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PropTech im DACH-Raum: Führungskräfte zwischen Angst und Aufbruch

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PropTech im DACH-Raum: Führungskräfte zwischen Angst und Aufbruch

Die PropTech-Branche im DACH-Raum wächst rasant – doch während Gründer:innen mit agilen Methoden experimentieren, blockieren etablierte Immobilienunternehmen oft aus Unsicherheit. Wo liegen die größten Hürden, und wer treibt die Transformation voran? Ein Blick auf die Spannungen zwischen Innovation und Tradition.

Sophie Wagner

1. März 2026

Über 700 PropTech-Unternehmen gibt es allein in Deutschland, wie Branchenanalysen zeigen. Doch während Start-ups wie McMakler oder Exporo mit digitalen Lösungen für Bewertung und Crowdinvesting Aufmerksamkeit erregen, kämpfen viele junge Unternehmen mit einem zentralen Problem: der Zurückhaltung etablierter Immobilienfirmen. „Die mangelnde Kooperationsbereitschaft ist eine der größten Hürden“, sagt Philipp J. Liebold, Mitautor der PropTech Germany-Studie. Dabei geht es nicht nur um Technologie, sondern um grundlegende Ängste – vor Kontrollverlust, hohen Investitionen oder disruptiven Geschäftsmodellen. [3][6]

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Laut der PropTech Germany 2020-Studie sehen viele Immobilienunternehmen die Digitalisierung als Herausforderung, die sie nur zögerlich angehen. „Es muss noch einiges passieren, gerade bei den etablierten Unternehmen“, betont Sarah Schlesinger, ebenfalls Mitautorin der Studie. Während Start-ups agile Methoden und New Work-Konzepte vorleben, fürchten traditionelle Führungskräfte den Verlust von Hierarchien. Matthias Mölleney, Experte für moderne Arbeitsmodelle, warnt jedoch: „Wer Digitalisierung nur als Technologie-Thema begreift, übersieht die kulturelle Dimension.“ [1][2][3]

Doch nicht alle Player blockieren. Einige Immobilienunternehmen setzen auf Pilotprojekte mit PropTechs, um Erfahrungen zu sammeln. „Pilotprojekte sind ein wichtiger Schritt, um Vertrauen aufzubauen“, erklärt Liebold. Besonders in der Schweiz und Österreich, wo die PropTech-Szene mit rund 150 bzw. 80 Unternehmen kleiner, aber ebenso dynamisch ist, zeigen sich erste Erfolge. Plattformen wie PropMatch oder Veranstaltungen wie die EBZ PropTech Days 2025 bieten Foren für Austausch und Vernetzung. Dennoch bleibt die Branche fragmentiert – und die Intransparenz ein zentrales Problem. [3][4][5]

Ein weiteres Hindernis ist die Finanzierung. Viele PropTech-Start-ups scheitern in den ersten Jahren, weil Investoren zögern. „Die Immobilienbranche ist traditionell risikoavers“, sagt ein Branchenkenner. Dabei könnten gerade digitale Lösungen für nachhaltiges Bauen oder KI-gestützte Bewertungstools langfristig Kosten sparen. Die RESI Impact Night, eine Veranstaltung für innovative Geschäftsmodelle, zeigt jedoch, dass sich die Branche langsam öffnet. Hier diskutieren Gründer:innen und etablierte Player über neue Wege – wenn auch oft noch hinter verschlossenen Türen. [4][8]

Doch es gibt auch Lichtblicke. Einige PropTech-Unternehmen setzen auf radikale Transparenz und offene Kooperationsmodelle. „Wir müssen weg von der Angst vor Datenverlust“, fordert ein Gründer. In der Schweiz etwa hat das Beratungsunternehmen pom+ mit Veranstaltungen wie „New Work Order“ gezeigt, dass moderne Führungskonzepte auch in der Immobilienbranche funktionieren können. „Es geht nicht um den Untergang der Führung, sondern um ihre Weiterentwicklung“, betont Dr. Peter Staub von pom+. [1]

Die PropTech Germany-Studie 2021 macht deutlich: Die Branche steht an einem Scheideweg. Während einige Unternehmen noch zögern, setzen andere bereits auf KI und digitale Plattformen. „Digital Real Estate ist salonfähig geworden“, heißt es bei Haufe. Doch der Weg zur flächendeckenden Digitalisierung ist lang. „Es braucht mehr Mut zur Veränderung – sowohl bei Start-ups als auch bei den etablierten Playern“, resümiert Schlesinger. Die Frage ist nicht mehr, ob die Digitalisierung kommt, sondern wer sie gestaltet. [3][8]

Fest steht: Die PropTech-Branche im DACH-Raum bleibt dynamisch – doch ohne mehr Kooperationsbereitschaft und Führungskultur wird der Wandel stocken. „Die Technologie ist da, aber die Menschen müssen mitziehen“, sagt ein Brancheninsider. Ob die nächsten Jahre mehr Pilotprojekte, mutige Investitionen oder doch nur halbherzige Digitalisierungsversuche bringen, wird sich zeigen. Eines ist sicher: Die Debatte um die Zukunft der Immobilienwirtschaft hat gerade erst begonnen. [2]

Hintergrund

Die PropTech-Branche im DACH-Raum hat sich seit 2015 rasant entwickelt, doch die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft verläuft zögerlich. Während Deutschland mit über 700 Unternehmen führend ist, hinken die Schweiz (~150 PropTechs) und Österreich (~80 PropTechs) hinterher. Zentrale Herausforderungen sind die Skepsis etablierter Unternehmen gegenüber agilen Methoden und die Finanzierungsprobleme junger Start-ups. Gleichzeitig treiben Plattformen wie PropMatch und Veranstaltungen wie die EBZ PropTech Days den Austausch voran. Die PropTech Germany-Studie 2021 zeigt: Ohne mehr Kooperationsbereitschaft und Führungskultur wird der Wandel nur langsam vorankommen.

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