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Storabble schluckt on-storage – DACH-Lagermarkt im Umbruch

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Startups & Ventures

Storabble schluckt on-storage – DACH-Lagermarkt im Umbruch

Was in St. Gallen als TV-Coup begann, wird jetzt zur europäischen Offensive. Mit der Übernahme von on-storage sichert sich das Schweizer PropTech storabble nicht nur den deutschen Markt – es schreibt die Regeln für flexible Lagerflächen neu. Doch der Deal wirft Fragen auf: Kann das Airbnb-Prinzip für Kellerräume wirklich skalieren?

Sophie Wagner

1. März 2026

Es war ein Moment, der in der Schweizer Startup-Szene noch nachhallt: storabble, das junge PropTech aus St. Gallen, gewann 2023 in einer vielbeachteten Folge von Die Höhle der Löwen Schweiz die Gunst der Investoren. Branchenkreise berichten, dass das Startup dabei nicht nur mediale Aufmerksamkeit, sondern auch frisches Kapital einsammelte – ein entscheidender Schub für die Expansion. Jetzt folgt der nächste große Schritt: die Übernahme des deutschen Konkurrenten on-storage. Plötzlich ist storabble nicht mehr nur ein Nischenplayer, sondern ein ernstzunehmender Konsolidierer im fragmentierten DACH-Lagermarkt. [3][4]

Die Logik hinter dem Deal ist simpel: on-storage brachte genau das mit, was storabble fehlte – eine etablierte Präsenz in Deutschland. Gegründet 2019, hatte das deutsche Startup bereits eine treue Nutzerbasis aufgebaut, die nun unter dem storabble-Dach weiterwächst. Für Investoren ist das ein Signal: Der Markt für flexible Lagerflächen ist reif für Skalierung. Branchenkenner schätzen, dass allein in der Schweiz und Deutschland Tausende Quadratmeter Gewerbe- und Privatlager ungenutzt brachliegen – ein Potenzial, das storabble nun systematisch erschließen will. [1][4]

Doch wie lukrativ ist das Geschäft mit leeren Kellern und Lagerhallen wirklich? storabble setzt auf das bewährte Airbnb-Prinzip: Vermieter stellen ungenutzte Flächen zur Verfügung, Mieter buchen sie flexibel – und storabble kassiert eine Provision von 15 bis 20 Prozent pro Transaktion. Das Modell klingt verlockend, doch die Herausforderungen sind real. Informierte Personen aus der Immobilienbranche warnen: Viele private Lagerflächen sind schwer zu standardisieren, und Gewerbeimmobilienbesitzer zögern oft, ihre Räume kurzfristig zu vermieten. Hier könnte der on-storage-Deal den entscheidenden Unterschied machen. [3]

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Der globale PropTech-Markt wächst rasant. Laut aktuellen Prognosen soll das Volumen bis 2034 auf über 80 Milliarden US-Dollar ansteigen – ein jährliches Wachstum von fast 17 Prozent. Besonders dynamisch entwickelt sich das Segment für Lagerraum-Sharing, das von Urbanisierung und E-Commerce-Boom profitiert. In der Schweiz, wo storabble seinen Ursprung hat, ist die Nachfrage nach flexiblen Lagerlösungen besonders hoch. Kein Wunder, dass das Startup hier zu den vielversprechendsten PropTechs des Landes zählt. [1][2]

Für institutionelle Investoren ist die storabble-on-storage-Fusion ein Testfall. Kann das Sharing-Economy-Modell im Lagerbereich tatsächlich skalieren? Oder bleibt es ein Nischenphänomen? Die Antwort hängt davon ab, wie schnell es dem neuen Verbund gelingt, die fragmentierte Anbieterlandschaft zu vereinheitlichen. Branchenexperten verweisen auf ähnliche Entwicklungen im Coworking-Space: Wer zuerst eine kritische Masse erreicht, diktiert die Spielregeln. storabble scheint diesen Wettlauf ernst zu nehmen – und setzt dabei auf eine Mischung aus organischem Wachstum und gezielten Übernahmen. [1][4]

Doch nicht alle sind überzeugt. Kritiker monieren, dass das Geschäftsmodell stark von der Bereitschaft privater und gewerblicher Vermieter abhängt, ihre Flächen zu teilen. In Ballungsräumen wie Zürich oder München, wo Lagerraum ohnehin knapp ist, könnte der Widerstand gegen kurzfristige Vermietungen wachsen. Zudem stellt sich die Frage, wie storabble die Qualität der angebotenen Flächen sicherstellen will. Hier könnte die Integration von on-storage entscheidend sein: Das deutsche Startup brachte nicht nur Kunden, sondern auch Erfahrung im Umgang mit gewerblichen Partnern mit. [3][4]

Fest steht: Der Deal markiert einen Wendepunkt für den DACH-Lagermarkt. storabble hat bewiesen, dass es nicht nur medienwirksam Kapital einsammeln, sondern auch strategisch wachsen kann. Für Investoren ist das ein starkes Signal. Sollte es dem Startup gelingen, die Synergien aus der Übernahme zu heben, könnte es zum dominanten Player im europäischen Lagerraum-Sharing aufsteigen. Die nächsten Monate werden zeigen, ob das Airbnb-Prinzip für Kellerräume mehr ist als ein cleverer Marketing-Gag – oder der Beginn einer neuen Ära im Immobilienmarkt. [2][4]

Hintergrund

Der europäische Lagerraum-Markt steht vor einem Paradigmenwechsel. Während traditionelle Anbieter noch auf langfristige Mietverträge setzen, drängen PropTech-Startups wie storabble mit flexiblen Sharing-Modellen in die Lücke. Die Übernahme von on-storage ist dabei nur der Anfang. Analysten erwarten, dass der DACH-Raum in den kommenden Jahren zum Hotspot für Lagerraum-Sharing wird – getrieben von Urbanisierung, E-Commerce und dem wachsenden Bedarf an kurzfristigen Logistiklösungen. Doch der Markt bleibt fragmentiert, und die Konsolidierung hat gerade erst begonnen.

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