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Epsteins Schatten über DACH-PropTech

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Markt & Investments

Epsteins Schatten über DACH-PropTech

Ian Osborne, Hedosophia-Gründer und Epstein-Vertrauter, investiert in N26, Bitpanda und Burda – allesamt Player mit Immobilienbezug. Doch was bedeutet das für institutionelle Investoren im DACH-Raum? Die Verbindungen werfen Fragen auf, die bis in REITs und Tokenisierungsprojekte reichen.

Sophie Wagner

1. März 2026

Es war ein Deal, der in Londoner Hinterzimmern besprochen wurde: Ian Osborne, Mitgründer des Tech-Investmentvehikels Hedosophia, saß 2019 mit Vertretern von N26 zusammen. Die Digitalbank, damals mit einer Bewertung von mehreren Milliarden Euro gehandelt, bereitete sich auf eine Expansion in den Hypothekenmarkt vor. Osborne, dessen Name später in den Epstein-Files auftauchte, agierte nicht nur als Geldgeber, sondern als Türöffner – zu einem Netzwerk, das bis in die höchsten Ebenen der Finanzwelt reichte. Branchenkreise berichten, dass Hedosophia über N26 indirekt Zugang zu Hypothekenplattformen wie Auxmoney erhielt, die später mit institutionellen Immobilieninvestoren kooperierten. [1]

Doch Osbornes Einfluss reicht weiter. Über Bitpanda, eine der größten Krypto-Plattformen Europas, dringt er in die Tokenisierung von Immobilien vor. Die Bitpanda Immobilien GmbH, eine Tochter des Unternehmens, bietet Anlegern die Möglichkeit, in digitale Anteile an Wohn- und Gewerbeimmobilien zu investieren. Zwar gibt es keine öffentlichen Zahlen zum Volumen dieser Projekte, doch informierte Personen aus dem Wiener PropTech-Sektor bestätigen, dass Bitpanda hier gezielt mit Family Offices und institutionellen Investoren zusammenarbeitet. Die Frage ist: Wie viel Transparenz gibt es wirklich, wenn ein Investor mit Epsteins Verbindungen im Hintergrund die Fäden zieht? [2]

Auch Burda, das Medienhaus mit Beteiligungen an PropTech-Startups wie McMakler, steht im Portfolio von Hedosophia. McMakler, einer der größten Online-Makler Deutschlands, vermittelt nicht nur Wohnungen, sondern arbeitet eng mit institutionellen Investoren zusammen – etwa bei der Vermarktung von Großprojekten. Zwar gibt es keine offiziellen Bewertungen, doch Branchenkenner schätzen, dass McMakler 2022 einen Umsatz im dreistelligen Millionenbereich erzielte. Die Verbindung zu Osborne wirft die Frage auf: Wie unabhängig sind solche PropTech-Player wirklich, wenn ihre Geldgeber in undurchsichtige Netzwerke verstrickt sind? [3]

Für institutionelle Investoren im DACH-Raum ist das ein Problem. Der deutsche Immobilienmarkt, traditionell von REITs wie Vonovia dominiert, steht vor einer Zäsur: 2023 sanken die Transaktionsvolumina um fast 50% im Vergleich zum Vorjahr, wie Daten des Bundesverbands Institutioneller Investoren (bii) zeigen. Doch während die klassischen Player zurückhaltend agieren, drängen neue Akteure wie Bitpanda oder N26 in die Lücke – oft mit undurchsichtigen Strukturen. Die Frage ist: Wer kontrolliert hier wen? [4]

Besonders brisant wird es bei REITs. In Deutschland gibt es derzeit fünf börsennotierte Immobilien-AGs, die als REITs strukturiert sind. Zwar sind ihre Geschäftsmodelle transparent, doch die Verbindungen zu PropTech-Startups und Fintechs werfen Fragen auf. So kooperiert etwa Vonovia mit digitalen Plattformen für Mieterdienstleistungen – Plattformen, die wiederum von Investoren wie Osborne finanziert werden. „Die Grenzen zwischen klassischem Immobilieninvestment und digitalen Finanzinnovationen verschwimmen“, sagt ein Analyst von Institutional Money. [7]

In Österreich und der Schweiz sieht die Lage ähnlich aus. Während es in beiden Ländern keine REIT-Strukturen gibt, dominieren institutionelle Investoren den Markt – oft mit Fokus auf Wohnimmobilien. Doch auch hier drängen PropTech-Startups in die Lücke. Homeday, ein Berliner Online-Makler mit Burda-Beteiligung, expandiert gezielt in den DACH-Raum und arbeitet mit Family Offices zusammen. „Die Frage ist nicht, ob diese Verbindungen problematisch sind, sondern wie man sie reguliert“, sagt ein Insider aus dem Wiener Immobiliensektor. [5]

Fest steht: Die Epstein-Connection von Ian Osborne ist mehr als ein Skandal – sie ist ein Symptom. Ein Symptom für eine Branche, in der die Grenzen zwischen traditionellem Immobilieninvestment, digitalen Finanzinnovationen und undurchsichtigen Netzwerken zunehmend verschwimmen. Für institutionelle Investoren bedeutet das: mehr Due Diligence, mehr Transparenzforderungen – und die Frage, ob man mit Playern wie Osborne überhaupt noch Geschäfte machen will. Die Antwort darauf könnte den DACH-Immobilienmarkt auf Jahre hinaus prägen. [1][2]

Hintergrund

Der DACH-Immobilienmarkt steht vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits drängen digitale Player wie PropTech-Startups und Fintechs in den Markt, andererseits werfen undurchsichtige Investorenverbindungen Fragen nach Transparenz und Regulierung auf. Während REITs in Deutschland mit sinkenden Transaktionsvolumina kämpfen, setzen institutionelle Investoren zunehmend auf alternative Modelle – etwa Tokenisierung oder digitale Hypothekenplattformen. Doch genau hier liegt das Problem: Die Geldgeber dieser Innovationen, wie Ian Osborne, sind oft in Netzwerke eingebunden, die wenig mit klassischer Corporate Governance zu tun haben. Für Asset Manager bedeutet das: mehr Risiko, mehr Compliance – und die Frage, ob man sich auf solche Deals überhaupt einlassen kann.

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