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PropTech-Awards: Wer treibt die Branche wirklich voran?
Wenn der PropTech Germany Award und der PropTech of the Year Award vergeben werden, jubelt die Branche über die prämierten Innovatoren. Doch hinter den glänzenden Trophäen stellt sich die Frage: Sind die Auszeichnungen mehr als nur ein Schaufenster für etablierte Player – und wer profitiert wirklich von den Netzwerkeffekten?
Sophie Wagner
29. Mai 2026
Es ist ein Abend, der für viele PropTech-Gründer:innen zum Höhepunkt des Jahres wird: Die Verleihung des PropTech Germany Award, organisiert vom Innovationshub blackprint, gilt als Ritterschlag für digitale Pioniere der Immobilienbranche. Doch während die Preisträger:innen 2025 auf der Bühne stehen, bleibt eine Frage im Raum: Wer entscheidet eigentlich, was Innovation ist? Die Jury setzt sich aus Vertretern etablierter Unternehmen und Verbände zusammen – darunter auch solche, die selbst von der Digitalisierung profitieren. „Die Awards sind wichtig, um Sichtbarkeit zu schaffen“, sagt ein Branchenkenner, der anonym bleiben möchte. „Aber sie spiegeln oft eher die Interessen der Jury wider als echte disruptive Ideen.“ Tatsächlich zeigt die Historie des Preises, dass vor allem Lösungen für Prozessoptimierung und Dokumentenmanagement prämiert werden – Bereiche, die etablierten Playern wie reltix oder großen Projektentwicklern direkt nutzen. [2]
Der PropTech of the Year Award des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) geht noch einen Schritt weiter: Hier werden nicht nur Start-ups, sondern auch Persönlichkeiten geehrt, die die Branche „durch technologische Lösungen oder unternehmerische Visionen“ prägen. Doch was bedeutet das konkret? Kritiker bemängeln, dass der Preis oft an Vertreter:innen großer Unternehmen geht, die zwar digitale Initiativen vorantreiben, aber gleichzeitig von den bestehenden Strukturen der Immobilienwirtschaft profitieren. „Es ist ein Henne-Ei-Problem“, erklärt eine Insiderin. „Die Awards sollen Innovation belohnen, aber sie reproduzieren oft die Machtverhältnisse der Branche.“ Tatsächlich zeigt ein Blick auf die bisherigen Preisträger:innen, dass vor allem solche Projekte ausgezeichnet werden, die sich nahtlos in bestehende Geschäftsmodelle einfügen – etwa KI-gestützte Analysetools für Portfoliomanagement oder ESG-Reporting-Lösungen. [1]
Doch die Awards sind nur die Spitze des Eisbergs. Dahinter verbirgt sich ein komplexes Geflecht aus Netzwerken, Veranstaltungen und Verbänden, das den PropTech-Sektor im DACH-Raum prägt. Der PropTech Summit 2027 in Hamburg etwa verspricht, „die wichtigsten Akteure der Branche“ zusammenzubringen – doch wer genau ist damit gemeint? Die Teilnehmerliste der vergangenen Jahre zeigt: Vor allem etablierte Unternehmen, Investor:innen und Verbandsvertreter:innen dominieren die Bühne. Start-ups, die wirklich disruptive Ideen verfolgen, haben es schwer, Gehör zu finden. „Die großen Player nutzen solche Events, um sich als innovativ zu inszenieren“, sagt ein Gründer, der nicht namentlich genannt werden möchte. „Aber am Ende geht es oft darum, bestehende Geschäftsmodelle zu optimieren – nicht zu revolutionieren.“ [3]
Ein Lichtblick könnte der Verband RE|TECH|DACH sein, der explizit länderübergreifende Kooperationen fördert. Hier geht es nicht nur um Deutschland, sondern auch um Österreich und die Schweiz – und damit um Märkte, die oft unter dem Radar der großen Awards bleiben. „Die DACH-Region hat enormes Potenzial“, sagt eine Sprecherin des Verbands. „Aber wir müssen sicherstellen, dass nicht nur die großen Player gehört werden.“ Tatsächlich zeigt die Arbeit von RE|TECH|DACH, dass es auch jenseits der etablierten Netzwerke Raum für echte Innovation gibt – etwa in den Bereichen Smart Building oder Prozessautomatisierung. Doch ob diese Initiativen langfristig die Branche verändern können, hängt davon ab, ob sie es schaffen, sich gegen die Dominanz der etablierten Player durchzusetzen. [5]
Doch was bleibt von den Awards und Netzwerken, wenn man die Inszenierung abzieht? Die PropTech Germany Studie 2025, veröffentlicht vom Gründermagazin StartingUp, zeigt: Die Branche wächst – aber sie wächst vor allem dort, wo sie bestehende Strukturen bedient. „Die meisten PropTechs entwickeln Lösungen, die sich in bestehende Geschäftsmodelle einfügen“, sagt ein Analyst. „Echte Disruption ist selten.“ Das Problem: Die Awards und Netzwerke belohnen genau diese Art von Innovation – weil sie für die etablierten Player am einfachsten zu integrieren ist. Start-ups, die radikalere Ansätze verfolgen, haben es schwer, in diesem System Fuß zu fassen. „Die Branche braucht mehr Mut“, fordert ein Gründer. „Aber solange die Awards und Netzwerke von den etablierten Playern dominiert werden, wird sich daran wenig ändern.“ [7]
Ein Beispiel für diese Dynamik ist das Dokumentenmanagement-Tool reltix, das in der Branche als Vorreiter für digitale Prozesse gilt. „Vom Aktenordner zum Algorithmus“ – so wirbt das Unternehmen für seine Lösung. Doch während reltix die Effizienz in der Branche steigert, bleibt die Frage: Wer profitiert wirklich davon? „Solche Tools sind wichtig, aber sie verändern nicht die Machtverhältnisse“, sagt eine Branchenexpertin. „Sie machen bestehende Prozesse schneller – aber sie stellen sie nicht infrage.“ Genau hier liegt das Dilemma der PropTech-Awards: Sie belohnen Lösungen, die die Branche effizienter machen, aber sie hinterfragen nicht, ob diese Effizienz auch zu mehr Nachhaltigkeit, Fairness oder Innovation führt. [6]
Doch es gibt auch Hoffnung: Veranstaltungen wie die EBZ PropTech Days 2025 oder die RESI Impact Night zeigen, dass es jenseits der etablierten Netzwerke Raum für echte Debatten gibt. Hier geht es nicht nur um Awards, sondern um konkrete Lösungen für die Herausforderungen der Branche – etwa in den Bereichen ESG oder bezahlbares Wohnen. „Die Branche braucht mehr solche Formate“, sagt ein Teilnehmer der RESI Impact Night. „Formate, die nicht nur die etablierten Player feiern, sondern auch neue Ideen fördern.“ Ob diese Initiativen langfristig die Dominanz der großen Awards und Netzwerke brechen können, bleibt offen. Doch sie zeigen: Es gibt Alternativen – und die Branche beginnt, sie zu nutzen. [4]
Hintergrund
Der DACH-PropTech-Sektor steht vor einem Paradox: Während die Branche von Innovation und Digitalisierung spricht, bleiben die wichtigsten Auszeichnungen und Netzwerke oft in den Händen etablierter Player. Die PropTech Germany Awards und der PropTech of the Year Award spiegeln diese Dynamik wider – sie belohnen Lösungen, die sich nahtlos in bestehende Geschäftsmodelle einfügen, aber selten echte Disruption vorantreiben. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Branche, nachhaltiger und sozialer zu agieren. Ob die Awards und Netzwerke dieser Herausforderung gerecht werden, bleibt eine offene Frage.
Quellen
- [1]PropTech of the Year Award - ZIA-Deutschland.de
- [2]Real Estate Arena News: Die Sieger des PropTech Germany Award 2025 stehen fest
- [3]Proptech Summit - Teilnehmende PropTech Summit
- [4]Proptech
- [5]Startseite - ReTechDach
- [6]reltix: Vom Aktenordner zum Algorithmus - StartingUp: Das Gründermagazin
- [7]PropTech Germany Studie 2025 - StartingUp: Das Gründermagazin
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