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Fietzek setzt 2026 auf regionale Lösungen
Axel Fietzek, neuer GdW-Verbandsratvorsitzender, definiert 2026 als Wendepunkt für die DACH-Wohnungswirtschaft. Sein Fokus: Leerstand in Ostdeutschland, Digitalisierung und serielles Bauen. Für Brancheninsider bedeutet das klare Prioritäten – und politische Weichenstellungen.
Anna Lenz
28. März 2026
„2026 wird zum Schlüsseljahr für die Wohnungswirtschaft“, sagt Axel Fietzek im Gespräch mit L’Immo. Als neuer Vorsitzender des GdW-Verbandsrats vertritt er 3.000 Mitgliedsunternehmen mit sechs Millionen Wohnungen – und damit einen der größten Player im DACH-Raum. Seine Agenda ist klar: Leerstand in strukturschwachen Regionen, Wohnraummangel in Ballungsräumen und die Beschleunigung der Digitalisierung. Fietzek, selbst ostdeutscher Wohnungsunternehmer, betont die Notwendigkeit praxisnaher Lösungen. „Politische Rahmenbedingungen müssen endlich mit der Realität vor Ort synchronisiert werden“, fordert er. Für Investoren heißt das: Regionale Unterschiede werden zum entscheidenden Faktor – besonders in Ostdeutschland, wo Schrumpfungsprozesse und Altschulden die Branche prägen. [1][2]
Leerstand ist für Fietzek kein rein ostdeutsches Problem, sondern ein DACH-weites Phänomen. Während München oder Zürich unter Wohnungsnot leiden, kämpfen ländliche Regionen wie Sachsen oder die Steiermark mit Abwanderung und Brachflächen. „Hier braucht es Umnutzungskonzepte, die über klassische Wohnraumschaffung hinausgehen“, erklärt er in einem Interview mit Haufe. Die Lösung liege in flexiblen Modellen – etwa der Umwandlung von Gewerbeimmobilien in Wohnraum oder der Revitalisierung von Industriebrachen. Für Genossenschaften und kommunale Unternehmen bedeutet das: Investitionen in Bestandsentwicklung statt Neubau. „Serielles Bauen und Sanieren sind keine Optionen, sondern Notwendigkeiten“, so Fietzek. Die Schweiz zeigt bereits, wie solche Konzepte funktionieren – etwa durch die Umnutzung von Zweitwohnungen in Graubünden. [2][3]
Digitalisierung bleibt ein zentrales Thema – doch die Umsetzung hinkt hinterher. Fietzek sieht hier dringenden Handlungsbedarf: „PropTech-Lösungen können Prozesse beschleunigen und Kosten senken, aber viele Unternehmen scheuen die Investition.“ Besonders in Österreich nutzen laut wohnwirtschaft Österreich nur wenige Wohnungsunternehmen digitale Tools für Mietermanagement oder Instandhaltung. Dabei bieten Plattformen wie PropMatch bereits heute Lösungen für effizientere Abläufe. „Die Branche muss endlich den Schritt von der Theorie zur Praxis wagen“, fordert Fietzek. Für Tech-Startups bedeutet das: Der Markt ist bereit – aber nur, wenn die Lösungen praxistauglich und skalierbar sind. Die EBZ PropTech Days 2025 zeigten bereits, welche Innovationen Potenzial haben: Von KI-gestützter Mieterkommunikation bis zu digitalen Wartungsprotokollen. [5][7]
Nachhaltigkeit ist für Fietzek kein Lippenbekenntnis, sondern ein wirtschaftlicher Imperativ. „Klimaziele erreichen wir nur mit seriellen Sanierungskonzepten“, betont er. Der GdW setzt dabei auf standardisierte Verfahren, die Kosten senken und Qualität sichern. Wasserstoff spielt in der Debatte eine untergeordnete Rolle – zu teuer, zu komplex. Stattdessen rücken pragmatische Ansätze in den Fokus: Energieeffiziente Heizsysteme, Photovoltaik auf Dächern und die Nutzung nachhaltiger Baumaterialien. „Die Schweiz zeigt, wie es geht: Netto-Null bis 2050 ist machbar, wenn wir jetzt handeln“, sagt Fietzek. Für Wohnungsunternehmen bedeutet das: Investitionen in grüne Technologien sind keine Option, sondern eine Überlebensstrategie. Die Herausforderung liegt darin, diese Maßnahmen sozialverträglich umzusetzen – ohne Mieten in die Höhe zu treiben. [2][4]
Politik und Wohnungswirtschaft müssen enger zusammenarbeiten – das ist eine der zentralen Forderungen Fietzeks. „Die Bundesregierung hat ambitionierte Ziele, aber die Umsetzung stockt“, kritisiert er. 400.000 neue Wohnungen pro Jahr? „2026 werden wir dieses Ziel verfehlen.“ Statt neuer Pläne brauche es jetzt konkrete Maßnahmen: Schnellere Genehmigungsverfahren, gezielte Förderung für serielles Bauen und steuerliche Anreize für Nachhaltigkeitsinvestitionen. „Die Politik muss endlich verstehen, dass Wohnungsunternehmen keine Bittsteller sind, sondern Partner“, so Fietzek. Für Kommunen heißt das: Kooperation statt Konfrontation. Besonders in Ostdeutschland, wo Altschulden und demografischer Wandel die Branche belasten, sind pragmatische Lösungen gefragt – etwa durch Entschuldungsfonds oder gezielte Infrastrukturförderung. [1][2]
Fietzeks Amtszeit beginnt mit einer klaren Botschaft: Die Wohnungswirtschaft steht vor einem Paradigmenwechsel. „Es geht nicht mehr um Einzelmaßnahmen, sondern um systemische Lösungen“, sagt er. Das bedeutet für die Branche: Regionalisierung der Strategien, Digitalisierung der Prozesse und Nachhaltigkeit als Standard. „Wer jetzt nicht handelt, wird abgehängt.“ Besonders für ostdeutsche Unternehmen ist die Lage prekär – doch Fietzek sieht auch Chancen. „Leerstand kann zum Innovationsmotor werden, wenn wir ihn als Ressource begreifen.“ Für Investoren und Projektentwickler heißt das: Augenmerk auf strukturschwache Regionen legen, wo Umnutzungskonzepte und digitale Tools neue Märkte erschließen können. Die Schweiz und Österreich zeigen, dass solche Ansätze funktionieren – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. [2][3]
„Die Wohnungswirtschaft ist kein Selbstzweck – sie muss Menschen ein Zuhause geben“, betont Fietzek. Sein Appell an die Branche: „Wir brauchen mehr Mut zur Veränderung.“ Das gilt besonders für die Digitalisierung, wo viele Unternehmen noch in alten Strukturen verharren. „PropTech ist kein Nice-to-have, sondern ein Must-have“, sagt er. Die EBZ PropTech Days haben gezeigt, dass die Technologien da sind – jetzt müssen sie genutzt werden. Für Fietzek steht fest: „2026 entscheidet, ob die Branche die Herausforderungen meistert oder von ihnen überrollt wird.“ Sein Rat an die Mitglieder: „Handeln Sie jetzt – oder bereiten Sie sich auf harte Zeiten vor.“ [2][7]
Hintergrund
Der GdW vertritt als größter Branchenverband der Wohnungswirtschaft in Deutschland rund 3.000 Unternehmen mit sechs Millionen Wohnungen. Axel Fietzek, seit 2026 Verbandsratvorsitzender, setzt mit seiner Agenda auf regionale Lösungen für Leerstand, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Seine Schwerpunkte spiegeln die Spannungsfelder der Branche wider: Während Ballungsräume unter Wohnungsmangel leiden, kämpfen ländliche Regionen mit Abwanderung und Brachflächen. Die DACH-weite Debatte zeigt, dass diese Herausforderungen grenzüberschreitend sind – doch die Lösungen müssen lokal angepasst werden.
Quellen
- [1]L'Immo-Podcast: Das bewegt die Wohnungswirtschaft 2026 | Immobilien | Haufe
- [2]Was bewegt die Wohnungswirtschaft in 2026? Aus- und Einblicke mit dem neuen GdW-Verbandsratvorsitzenden Axel Fietzek - L'Immo – Der Podcast für die Immobilienwirtschaft
- [3]3 Fragen an Axel Fietzek: Leerstand und Wohnungswirtschaft | Immobilien | Haufe
- [4]GdW-Präsidium für fünf Jahre gewählt - Die Wohnungswirtschaft Deutschland
- [5]10 Proptech-Macher: Die Köpfe hinter den Ideen
- [6]L’Immo – der Podcast für die Immobilienwirtschaft
- [7]Proptech
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