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Gabriele Volz: Die Frau, die Büros neu denkt

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Gabriele Volz: Die Frau, die Büros neu denkt

Frankfurt hat eine neue Stimme im Aufsichtsrat – und die sagt klare Worte. Gabriele Volz, seit September 2023 an der Spitze der aam2core Holding AG, mischt die Debatte um Büroimmobilien auf. Warum ihre Karriere zwischen Bankenwelt und PropTech mehr ist als ein klassischer Branchenwechsel.

Marcus Heller

28. März 2026

Es war ein Dienstagmorgen im September, als Frankfurt still und leise eine Personalie besiegelte, die in den Hinterzimmern der Immobilienbranche für Gesprächsstoff sorgte. Gabriele Volz, bis dahin vor allem Insidern als scharfsinnige Analystin moderner Arbeitswelten bekannt, übernahm den Vorsitz im Aufsichtsrat der aam2core Holding AG. Ihr Vorgänger, Dr. h.c. Michael Bourjau, hatte den Posten jahrelang geprägt – doch Volz bringt etwas mit, das in der aktuellen Marktlage schwerer wiegt als jede Bilanz: eine klare Haltung zur Zukunft des Büros. Branchenkreise flüstern, ihre Ernennung sei kein Zufall, sondern ein Signal. Die Holding, tief verwurzelt in Frankfurt, steht vor der Frage, wie sie ihr Portfolio in einer Zeit umbaut, in der Homeoffice und Hybridmodelle die Spielregeln neu schreiben. [3]

Volz’ Karriere liest sich wie ein Lehrstück über die Verschmelzung zweier Welten. Aus der Bankenbranche kommend, wo sie gelernt hat, Risiken zu kalkulieren und Chancen zu wittern, wechselte sie in die Immobilienwirtschaft – just zu dem Zeitpunkt, als die Digitalisierung auch hier Einzug hielt. Als Fellow der Royal Institution of Chartered Surveyors (FRICS) trägt sie einen Titel, der in der Branche Respekt einflößt. Doch was sie wirklich auszeichnet, ist ihre Fähigkeit, über den Tellerrand zu blicken. Im Gespräch mit dem THE PROPERTY Podcast ließ sie keinen Zweifel daran, dass die Pandemie die Büroimmobilienbranche nicht nur erschüttert, sondern auch befreit hat. „Corona war ein Weckruf“, sagte sie dort – und meinte damit nicht nur die Leerstände, sondern die Chance, Arbeitswelten radikal neu zu denken. [1][2]

Dass Volz heute an der Spitze eines Unternehmens steht, das Gewerbe-, Wohn- und Logistikimmobilien unter einem Dach vereint, ist kein Zufall. Die aam2core Holding AG, mit Sitz in Frankfurt, steht exemplarisch für die Herausforderungen der Branche: Wie lassen sich klassische Immobilienwerte mit den Anforderungen einer digitalisierten Arbeitswelt verbinden? Volz’ Antwort darauf ist pragmatisch. Im Podcast betonte sie, dass Change Management kein Buzzword sei, sondern eine Überlebensstrategie. „Es geht nicht darum, Büros abzuschaffen, sondern sie so umzubauen, dass sie wieder gebraucht werden“, sagte sie. Für sie ist die Krise der Büroimmobilien vor allem eine Krise der Fantasie – und genau hier setzt sie an. [2][3]

Ihr Engagement im „Das Neue Arbeiten Institut“ unterstreicht, dass Volz nicht nur über Theorie spricht, sondern konkrete Lösungen vorantreibt. Das Institut, eine Denkfabrik für moderne Arbeitskonzepte, ist so etwas wie ihr Labor. Hier testet sie Ideen, die später in die Strategien der aam2core einfließen könnten. Branchenkenner berichten, dass sie in internen Runden immer wieder betont, wie wichtig es sei, Mieter nicht als Kunden, sondern als Partner zu sehen. „Die Frage ist nicht, wie wir Flächen vermieten, sondern wie wir Gemeinschaften schaffen“, soll sie einmal gesagt haben. Eine Haltung, die in einer Branche, die lange auf Quadratmeter und Rendite fixiert war, fast revolutionär wirkt. [1]

Doch Volz’ Einfluss reicht weiter als bis in die Frankfurter Zentrale der aam2core. Als eine der wenigen Frauen in einer von Männern dominierten Branche wird sie oft als Vorbild genannt – nicht nur wegen ihrer Expertise, sondern auch wegen ihrer Art, Dinge anzupacken. Im Podcast beschrieb sie ihre Rolle im Aufsichtsrat als „aktive Gestalterin“, nicht als passive Kontrolleurin. Das ist ungewöhnlich in einer Position, die traditionell eher mit Zurückhaltung assoziiert wird. Informierte Personen aus dem Umfeld der Holding berichten, dass sie seit ihrem Amtsantritt regelmäßig mit den operativen Teams spricht, um ein Gefühl für die Herausforderungen vor Ort zu bekommen. „Sie will verstehen, was die Leute wirklich bewegt“, sagt ein Insider. [1][2]

Dass Volz ausgerechnet jetzt die Bühne betritt, ist kein Zufall. Die Immobilienbranche steht unter Druck – nicht nur wegen der Zinswende, sondern auch wegen eines strukturellen Wandels, der durch die Pandemie beschleunigt wurde. Büroflächen, die jahrelang als sichere Anlage galten, sind plötzlich verhandelbar. Volz sieht darin weniger eine Bedrohung als eine Gelegenheit. „Die Krise zwingt uns, kreativ zu werden“, sagte sie im Podcast. Und Kreativität ist genau das, was die Branche braucht, wenn sie nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken will. Ob ihre Strategien aufgehen, wird sich zeigen – doch eines ist sicher: Mit Gabriele Volz hat die aam2core eine Stimme, die gehört wird. [2]

Ihr Werdegang zeigt, dass sie gelernt hat, Brücken zu bauen – zwischen Banken und Immobilien, zwischen Tradition und Innovation, zwischen Theorie und Praxis. Dass sie heute an der Spitze eines Unternehmens steht, das in Frankfurt, aber auch darüber hinaus Einfluss hat, ist kein Zufall. Volz verkörpert eine neue Generation von Führungskräften, die nicht nur Zahlen lesen, sondern auch Menschen verstehen. Und genau das könnte der Schlüssel sein, um die Immobilienbranche aus der Krise zu führen. Ob die Branche bereit ist für diesen Wandel, bleibt abzuwarten. Doch eines ist klar: Gabriele Volz wird nicht warten, bis die anderen nachziehen. [1][3]

Hintergrund

Der DACH-Immobilienmarkt steht vor einem Paradigmenwechsel. Die Pandemie hat nicht nur die Art und Weise verändert, wie wir arbeiten, sondern auch die Anforderungen an Büroimmobilien. Gabriele Volz, mit ihrer doppelten Expertise aus Bankenwelt und PropTech, steht exemplarisch für diesen Wandel. Ihre Rolle bei der aam2core Holding AG zeigt, wie wichtig strategische Weichenstellungen in einer Branche sind, die sich zwischen Leerständen und neuen Arbeitsmodellen neu erfinden muss. Besonders im deutschsprachigen Raum, wo traditionelle Immobilienwerte auf digitale Transformation treffen, wird ihre Stimme zunehmend einflussreich.

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