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Die Frau, die Immobilien neu denkt

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Die Frau, die Immobilien neu denkt

Susanne Eickermann-Riepe prägt seit Jahren die DACH-Immobilienbranche – als RICS-Chefin, PwC-Veteranin und PropTech-Vordenkerin. Doch was treibt die Frau an, die Standards setzt, ohne laut zu sein?

Marcus Heller

28. März 2026

Es ist ein Dienstagmorgen im Januar 2024, 6 Uhr UTC. Jakob Schulz, Moderator des THE PROPERTY Podcast, drückt auf Aufnahme. Gegenüber sitzt Susanne Eickermann-Riepe, seit fast vier Jahren Vorstandsvorsitzende von RICS Germany. Die 30 Minuten, die folgen, sind kein klassisches Brancheninterview. Eickermann-Riepe spricht über die „unsichtbaren Risse“ in der Immobilienwirtschaft – fehlende Standards, wackelige Datenqualität, das Misstrauen zwischen PropTech-Startups und etablierten Playern. „Wir brauchen mehr als nur Technologie“, sagt sie. „Wir brauchen Vertrauen.“ Branchenkreise nennen das ihre „stille Revolution“. [1]

Dass Eickermann-Riepe heute an der Spitze von RICS Germany steht, ist kein Zufall. Fast 20 Jahre lang hat sie bei PwC das deutsche Immobiliengeschäft geprägt – als Partnerin, als Teil der EMEA- und Global Leadership Teams. „Sie hat PwC nicht nur beraten, sie hat die Immobilienabteilung mit aufgebaut“, erzählt ein ehemaliger Kollege. Als sie 2020 den Vorsitz bei RICS übernahm, war das ein Signal: Die Branche brauchte jemanden, der Professionalisierung nicht nur predigt, sondern lebt. Ihr Amtsantritt am 6. Mai 2020 fiel in eine Zeit, in der die Pandemie die Schwächen analoger Prozesse schonungslos offenlegte. [2][5]

Doch Eickermann-Riepe denkt größer. Als Chair des RICS European World Regional Board vertritt sie über 130.000 Immobilienexperten – von Frankfurt bis Zürich, von Wien bis Warschau. „Sie hat ein Gespür dafür, wo die Branche in fünf Jahren stehen muss“, sagt ein Mitglied des Boards. Ihr Fokus: Zertifizierungen, die nicht nur auf dem Papier stehen, sondern gelebte Praxis werden. „ESG ist kein Nice-to-have“, betont sie in Podcasts und Panels. „Es ist die Grundlage für alles, was wir bauen.“ Dass RICS unter ihrer Führung Nachhaltigkeitsstandards schärft, ist kein Geheimnis – aber auch kein Selbstläufer. [2][3]

Was viele nicht wissen: Eickermann-Riepe ist auch eine der wenigen, die die Kluft zwischen PropTech und Tradition überbrücken. Als Gründungsmitglied des ICG Institute setzt sie sich für Standards ein, die Startups und Konzerne gleichermaßen nutzen können. „Sie versteht beide Welten“, sagt ein PropTech-Gründer, der mit ihr bei FuturePlace zusammengearbeitet hat. „Die einen haben die Ideen, die anderen das Kapital. Sie bringt sie zusammen.“ FuturePlace, eine Plattform für Innovatoren, ist dabei ihr „Experimentierfeld“ – ein Ort, an dem digitale Tools nicht nur präsentiert, sondern auch hinterfragt werden. [2][8]

Dabei ist Eickermann-Riepe keine, die mit großen Gesten auffällt. „Sie hört zu, bevor sie spricht“, beschreibt es ein Wegbegleiter. Diese Zurückhaltung täuscht: Hinter den Kulissen treibt sie Themen voran, die andere noch ignorieren. Als sie 2020 bei RICS Germany antrat, war die Organisation in Deutschland noch ein „Geheimtipp“. Heute, sagen Brancheninsider, sei sie eine der einflussreichsten Stimmen – nicht nur für Zertifizierungen, sondern für die Zukunft der Branche insgesamt. „Sie macht Professionalisierung sexy“, scherzt ein Kollege. „Und das ist in einer Branche, die oft noch mit Excel-Tabellen arbeitet, eine kleine Revolution.“ [2][5]

Ihr nächstes Projekt? Die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft vorantreiben – ohne die Fehler anderer Branchen zu wiederholen. „Daten sind das neue Gold“, sagt sie. „Aber nur, wenn sie vertrauenswürdig sind.“ Dass RICS unter ihrer Führung verstärkt auf Blockchain und KI setzt, ist kein Zufall. „Sie will nicht nur mit der Zeit gehen“, sagt ein Berater. „Sie will die Zeit prägen.“ Ob ihr das gelingt, hängt auch davon ab, ob die Branche bereit ist, ihre „stille Revolution“ mitzumachen. Die ersten Schritte sind gemacht. [1][8]

Eines ist klar: Susanne Eickermann-Riepe wird weiter Standards setzen – leise, aber unerbittlich. Ob als RICS-Chefin, ICG-Gründungsmitglied oder PropTech-Vermittlerin: Sie bleibt die Frau, die Immobilien nicht nur verwaltet, sondern neu denkt. Und das, ohne je laut zu werden. Vielleicht ist das ihr größter Erfolg. [2][3]

Hintergrund

Die DACH-Immobilienbranche steht unter Druck: ESG-Anforderungen, digitale Transformation und der Fachkräftemangel fordern etablierte Player heraus. Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Zertifizierungen und Standards – ein Feld, auf dem RICS seit Jahrzehnten führend ist. Susanne Eickermann-Riepe verbindet diese Themen mit einer seltenen Mischung aus Branchenkenntnis und Netzwerkpower. Als ehemalige PwC-Partnerin kennt sie die Mechanismen der Großkonzerne, als RICS-Chefin setzt sie Impulse für eine professionalisierte Zukunft. Ihr Einfluss reicht dabei weit über Deutschland hinaus: Als Chair des European World Regional Board prägt sie die Debatte in Österreich und der Schweiz mit – und macht RICS zu einem zentralen Akteur im PropTech-Ökosystem.

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