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Gabriele Volz – Die Frau, die PropTech regiert

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Gabriele Volz – Die Frau, die PropTech regiert

Frankfurt, September 2023: Als Gabriele Volz den Vorsitz im Aufsichtsrat der aam2core Holding übernimmt, ist das mehr als ein Routinewechsel. Es ist der Startschuss für eine neue Ära – eine, in der Governance auf PropTech trifft. Warum die Branche jetzt genau hinschaut.

Marcus Heller

1. März 2026

Es war ein Dienstagmorgen im Frankfurter Westend, als Gabriele Volz die Nachricht erreichte. Der Anruf kam von der aam2core Holding – einem Unternehmen, das in der Branche als stiller Riese gilt. Wohnimmobilien, Logistik, Projektentwicklung: alles unter einem Dach. Und jetzt sollte Volz den Aufsichtsrat führen. Nicht irgendein Aufsichtsrat, sondern einer, der mitten im Sturm der digitalen Transformation steht. „Das war kein Zufall“, sagt eine informierte Person aus dem Umfeld des Unternehmens. „Die wollten jemanden, der nicht nur Zahlen versteht, sondern auch Kultur.“ Volz, seit über 30 Jahren in der Finanz- und Immobilienwirtschaft unterwegs, passte perfekt ins Bild. Am 13. September 2023 war es offiziell: Sie übernahm den Vorsitz von Dr. h.c. Michael Bourjau. [3]

Doch wer ist diese Frau, die plötzlich im Zentrum der PropTech-Szene steht? Volz selbst würde das wohl anders formulieren: „Führung beginnt dort, wo Verantwortung nicht delegiert wird.“ So steht es auf ihrer Website – ein Satz, der mehr über ihre Haltung verrät als jede Pressemitteilung. Branchenkreise beschreiben sie als „diejenige, die ESG nicht nur predigt, sondern lebt“. Das ist kein leeres Lob. Als Fellow der Royal Institution of Chartered Surveyors (FRICS) bringt sie internationale Expertise mit – ein Titel, den weltweit nur wenige Immobilienprofis tragen. „Das FRICS ist kein Zertifikat, das man einfach so bekommt“, erklärt ein ehemaliger Kollege. „Das ist ein Ritterschlag.“ [1][2]

Ihr LinkedIn-Profil verrät wenig über private Vorlieben, aber viel über ihre Mission. Dort steht: „Ich verbinde Kapitalmarkt- und Immobilienkompetenz mit kultureller Führung.“ Das klingt abstrakt, ist aber konkret gemeint. Volz glaubt nicht an oberflächliche Digitalisierung. Für sie ist PropTech kein Buzzword, sondern ein Werkzeug – eines, das nur funktioniert, wenn die Organisation dahinter stimmt. „Sie hat mal gesagt: ‚KI ist nur so gut wie die Daten, die sie füttern. Und Daten sind nur so gut wie die Kultur, die sie produziert‘“, erinnert sich Jakob Schulz, Moderator des „THE PROPERTY Podcasts“, in dem Volz im November 2023 zu Gast war. Ein Satz, der in der Branche hängen blieb. [1]

Bei aam2core geht es jetzt genau darum: die Brücke zwischen analoger Immobilienwelt und digitaler Zukunft zu schlagen. Das Unternehmen, das in Frankfurt sitzt, aber bundesweit agiert, steht vor einer doppelten Herausforderung. Einerseits muss es seine Bestände – Wohnungen, Logistikimmobilien, Entwicklungsprojekte – fit für ESG-Kriterien machen. Andererseits drängt die Konkurrenz: PropTech-Startups, die mit KI-gestützten Bewertungsmodellen oder Blockchain-basierten Mietverträgen den Markt aufmischen. „Volz versteht beide Welten“, sagt ein Insider aus dem PropTech Institute. „Sie weiß, wie man ein Unternehmen durch Krisen steuert – und gleichzeitig die Weichen für die Zukunft stellt.“ [3][5]

Doch Volz’ Ansatz geht über Technologie hinaus. Für sie ist Nachhaltigkeit kein Compliance-Thema, sondern eine Frage der Haltung. „ESG muss in der DNA eines Unternehmens verankert sein“, betont sie. Das bedeutet: nicht nur CO₂-Bilanzen optimieren, sondern auch die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen werden. Ein Beispiel? Bei aam2core soll künftig jedes Investment nicht nur finanziell, sondern auch ökologisch und sozial bewertet werden. „Das ist kein Nice-to-have“, sagt ein Mitglied des Aufsichtsrats. „Das ist die neue Realität.“ [2][3]

Ihre Karriere ist eine Mischung aus Disziplin und Instinkt. Volz hat in über 30 Jahren fast alles gesehen: Boomphasen, Crashs, regulatorische Umbrüche. Sie war CEO, Geschäftsführerin, Aufsichtsrätin – und hat dabei gelernt, dass Führung nicht durch Titel, sondern durch Handeln definiert wird. „Sie hat mal gesagt: ‚In Krisen zeigt sich, wer wirklich Verantwortung übernimmt‘“, erzählt ein Weggefährte. „Und sie meint damit nicht nur die Chefs, sondern jeden Einzelnen im Unternehmen.“ Diese Haltung macht sie zur gefragten Stimme – nicht nur in Frankfurt, sondern in der gesamten DACH-Region. [2]

Jetzt, wo sie an der Spitze von aam2core steht, wird sich zeigen, ob ihre Philosophie trägt. Die Branche beobachtet genau, wie sie das Unternehmen durch die nächsten Jahre steuert. Denn eines ist klar: Volz ist keine, die sich mit dem Status quo zufriedengibt. „Sie will nicht nur mitspielen“, sagt ein Branchenkenner. „Sie will die Regeln ändern.“ Ob das gelingt, hängt auch davon ab, ob die Immobilienwirtschaft bereit ist für diesen Wandel. Die ersten Signale sind vielversprechend – aber der Weg ist noch lang. [1][3]

Hintergrund

Der DACH-Immobilienmarkt steht unter Druck. Einerseits drängen PropTech-Startups mit disruptiven Lösungen auf den Markt – von KI-gestützten Bewertungsmodellen bis zu digitalen Mietplattformen. Andererseits zwingen ESG-Vorgaben und regulatorische Hürden Unternehmen zum Umdenken. In dieser Gemengelage wird Führung zur Schlüsselkompetenz. Gabriele Volz verkörpert genau diese Schnittstelle: eine Expertin, die sowohl die analoge Immobilienwelt als auch die digitale Zukunft versteht. Ihr Aufstieg bei aam2core ist kein Einzelfall, sondern ein Signal. Die Branche sucht nach Persönlichkeiten, die nicht nur Zahlen lesen, sondern auch Kulturen formen können. Ob das gelingt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen – aber eines ist sicher: Volz wird dabei eine zentrale Rolle spielen.

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