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PropTech-Boom: Warum Donexus nur der Anfang ist
Die Finanzierungsrunde von Donexus schlägt Wellen im DACH-Raum. Doch was sagt der Deal über die Zukunft des PropTech-Sektors aus? Und warum setzen Investoren plötzlich auf Profitabilität statt auf Wachstum um jeden Preis?
Sophie Wagner
1. März 2026
Es war ein Deal, der in den Hinterzimmern der Berliner PropTech-Szene seit Wochen die Runde machte. Donexus, das junge Startup für digitale Immobilienverwaltung, hat seine erste signifikante Finanzierungsrunde abgeschlossen. Die Summe? Offiziell hält man sich bedeckt. Doch Branchenkreise, die mit der Transaktion vertraut sind, sprechen von einer Seed-Runde, die sich an den jüngsten Marktdurchschnitten orientiert. Ein Vergleich drängt sich auf: hallo theo, ein Berliner Konkurrent, sammelte Anfang 2025 stolze 10 Millionen Euro ein – ein Volumen, das in der Szene als Benchmark für skalierbare PropTech-Modelle gilt. [2]
Doch der Donexus-Deal ist mehr als nur eine weitere Finanzierungsrunde. Er markiert einen Wendepunkt. Noch vor zwei Jahren dominierte im PropTech-Sektor das Mantra „Wachstum um jeden Preis“. Heute, so zeigt der 2024 Proptech Venture Capital Report, setzen Investoren auf finanzielle Disziplin. Cashflow, vorhersehbare Einnahmen und operative Effizienz sind die neuen Schlagworte. Die Gründe? Ein Markt, der nach der Euphorie der Pandemie-Jahre plötzlich mit hohen Zinsen und sinkenden Bewertungen kämpft. Die Folge: Nur noch Startups mit klaren Unit Economics kommen an frisches Kapital. [4]
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Weltweit flossen 2023 über 717 Millionen US-Dollar in PropTech-Startups – ein Volumen, das vor allem in Europa und Nordamerika investiert wurde. Doch während die USA mit Metropolen wie New York und Los Angeles weiterhin die globalen Trends setzen, holt der DACH-Raum auf. Allein in Deutschland sitzen rund 60 Prozent der PropTech-Startups der Region, mit Berlin als unangefochtenem Epizentrum. Die Hauptstadt ist nicht nur Heimat von Donexus, sondern auch von Schwergewichten wie McMakler oder dem bereits erwähnten hallo theo. [1]
Doch wer steckt eigentlich hinter den Schecks? Bei Donexus hält man sich bedeckt, doch ein Blick auf die typischen Investoren im DACH-Raum verrät viel. Da sind zum einen die klassischen VCs wie Earlybird oder Insight Partners, die bereits bei hallo theo eingestiegen sind. Zum anderen mischen zunehmend Corporate Investoren mit – allen voran Aroundtown, einer der größten Immobilienplayer Europas. Über seinen Accelerator ATechX hat Aroundtown bereits Dutzende PropTech-Startups gefördert, mit Fokus auf nachhaltige und digitale Lösungen für die Branche. [2][6]
Die Accelerator-Landschaft im DACH-Raum ist dabei so lebendig wie nie. Über 20 Programme buhlen um die besten Ideen – von ATechX in Berlin bis zum Swiss Prime Site Innovation Lab in Zürich. Die Schweizer, bekannt für ihre konservative Immobilienkultur, setzen dabei zunehmend auf digitale Innovation. Swiss Prime Site, einer der führenden Immobilienkonzerne Europas, hat sein eigenes Accelerator-Programm aufgelegt, um gezielt Startups mit Fokus auf Smart Building und ESG-Lösungen zu fördern. [7][8]
Doch nicht alles glänzt im PropTech-Paradies. Der Druck auf die Startups wächst. Investoren, die einst bereitwillig Schecks ausstellten, verlangen heute nach harten Zahlen. Der 2024 Proptech Venture Capital Report zeigt: Die Ära der „Growth at all Costs“-Mentalität ist vorbei. Stattdessen dominieren nun Metriken wie Cashflow und operative Effizienz. Für Gründer bedeutet das: Wer nicht schnell profitabel wird, hat kaum eine Chance auf eine Folgefinanzierung. Ein harter Schnitt, der viele Teams kalt erwischt. [4]
Was bedeutet das für die Zukunft? Donexus ist nur ein Puzzleteil in einem größeren Bild. Der PropTech-Sektor im DACH-Raum steht vor einer Konsolidierungswelle. Diejenigen, die überleben, werden nicht die lautesten, sondern die effizientesten sein. Und während die USA weiterhin die globalen Trends setzen, könnte Europa – und hier besonders der DACH-Raum – zum Testlabor für nachhaltige und profitable PropTech-Lösungen werden. Die Frage ist nur: Wer hat das Zeug dazu?. [1]
Hintergrund
Der PropTech-Sektor im DACH-Raum durchläuft eine Phase des Umbruchs. Getrieben von regulatorischen Anforderungen wie der EU-Taxonomie und dem deutschen Building Energy Act, aber auch von einem wachsenden Digitalisierungsdruck in der Immobilienwirtschaft, hat sich die Branche seit 2020 rasant entwickelt. Accelerator-Programme wie ATechX oder das Swiss Prime Site Innovation Lab spielen dabei eine zentrale Rolle, indem sie Early-Stage-Startups gezielt fördern. Doch während die Zahl der Gründungen steigt, wird der Markt selektiver. Investoren setzen zunehmend auf skalierbare Geschäftsmodelle mit klaren Unit Economics – ein Trend, der den Sektor nachhaltig verändern wird.
Quellen
- [1]Funded PropTech Startups 2026 | Property Technology Companies
- [2]hallo theo: 10 Mio. Euro für digitale Immobilienverwaltung
- [3]Proptech in 2024: VCs, Principals and Analysts Sound Off – Commercial Observer
- [4]2024 Proptech Venture Capital Report — CRETI
- [5]PropTech Investment Trends 2026: Key Opportunities & Funding Insights
- [6]ATechX: Proptech-Accelerator für Immobilien-Startups
- [7]Accelerator Übersicht | Startstories.de
- [8]Accelerator Programme - Swiss Prime Site
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