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HomeToGo – Andraes Kampf um Europas Ferienhaus-Thron

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HomeToGo – Andraes Kampf um Europas Ferienhaus-Thron

Patrick Andrae hat HomeToGo zum Unicorn gemacht – doch jetzt bröckelt der Glanz. Während US-Riesen wie Airbnb den europäischen Markt aufrollen, setzt der Berliner Gründer auf TV-Werbung und SEO-Tricks. Ein Blick hinter die Kulissen eines PropTech-Pioniers, der nicht klein beigeben will.

Marcus Heller

17. April 2026

Es war ein Deal, der Berlin elektrisierte: 2021 ging HomeToGo an die NASDAQ – und katapultierte sich damit in die Liga der Unicorns. Patrick Andrae, der smarte Gründer mit dem Gespür für Nischen, hatte es geschafft: Sein Metasuchmaschine für Ferienhäuser bündelte plötzlich über 2.000 Partner, von Airbnb bis zu lokalen Anbietern. Doch was damals wie ein Triumph klang, wirkt heute wie ein Pyrrhussieg. Der Aktienkurs stürzte ab, und plötzlich stand Andrae vor der Frage: Wie verteidigt man einen Markt, den die US-Giganten noch nicht dominieren – aber längst im Visier haben? [1][4]

Andraes Antwort darauf klingt so einfach wie genial: TV-Werbung. Nicht, um direkt Buchungen zu pushen, sondern um das SEO-Spiel zu gewinnen. „Wenn wir im Fernsehen sind, googeln die Leute uns – und das treibt unsere Rankings“, verriet er im OMR-Podcast. Ein Trick, der zeigt, wie sehr HomeToGo auf organisches Wachstum setzt. Doch die Strategie hat einen Haken: Sie braucht Zeit – und die hat Andrae nicht. Während er an der Börsenkommunikation feilt, drängen Konkurrenten wie Vrbo in den europäischen Markt, der bisher noch zersplittert ist. [5]

Die Zersplitterung des europäischen Ferienhausmarkts ist Fluch und Segen zugleich. Während US-Plattformen wie Airbnb hier noch nicht flächendeckend dominieren, kämpfen lokale Anbieter mit Fragmentierung. Andrae sieht genau darin seine Chance: „Wir sind die einzige Plattform, die alles bündelt“, sagt er. Doch die Realität holt ihn ein. Die Pandemie trieb die Nachfrage nach Ferienhäusern in die Höhe – doch seit 2022 ist der Boom vorbei. HomeToGo spürt den Gegenwind, und die Börse reagiert gnadenlos. [4][5]

Dabei war der Aufstieg rasant. 2014 gegründet, skalierte HomeToGo in Rekordzeit – und wurde zum Vorzeige-PropTech aus Berlin. Für den DACH-Raum ist das Unternehmen ein Leuchtturm: Eines der wenigen Startups, das international mithalten kann. Doch der Druck wächst. Investoren fragen nach Profitabilität, nicht nach Wachstum um jeden Preis. Andrae weiß das – und setzt auf eine Neuausrichtung. „Wir müssen zeigen, dass wir mehr sind als ein Corona-Gewinner“, sagt er in Branchenkreisen. [1][4]

Doch nicht nur die Börse macht Andrae zu schaffen. Auch die Konkurrenz schläft nicht. Während HomeToGo noch an seiner SEO-Strategie feilt, kaufen US-Riesen wie Expedia lokale Player auf. „Die Amerikaner kommen – und sie haben tiefe Taschen“, warnt ein Insider. Andrae bleibt gelassen: „Europa ist anders. Hier zählt nicht nur Größe, sondern auch lokale Expertise.“ Ob das reicht, wird sich zeigen. Fest steht: Der Kampf um den europäischen Ferienhausmarkt hat gerade erst begonnen. [5]

Für den DACH-Raum ist HomeToGo mehr als nur ein Börsenexperiment. In Österreich und der Schweiz, wo Ferienhäuser ein Milliardengeschäft sind, profitiert das Unternehmen von der starken Tourismusbranche. „Die Alpen sind unser zweites Standbein“, sagt ein Mitarbeiter. Doch auch hier wird der Wettbewerb härter. Lokale Anbieter wehren sich gegen die Dominanz der Berliner – und setzen auf Nischen wie Luxus-Chalets oder nachhaltige Unterkünfte. [2]

Andraes größter Trumpf? Seine Erfahrung. Der Gründer weiß, wie man Märkte erobert – und wie man sie verteidigt. Doch diesmal ist es anders. Die Börse verlangt Ergebnisse, nicht Visionen. Und die US-Konkurrenz ist nur einen Klick entfernt. „Wir müssen schneller werden“, gibt er zu. Ob HomeToGo das schafft, wird sich in den nächsten Monaten entscheiden. Eines ist sicher: Der Berliner Gründer wird nicht kampflos aufgeben. [3][4]

Hintergrund

HomeToGo ist eines der wenigen PropTech-Unternehmen aus dem DACH-Raum, das international skaliert und an der Börse gelistet ist. Während der Pandemie profitierte das Berliner Startup von der gestiegenen Nachfrage nach Ferienhäusern, doch seit 2022 steht es unter Druck. Die Zersplitterung des europäischen Markts bietet Chancen, doch US-Konkurrenz wie Airbnb oder Vrbo drängen in die Nische. Für Investoren und Gründer im DACH-Raum ist HomeToGo ein Testfall für Börsenresilienz und Marktkonsolidierung im PropTech-Sektor.

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