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Intershop kauft The Valley – Warum Zürichs Glatttal boomen wird
Was in Kemptthal passiert, bleibt selten unbemerkt. Doch der jüngste Deal von Intershop Holding AG könnte den Schweizer Immobilienmarkt aufmischen. Warum ein ehemaliges Maggi-Areal zum Game-Changer für institutionelle Investoren wird – und was das über den DACH-Markt verrät.
Marcus Heller
1. März 2026
Es war ein Deal, der in den Hinterzimmern der Zürcher Finanzwelt wochenlang für Gesprächsstoff sorgte. Intershop Holding AG, der schweizerische Immobilieninvestor mit REIT-ähnlicher Struktur, hat das Entwicklungsareal «The Valley» in Kemptthal erworben. Branchenkreise sprechen von einem Kaufpreis im dreistelligen Millionenbereich – eine Summe, die selbst in einem Markt mit rückläufigen Transaktionsvolumina Aufmerksamkeit erregt. Das Besondere: «The Valley» ist kein gewöhnliches Grundstück, sondern ein 100.000 Quadratmeter großes ehemaliges Industrieareal, das einst Maggi beherbergte. Jetzt soll hier ein Mixed-Use-Projekt mit Büro-, Wohn- und Gewerbeflächen entstehen. Ein Vorhaben, das perfekt in die Strategie von Intershop passt – und ein Signal an den Markt sendet. [1]
Intershop ist kein Neuling in Sachen Großprojekte. Mit einem Portfolio von über 1,2 Millionen Quadratmetern Fläche in den Schweizer Top-Standorten Zürich, Genf und Basel hat sich das Unternehmen als einer der wichtigsten Player im Land etabliert. Doch «The Valley» ist mehr als nur ein weiteres Objekt. Es liegt im Glatttal, einer Region, die in den letzten Jahren zu einem der dynamischsten Immobilienmärkte der Schweiz aufgestiegen ist. Die Nachfrage nach hochwertigen Flächen ist hier ungebrochen – und das, obwohl der DACH-Markt insgesamt mit Herausforderungen kämpft. Laut Deloitte Insights bleibt die Attraktivität von Core- und Core+-Immobilien in starken Wirtschaftsregionen wie Zürich oder München stabil, selbst in volatilen Zeiten. [2][7]
Die Zahlen geben Intershop recht. Im Geschäftsjahr 2025 verzeichnete das Unternehmen einen Real Estate Income von 86,5 Millionen Schweizer Franken – ein Plus von 5,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Nettoergebnis stieg um 3,8 Prozent auf 68,3 Millionen Franken. Und die Dividende? Die wurde um 2,3 Prozent auf 4,50 Franken pro Aktie erhöht. Für Investoren sind das keine Kleinigkeiten. In einem Markt, in dem viele Player mit sinkenden Renditen kämpfen, zeigt Intershop, dass eine klare Fokussierung auf stabile Standorte und langfristige Projekte Früchte trägt. Die Marktkapitalisierung von rund 1,2 Milliarden Franken unterstreicht das Vertrauen der Anleger. [2]
Doch der Deal wirft auch Fragen auf. Warum setzt Intershop ausgerechnet jetzt auf ein Mixed-Use-Projekt? Die Antwort liegt im Wandel des Schweizer Immobilienmarkts. Büroflächen bleiben gefragt, auch wenn Homeoffice-Trends die Nachfrage leicht dämpfen. Noch wichtiger ist jedoch der Wohnungsmarkt. In Zürich und Umgebung herrscht ein chronischer Mangel an bezahlbarem Wohnraum – ein Problem, das sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen dürfte. «The Valley» könnte hier eine Lösung bieten. Branchenexperten der Hochschule Luzern betonen, dass institutionelle Investoren zunehmend auf Projekte setzen, die mehrere Nutzungsarten kombinieren. Das reduziert Risiken und erhöht die Flexibilität – ein entscheidender Faktor in unsicheren Zeiten. [5][7]
Der DACH-Markt zeigt sich derzeit gespalten. Während die Transaktionsvolumina im Einzelhandelssegment 2024 um 15 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro sanken, zeichnet sich für 2025 eine leichte Erholung ab. Prognosen gehen von einem Volumen von 13 bis 14 Milliarden Euro aus. Doch diese Zahlen täuschen über eine wichtige Entwicklung hinweg: Die großen Deals werden selektiver. Institutionelle Investoren konzentrieren sich auf Top-Lagen und Projekte mit klaren Wertsteigerungspotenzialen. «The Valley» ist ein Paradebeispiel dafür. Laut REBA IMMOBILIEN AG setzen Investoren in Deutschland, Österreich und der Schweiz zunehmend auf Standorte mit hoher Wirtschaftskraft und stabiler Nachfrage – genau wie das Glatttal. [3][4]
Für Asset Manager ist der Deal ein Weckruf. Intershop zeigt, wie man in einem schwierigen Marktumfeld erfolgreich agiert: mit einer klaren Strategie, langfristigen Perspektiven und einem Gespür für Standorte mit Zukunft. Das Glatttal ist dabei kein Zufall. Die Region profitiert von der Nähe zu Zürich, einer starken Wirtschaft und einer wachsenden Bevölkerung. Mixed-Use-Projekte wie «The Valley» sind hier besonders attraktiv, weil sie verschiedene Nutzungsarten unter einem Dach vereinen – und damit die Abhängigkeit von einzelnen Marktsegmenten verringern. [1][6]
Was bedeutet das für Investoren? Erstens: Der Schweizer Markt bleibt ein sicherer Hafen – auch wenn die Preise hoch sind. Zweitens: Mixed-Use-Projekte sind kein Trend, sondern eine Notwendigkeit. Und drittens: Wer in den nächsten Jahren erfolgreich sein will, muss genau hinschauen. Nicht jedes Projekt ist ein «The Valley». Doch diejenigen, die es sind, könnten den Markt neu ordnen. Intershop hat den ersten Schritt gemacht. Jetzt wird sich zeigen, wer folgt. [2][7]
Hintergrund
Der DACH-Immobilienmarkt steht vor einer Zäsur. Während die Transaktionsvolumina in den letzten Jahren rückläufig waren, zeigen selektive Großdeals wie der Kauf von «The Valley» durch Intershop, dass institutionelle Investoren weiterhin bereit sind, in Top-Lagen zu investieren. Besonders gefragt sind Mixed-Use-Projekte, die Büro-, Wohn- und Gewerbeflächen kombinieren. Diese Entwicklung wird durch den anhaltenden Mangel an bezahlbarem Wohnraum und die stabile Nachfrage nach hochwertigen Büroflächen in Wirtschaftsmetropolen wie Zürich, München oder Wien getrieben. Gleichzeitig bleibt die Schweiz ein bevorzugter Standort für internationale Investoren – dank stabiler politischer Rahmenbedingungen und einer starken Wirtschaft. Für Asset Manager bedeutet das: Wer langfristig erfolgreich sein will, muss sich auf Standorte mit klaren Wachstumsperspektiven konzentrieren und Projekte mit flexiblen Nutzungsmöglichkeiten priorisieren.
Quellen
- [1]Intershop kauft «The Valley» in Kemptthal - IMMOBILIEN Business
- [2]Intershop Holding AG | Increase in Profitability and Dividends
- [3]Transaktionsvolumen von Einzelhandelsimmobilien bis 2024 | Statista
- [4]Institutionelle Investoren Deutschland, Österreich, Schweiz - REBA IMMOBILIEN AG
- [5]Real Estate Asset Management bei institutionelle Investoren | Hochschule Luzern
- [6]Immobilien: beliebtes Real Asset für institutionelle Investoren - dpn
- [7]2026 commercial real estate outlook | Deloitte Insights
- [8]Commercial Real Estate Investing Statistics 2024 | The Motley Fool
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