen nicht mehr nur nach Lage und Ausstattung, sondern nach Zertifizierungen und Energieeffizienz. Wer hier nicht mitzieht, wird langfristig Probleme haben.“ Die Frage ist nur, ob die Investoren bereit sind, die höheren Baukosten zu tragen – oder ob sie lieber abwarten, bis die Preise weiter fallen. [3]

Am Ende bleibt Frankfurt ein Markt der Extreme: hohe Renditen, aber auch hohe Risiken; stabile Nachfrage, aber auch spürbare Preisanpassungen. Diejenigen, die jetzt noch investieren, tun dies mit einem klaren Plan – oder einer gehörigen Portion Optimismus. Ein erfahrener Asset Manager bringt es auf den Punkt: „Frankfurt war noch nie ein Markt für Zauderer. Wer hier erfolgreich sein will, muss entweder sehr schnell sein – oder sehr geduldig.“ [3]

Hintergrund

Frankfurt ist seit Jahrzehnten einer der liquidesten Immobilienmärkte im DACH-Raum, geprägt durch seine Rolle als Finanzzentrum und internationale Drehscheibe. Doch die Zeiten, in denen Investoren blind in Büro- und Wohnimmobilien strömten, sind vorbei. Die Kombination aus steigenden Zinsen, Inflation und geopolitischen Risiken hat zu einer Neubewertung von Risiken geführt. Während institutionelle Akteure wie REITs und Pensionsfonds ihre Aktivitäten reduzieren, gewinnen private Käufer und lokale Projektentwickler an Bedeutung. Frankfurt bleibt damit ein Frühindikator für Trends im gesamten DACH-Raum – und ein Testfall für die Widerstandsfähigkeit von Immobilienmärkten in unsicheren Zeiten.

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