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Rechenzentren als Wasserquellen der Zukunft

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Nachhaltigkeit & ESG

Rechenzentren als Wasserquellen der Zukunft

Ein US-Startup macht vor, was im DACH-Raum noch fehlt: Abwärme von Servern in Trinkwasser verwandeln. Während die EU-Taxonomie und CSRD den Druck erhöhen, zeigt Atoco, wie ESG-Ziele und Ressourceneffizienz Hand in Hand gehen – doch die Zeit zum Handeln drängt.

Marcus Heller

12. Oktober 2026

Es war ein heißer Septembertag in Irvine, Kalifornien, als Atoco die Tür zu einer möglichen Revolution aufstieß. Vor den Augen von Investoren und Branchenvertretern kondensierte das Startup aus der Abwärme eines Rechenzentrums literweise Trinkwasser – ohne zusätzlichen Strom, ohne Chemikalien. Die Botschaft war klar: Was in den USA funktioniert, könnte im DACH-Raum zum Gamechanger werden. Denn hier wächst nicht nur die Zahl der Rechenzentren, sondern auch der regulatorische Druck. Die EU-Taxonomie und CSRD verlangen nach Lösungen, die Energieeffizienz und Ressourcenschonung verbinden. Atocos Ansatz trifft genau diesen Nerv. [2][4]

Die Technologie klingt simpel, doch die Wirkung ist enorm. Rechenzentren produzieren Abwärme in rauen Mengen – Energie, die meist ungenutzt verpufft. Atoco nutzt diese thermische Energie, um Luftfeuchtigkeit zu kondensieren und in Trinkwasser umzuwandeln. Ein doppelter Gewinn: Der CO₂-Fußabdruck der Serverfarmen sinkt, und gleichzeitig entsteht eine wertvolle Ressource. Branchenkreise sehen darin einen Paradigmenwechsel. „Das ist kein Nischenthema mehr“, sagt ein ESG-Berater aus Frankfurt. „Wer heute in Rechenzentren investiert, muss sich fragen: Wie viel Abwärme lässt sich sinnvoll nutzen – und wie schnell?“ [2][3]

Doch während die Schweiz bereits einen Großteil der Abwärme aus Rechenzentren nutzt, hinkt Deutschland hinterher. Die Gründe? Fehlende Anreize, komplexe Genehmigungsverfahren und eine Infrastruktur, die nicht auf Abwärmenutzung ausgelegt ist. Dabei drängt die Zeit. Die digitale Transformation treibt den Bedarf an Rechenleistung in die Höhe – und damit auch den Energie- und Wasserverbrauch. Ein Teufelskreis, den Atocos Lösung durchbrechen könnte. „Die Technologie ist da“, sagt ein Insider aus der Immobilienbranche. „Jetzt fehlt nur noch der politische Wille, sie flächendeckend einzusetzen.“ [8]

Die EU-Taxonomie macht Druck. Sie klassifiziert nachhaltige Immobilienprojekte und verlangt konkrete Maßnahmen zur Energieeffizienz und Ressourcenschonung. Rechenzentren, die Abwärme ungenutzt lassen, fallen durchs Raster. Atocos Ansatz könnte hier Abhilfe schaffen – und gleichzeitig die Scope-1- und Scope-2-Emissionen der Betreiber senken. „Das ist kein Greenwashing“, betont ein DGNB-Auditor. „Das ist messbare Nachhaltigkeit.“ Doch die Uhr tickt. Ab 2024 müssen Unternehmen im Rahmen der CSRD detailliert über ihre ESG-Leistungen berichten – inklusive Scope-3-Emissionen, die durch Rechenzentren entstehen. [4][5]

Frankfurt am Main, Europas größter Internetknoten, steht exemplarisch für das Dilemma. Hier ballen sich Rechenzentren, die enorme Mengen an Abwärme produzieren – und gleichzeitig Wasser für die Kühlung verbrauchen. Atocos Technologie könnte diesen Konflikt entschärfen. Doch die Umsetzung ist komplex. „Es geht nicht nur um die Technik“, sagt ein Energieberater. „Es geht um die Integration in bestehende Systeme, um Fördergelder, um die Akzeptanz der Betreiber.“ Die KfW unterstützt zwar Projekte zur Abwärmenutzung, doch ob das für Atoco-spezifische Lösungen reicht, ist noch offen. [7][8]

Green-Building-Zertifizierungen wie DGNB oder LEED honorieren innovative Lösungen zur Abwärmenutzung. Doch die Hürden sind hoch. „Die meisten Betreiber denken in Quartalen, nicht in Jahrzehnten“, sagt ein LEED-Experte. „Sie wollen schnelle Lösungen, keine langfristigen Investitionen.“ Atoco könnte hier den Unterschied machen – wenn die Politik mitzieht. Die GEG-Novelle und die EU-Taxonomie setzen den Rahmen, doch die Umsetzung liegt bei den Unternehmen. „Wer jetzt nicht handelt, riskiert, abgehängt zu werden“, warnt ein Branchenkenner. [4][6]

Die Frage ist nicht mehr, ob Atocos Technologie kommt, sondern wann. Die Vorführung in Irvine hat gezeigt: Es funktioniert. Jetzt geht es darum, die Lösung in den DACH-Raum zu übertragen – mit allen regulatorischen, technischen und finanziellen Herausforderungen. „Das ist kein Sprint, das ist ein Marathon“, sagt ein ESG-Investor. „Aber wer jetzt nicht startet, wird später nicht mehr aufholen können.“ Die Abwärme der Rechenzentren wartet nicht. Und die Uhr tickt. [2][3]

Hintergrund

Der DACH-Raum steht vor einem doppelten Dilemma: Einerseits wächst der Bedarf an Rechenleistung durch Cloud Computing, KI und digitale Transformation – andererseits steigen die Anforderungen an Energieeffizienz und Ressourcenschonung. Die EU-Taxonomie und CSRD setzen klare Vorgaben, doch die Umsetzung hinkt hinterher. Atocos Technologie könnte hier eine Brücke schlagen, doch ohne politische Unterstützung und unternehmerischen Willen bleibt das Potenzial ungenutzt.

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