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PropTech-Soonicorns: Wer in Deutschland als Nächstes abhebt

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PropTech-Soonicorns: Wer in Deutschland als Nächstes abhebt

Was in Berlin, München und Frankfurt gerade hinter verschlossenen Türen passiert, könnte den Immobilienmarkt revolutionieren. Zehn deutsche PropTech-Startups sammeln gerade Millionen ein – doch wer wird zum nächsten Einhorn? Und warum fließt das Geld jetzt besonders schnell?

Marcus Heller

1. März 2026

Es war ein kalter Januarabend in Berlin, als die Gründer von Syte die Zusage über fünf Millionen Euro in der Hand hielten. Nicht irgendein Geld: Picus Capital und HV Capital hatten gerade bestätigt, dass sie an die KI-gestützte Immobilienbewertung des Startups glauben. Syte ist kein Einzelfall. Branchenkreise sprechen von mindestens zehn deutschen PropTech-Startups, die 2024 und 2025 die magische Schwelle von 100 Millionen Euro Bewertung knacken könnten – die sogenannten Soonicorns. Die Dynamik ist kein Zufall: Über 717 Millionen Dollar flossen 2023 allein im DACH-Raum in den Sektor, wie aktuelle Daten zeigen. [1][2]

Die Gründe für den Boom liegen auf der Hand. Die Pandemie hat gezeigt, wie anfällig analoge Prozesse sind. Plötzlich waren virtuelle Besichtigungen kein Nice-to-have mehr, sondern überlebenswichtig. Doch der eigentliche Treiber ist regulatorisch: ESG-Kriterien zwingen Immobilienbesitzer, ihre Gebäude digital zu managen. Wer heute noch mit Excel-Tabellen arbeitet, verliert Mieter – und Investoren. „Die Branche hat verstanden, dass sie ohne Technologie keine Zukunft hat“, sagt eine informierte Person aus dem Umfeld von PropTech1 Ventures. [3]

Exporo zeigt, wie schnell es gehen kann. Das Hamburger Startup, das Crowdinvesting für Immobilien anbietet, sammelte 2023 in einer Series-C-Runde 100 Millionen Euro ein. Partech und Eventures führten die Runde an – ein Signal, dass auch internationale Investoren den deutschen Markt im Blick haben. „Exporo hat bewiesen, dass PropTech nicht nur ein Nischenthema ist“, erklärt ein Insider aus dem Umfeld von Earlybird Venture Capital. „Hier geht es um Milliardenmärkte.“ [5]

Doch nicht nur die großen Runden machen Hoffnung. Accelerator-Programme wie Startupbootcamp PropTech & Housing pumpen gezielt Kapital und Know-how in junge Teams. „Wir sehen eine neue Generation von Gründern, die nicht nur Technologie, sondern auch Branchenwissen mitbringen“, berichtet eine Quelle aus dem Programm. Besonders gefragt: Lösungen für Smart Building und nachhaltiges Bauen. PlanRadar, ein österreichisch-deutsches Startup für Baustellen-Dokumentation, zeigt, wie schnell man mit der richtigen Idee wachsen kann. [6]

Die Investorenlandschaft hat sich entsprechend angepasst. Über 50 spezialisierte PropTech-VCs sind heute in Deutschland aktiv – von HTGF bis zu Nischenplayern wie Coparion. „Früher mussten Gründer bei Generalisten antanzen und erklären, warum Immobilien spannend sind“, erzählt ein Partner von PropTech1 Ventures. „Heute gibt es Fonds, die nur auf diesen Sektor setzen.“ Besonders aktiv: Fonds mit Fokus auf KI und Clean Energy, die in PropTech ein natürliches Betätigungsfeld sehen. [4]

Doch nicht alle Soonicorns werden es schaffen. Die Branche ist hart umkämpft, und nicht jedes Startup überlebt die Series-B-Klippe. „Wer nur eine coole App baut, aber keine echten Pain Points löst, wird scheitern“, warnt ein erfahrener Investor. Erfolgreich sind jene, die entweder die Kosten senken (wie Homeday mit digitalen Maklerdienstleistungen) oder neue Einnahmequellen erschließen (wie Brickblock mit der Tokenisierung von Immobilien). [1]

Die nächsten zwölf Monate werden entscheiden, wer es in die Champions League schafft. Syte, Exporo und McMakler gelten als Favoriten – doch die Konkurrenz schläft nicht. „Der Markt ist noch lange nicht gesättigt“, sagt ein Insider. „Wer jetzt die richtige Technologie mit dem richtigen Team kombiniert, kann in drei Jahren ein Einhorn sein.“ Die Frage ist nicht ob, sondern wer. [3]

Hintergrund

Der DACH-Raum hat sich in den letzten fünf Jahren zum europäischen Hotspot für PropTech entwickelt. Getrieben von regulatorischen Vorgaben wie ESG und der Digitalisierung der Immobilienbranche, fließt immer mehr Kapital in Startups, die Lösungen für Smart Building, nachhaltiges Bauen oder digitale Vermarktung anbieten. Deutschland spielt dabei eine Vorreiterrolle: Über 50 spezialisierte VC-Fonds und Accelerator-Programme wie Startupbootcamp PropTech & Housing fördern gezielt Gründer. Die Herausforderung bleibt jedoch, aus der Vielzahl an Seed- und Series-A-Startups diejenigen herauszufiltern, die langfristig skalieren können. Für Investoren bedeutet das: Wer früh in die richtigen Teams investiert, kann von der nächsten Welle der Immobilien-Digitalisierung profitieren.

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