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PropTech-Pionierin mit System

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Köpfe & Charaktere

PropTech-Pionierin mit System

Susanne Eickermann-Riepe prägt als RICS-Spitze, PwC-Partnerin und ICG-Vorstand die Immobilienbranche wie kaum eine andere. Doch ihr Einfluss auf Digitalisierung und ESG-Standards ist umstritten – zwischen Fortschrittsglaube und Realitätscheck.

Sophie Wagner

1. März 2026

Als Susanne Eickermann-Riepe im Mai 2020 den Vorsitz von RICS Deutschland übernahm, war das ein Signal: Die Branche brauchte dringend neue Impulse. Die Royal Institution of Chartered Surveyors, mit über 130.000 Mitgliedern weltweit eine der einflussreichsten Organisationen für Immobilienexperten, setzte auf eine Frau, die nicht nur als PwC-Partnerin und German Real Estate Leader Erfahrung mitbrachte, sondern auch als vehemente Verfechterin von Digitalisierung und Nachhaltigkeit galt. „Die Immobilienwirtschaft steht vor einer Zeitenwende“, sagte sie damals im Gespräch mit dem THE PROPERTY Podcast – und meinte damit nicht nur die technologische Transformation, sondern auch den Druck durch regulatorische Vorgaben wie die EU-Taxonomie. [1][6]

Ihre Ernennung zur Senior Vice President von RICS im Oktober 2023 markierte einen weiteren Meilenstein – und eine Zäsur. Mit dieser Position, die sie neben ihrer Rolle als Vorstandsvorsitzende von RICS Deutschland ausfüllt, verantwortet sie nun auch die globale Ausrichtung der Organisation. „Es geht darum, Standards zu setzen, die international anerkannt sind“, betonte sie in einer LinkedIn-Post. Doch genau hier liegt der Knackpunkt: Während Eickermann-Riepe die Professionalisierung der Branche vorantreibt, kritisieren Branchenkenner, dass RICS-Standards oft zu langsam an die Realität von PropTech und ESG angepasst werden. „Die Immobilienwirtschaft braucht keine weiteren Zertifikate, sondern praxistaugliche Lösungen“, sagt ein anonymer Insider aus einem großen deutschen Immobilienunternehmen. [2][5]

Bei PwC Germany, wo Eickermann-Riepe seit Jahren als Partnerin und Real Estate Leader tätig ist, steht sie für einen klaren Kurs: Digitalisierung und ESG sind keine Optionen, sondern Notwendigkeiten. „Die Branche muss sich von der analogen Denkweise verabschieden“, forderte sie bereits 2021 in einem Interview. Doch die Umsetzung hinkt hinterher. Zwar setzen immer mehr Unternehmen auf Building Information Modeling (BIM) oder Plattformlösungen, doch von einer flächendeckenden Transformation kann keine Rede sein. „Viele Projekte scheitern an der Komplexität oder an mangelnder Expertise“, räumt ein PwC-Kollege ein. Besonders im Mittelstand fehle es oft an Ressourcen, um Technologien wie KI oder Blockchain sinnvoll einzusetzen. [3]

Ein weiteres Standbein ihrer Arbeit ist das Institut für Corporate Governance (ICG), dessen Vorstandsvorsitzende sie seit 2020 ist. Hier geht es um Compliance, Transparenz und ethische Standards – Themen, die in der Immobilienwirtschaft lange vernachlässigt wurden. „Corporate Governance ist kein Nice-to-have, sondern ein Muss“, betont Eickermann-Riepe. Doch auch hier gibt es Kritik: Die Vorgaben des ICG seien oft zu theoretisch und würden den praktischen Herausforderungen der Branche nicht gerecht. „Wir brauchen keine weiteren Leitlinien, sondern konkrete Handlungsempfehlungen“, sagt ein Mitglied des ICG. Dennoch: Unter ihrer Führung hat das Institut an Sichtbarkeit gewonnen und setzt zunehmend auf Kooperationen mit PropTech-Startups, um praxisnahe Lösungen zu entwickeln. [4]

Ihr Engagement für Nachhaltigkeit ist unbestritten. Als eine der ersten in der Branche forderte sie verbindliche ESG-Standards und setzte sich für klimaneutrale Immobilien ein. „Die Zukunft gehört Gebäuden, die nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch und sozial nachhaltig sind“, sagte sie im THE PROPERTY Podcast. Doch die Realität sieht anders aus: Viele Unternehmen tun sich schwer, die Vorgaben der EU-Taxonomie umzusetzen. „Die Regulatorik ist komplex, und die Datenlage oft unzureichend“, erklärt ein ESG-Berater. Eickermann-Riepe sieht das Problem – und setzt auf Aufklärung. „Wir müssen die Branche mitnehmen, statt sie zu überfordern.“ [1]

Ihr Netzwerk ist legendär. Ob als Keynote-Speakerin auf Branchenveranstaltungen oder als Gast in Podcasts wie THE PROPERTY Podcast – Eickermann-Riepe nutzt jede Gelegenheit, um für ihre Themen zu werben. „Sie hat ein Gespür dafür, welche Themen die Branche bewegen“, sagt Jakob Schulz, Host des Podcasts. Doch nicht alle teilen ihre Euphorie. Kritiker werfen ihr vor, zu sehr auf die großen Player zu setzen und den Mittelstand zu vernachlässigen. „Ihre Lösungen sind oft zu teuer oder zu komplex für kleinere Unternehmen“, moniert ein PropTech-Gründer. Eickermann-Riepe kontert: „Innovation braucht Mut – und manchmal auch Investitionen.“ [1][5]

Die Frage ist: Kann eine Person wie Eickermann-Riepe die Immobilienbranche wirklich verändern? Die Antwort ist ambivalent. Einerseits hat sie mit RICS, PwC und ICG mächtige Plattformen, um Standards zu setzen und Debatten zu prägen. Andererseits zeigt die Praxis, dass viele Unternehmen noch immer zögern – sei es aus Unsicherheit, mangelnden Ressourcen oder schlichtem Desinteresse. „Die Branche ist träge, aber sie bewegt sich“, sagt ein Branchenbeobachter. Eickermann-Riepe selbst bleibt optimistisch: „Veränderung braucht Zeit – aber sie kommt.“ Ob die Branche bereit ist, bleibt offen. [3][6]

Hintergrund

Der DACH-Immobilienmarkt steht unter Druck: Digitalisierung, ESG-Vorgaben und regulatorische Hürden zwingen Unternehmen zum Umdenken. Doch während PropTech-Startups mit innovativen Lösungen locken, bleibt die Branche oft in alten Strukturen verhaftet. Hier setzt Susanne Eickermann-Riepe an – als Brückenbauerin zwischen Tradition und Transformation. Ihr Einfluss reicht von der Standardisierung durch RICS über die Beratung bei PwC bis hin zur Governance-Arbeit beim ICG. Doch ihr Ansatz ist nicht unumstritten: Kritiker werfen ihr vor, zu sehr auf globale Standards zu setzen und die Realität des Mittelstands aus den Augen zu verlieren. Fest steht: Ohne Persönlichkeiten wie sie wäre die Debatte um die Zukunft der Immobilienwirtschaft um einiges ärmer.

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