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Lisa Oberaigner: PropTech mit Purpose
Wenn Lisa Oberaigner über nachhaltiges Bauen spricht, hört die DACH-Immobilienbranche zu. Die Mitgründerin von Emidat verbindet technisches Know-how mit klimapolitischem Engagement – und wird damit zur Schlüsselfigur in einem Sektor, der unter Innovationsdruck steht. Doch wie viel Veränderung kann eine einzelne Person in einer Branche bewirken, die für ihre Trägheit bekannt ist?
Sophie Wagner
28. März 2026
Es ist ein ungewöhnlicher Werdegang, der Lisa Oberaigner in die PropTech-Szene führte. Nach einer Mechatronik-Ausbildung in Österreich wechselte sie an die Technische Universität München, wo sie sich früh mit der Schnittstelle von Technologie und Nachhaltigkeit beschäftigte. „Ich wollte nicht nur Maschinen bauen, sondern Systeme, die die Welt besser machen“, wird sie in einem Porträt des Munich Startup-Portals zitiert. Diese Haltung prägte ihren Weg: Bereits 2018 gründete sie eine Initiative für nachhaltiges Unternehmertum, die heute als Vorläufer ihrer Arbeit bei Emidat gilt. Kritiker monieren allerdings, dass solche Initiativen oft an der Komplexität der Bauindustrie scheitern – ein Vorwurf, den Oberaigner mit ihrer praktischen Arbeit bei Alasco und Emidat widerlegen will. [1][2]
Der Climate Club am Center for Digital Technology and Management (CDTM) wurde 2020 zu ihrem ersten großen Experimentierfeld. Als Leiterin des Clubs entwickelte sie dort Konzepte für klimaneutrales Bauen, die später in das erste ESG-Produkt von Alasco einflossen. „Nachhaltigkeit ist kein Nice-to-have, sondern ein Muss für die Zukunftsfähigkeit der Branche“, betonte sie in einem Interview mit dem PropTech Summit. Doch die Umsetzung solcher Ideen stößt auf Hürden: Viele Bauunternehmen sehen in ESG-Kriterien vor allem zusätzliche Kosten, nicht aber langfristige Chancen. Oberaigners Ansatz, Daten als Treiber für Nachhaltigkeit zu nutzen, könnte hier einen Paradigmenwechsel einleiten – vorausgesetzt, die Branche spielt mit. [2][4]
Mit der Gründung von Emidat im Jahr 2023 setzte Oberaigner ihren Kurs fort: Das Startup spezialisiert sich auf datengetriebene Lösungen für nachhaltiges Bauen und will damit die Lücke zwischen Klimazielen und Baupraxis schließen. „Wir brauchen Tools, die nicht nur Emissionen messen, sondern auch konkrete Handlungsempfehlungen liefern“, erklärt sie. Doch die Skepsis in der Branche bleibt: PropTech-Startups kämpfen oft mit langen Verkaufszyklen und der Zurückhaltung traditioneller Akteure. Oberaigners Netzwerk – von der TUM bis zum CDTM – könnte hier den Unterschied machen. Ihre Teilnahme am PropTech Summit 2026 in Hamburg unterstreicht ihre Rolle als Brückenbauerin zwischen Technologie und Immobilienwirtschaft. [1][2]
Als eine der wenigen weiblichen Führungskräfte in der PropTech-Branche steht Oberaigner auch für einen kulturellen Wandel. „Diversität ist kein Selbstzweck, sondern ein Wettbewerbsvorteil“, sagt sie im Gespräch mit Munich Startup. Tatsächlich zeigt ihr Werdegang, wie wichtig Role Models für die Gewinnung von Frauen in Tech-Berufen sind. Doch der Weg ist steinig: Studien zeigen, dass Frauen in der Branche seltener in Führungspositionen gelangen und häufiger mit Vorurteilen konfrontiert sind. Oberaigners Erfolg könnte hier Signalwirkung entfalten – vorausgesetzt, die Branche zieht nach und schafft strukturelle Rahmenbedingungen für mehr Vielfalt. [1][5]
Die DACH-Region bietet für Oberaigners Ansatz ideale Voraussetzungen: Strenge Klimaziele in Deutschland und Österreich sowie eine lebendige PropTech-Szene in Städten wie München, Wien und Zürich schaffen einen Nährboden für nachhaltige Innovationen. „Die Bauindustrie steht vor der größten Transformation seit Jahrzehnten“, betont sie. Doch die Herausforderungen sind gewaltig: Von der Digitalisierung der Planungsprozesse bis zur Akzeptanz neuer Materialien – die Branche muss viele Hürden überwinden. Oberaigners Arbeit bei Emidat zeigt, dass datenbasierte Lösungen hier ein Schlüssel sein könnten. Ob die Branche bereit ist, diesen Schlüssel zu nutzen, bleibt jedoch offen. [2][4]
Der PropTech Summit 2026 in Hamburg wird für Oberaigner eine Bühne sein, um ihre Vision einer nachhaltigen Bauwirtschaft zu präsentieren. „Es geht nicht nur um Technologie, sondern um eine neue Denkweise“, sagt sie. Doch die Veranstaltung wirft auch Fragen auf: Kann ein einzelnes Event die Branche wirklich verändern? Oder bleibt es bei wohlklingenden Absichtserklärungen? Oberaigners bisherige Arbeit deutet darauf hin, dass sie mehr als nur Worte liefern will. Ihr Ansatz, Nachhaltigkeit mit unternehmerischer Verantwortung zu verbinden, könnte ein Modell für die gesamte Branche werden – wenn die Bereitschaft zur Veränderung da ist. [2][4]
Lisa Oberaigners Karriere ist ein Beispiel dafür, wie technisches Know-how und klimapolitisches Engagement zusammenwirken können. Doch ihr Erfolg hängt auch davon ab, ob die Branche bereit ist, ihre Ideen umzusetzen. „Innovation braucht Mut – und die Bereitschaft, alte Pfade zu verlassen“, sagt sie. Ob die PropTech-Szene diesen Mut aufbringt, wird sich zeigen. Fest steht: Mit Persönlichkeiten wie Oberaigner hat die Branche eine Chance, ihre Zukunft aktiv zu gestalten – statt nur auf regulatorischen Druck zu reagieren. [1][2]
Hintergrund
Der DACH-PropTech-Sektor steht vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits drängen strenge Klimaziele die Branche zu mehr Nachhaltigkeit, andererseits kämpft sie mit traditionellen Strukturen und langsamen Innovationszyklen. Lisa Oberaigners Arbeit bei Emidat und Alasco spiegelt diese Spannung wider – sie verbindet technologische Lösungen mit klimapolitischen Notwendigkeiten. Gleichzeitig ist sie eine von wenigen weiblichen Führungskräften in einer männlich dominierten Branche, was ihre Rolle als Role Model unterstreicht. Ihre Teilnahme am PropTech Summit 2026 in Hamburg könnte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im DACH-Raum weiter stärken.
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