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Marc Stilke – Der Mann, der PropTech prägte

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Köpfe & Charaktere

Marc Stilke – Der Mann, der PropTech prägte

Was passiert, wenn ein Branchenvordenker drei Jahrzehnte lang die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft vorantreibt? Marc Stilke hat genau das getan – und dabei einige der wichtigsten Weichenstellungen im DACH-Raum mitgestaltet. Seine Karriere ist eine Blaupause für den Wandel einer ganzen Branche.

Marcus Heller

28. März 2026

Es war ein kalter Dezembertag in Berlin, als Marc Stilke 2014 seinen Abschied von ImmobilienScout24 bekannt gab. Die Nachricht schlug hohe Wellen: Der Mann, der das Portal zur unangefochtenen Nummer eins im deutschen Immobilienmarkt gemacht hatte, verließ das Unternehmen zum Jahresende. Branchenkreise raunten damals, sein Abgang markiere das Ende einer Ära. Doch wer Stilke kennt, wusste: Für ihn war es erst der Anfang. „Er hat ImmobilienScout nicht nur digitalisiert, sondern den gesamten Markt gezwungen, nachzuziehen“, erinnert sich ein ehemaliger Weggefährte. Tatsächlich hatte Stilke in seiner Zeit als CEO das Portal von einem reinen Anzeigenmarkt zu einer datengetriebenen Plattform umgebaut – mit Tools, die heute selbstverständlich sind, damals aber revolutionär wirkten. [3]

Doch wie wird man eigentlich zum PropTech-Pionier? Stilkes Karriere begann nicht in der Immobilienbranche, sondern im Medienhaus Bertelsmann. 1992, frisch mit einem MBA der Universität Mannheim in der Tasche, stieg er als Assistent des Vorstandsvorsitzenden ein. „Das war eine Schule des Machens“, erzählt ein ehemaliger Kollege. „Stilke lernte dort, wie man komplexe Organisationen steuert – eine Fähigkeit, die ihm später bei ImmobilienScout24 zugutekam.“ Nach Stationen beim Gabler Verlag und Gruner + Jahr wechselte er 2014 an die Spitze des Berliner Immobilienportals. Die Branche war damals noch ein Flickenteppich aus Zeitungsannoncen und Maklerbüros. Stilke sah das Potenzial: „Er hat früh erkannt, dass Daten der Schlüssel sind – nicht nur für die Vermarktung, sondern für die gesamte Wertschöpfungskette“, sagt ein Insider aus dem PropTech-Sektor. [4]

Sein Abschied von ImmobilienScout24 war kein Rückzug, sondern ein strategischer Zug. 2021 übernahm er die Geschäftsführung der Sprengnetter Gruppe, einem Schwergewicht in der Immobilienbewertung. „Plötzlich stand nicht mehr das Portal im Mittelpunkt, sondern die Frage: Wie bewertet man Immobilien in einer digitalen Welt?“, erklärt ein Marktbeobachter. Unter Stilkes Führung trieb Sprengnetter die Automatisierung von Gutachten voran – ein Thema, das heute angesichts der ESG-Regularien brisanter ist denn je. „Er hat die Branche gezwungen, sich mit Algorithmen statt mit Aktenordnern zu beschäftigen“, so ein Branchenkenner. Dass er dabei auf Widerstand stieß, überraschte niemanden. „Stilke polarisiert – aber genau das braucht eine Branche, die sich zu lange auf ihren Lorbeeren ausgeruht hat.“ [2]

Doch Stilke wäre nicht Stilke, wenn er sich mit einer Rolle zufriedengeben würde. Seit einigen Jahren treibt er bei encosa energy die nächste Revolution voran: Energieeffizienz in Immobilien. „Das ist kein Nice-to-have mehr, sondern ein Muss“, betont er in Branchenkreisen. Sein Ansatz ist typisch: nicht warten, bis die Politik Vorgaben macht, sondern selbst Lösungen entwickeln. „Er hat ein Gespür dafür, wo der Markt in fünf Jahren stehen wird – und handelt heute“, sagt ein Wegbegleiter. Bei encosa geht es um digitale Tools, die Eigentümern helfen, ihre Gebäude klimaneutral zu machen. „Das ist der nächste logische Schritt nach der Digitalisierung: die Dekarbonisierung.“ [1]

Was treibt einen Mann an, der bereits alles erreicht hat? „Stilke ist ein Macher – aber kein Selbstzweck-Macher“, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter. „Er will Spuren hinterlassen.“ Und das tut er. Ob bei ImmobilienScout24, Sprengnetter oder encosa: Immer geht es darum, eine Branche zu verändern, die sich lange gegen Wandel gesträubt hat. „Er hat den Immobilienmarkt nicht nur digitalisiert, sondern auch demokratisiert“, meint ein Beobachter. „Früher war Immobilienwissen ein Privileg weniger – heute ist es für jeden zugänglich.“ Dass er dabei nicht immer beliebt war, nimmt er in Kauf. „Wer etwas bewegt, macht sich Feinde.“ [4]

Sein Einfluss reicht weit über Deutschland hinaus. In Österreich und der Schweiz gilt er als gefragter Redner – etwa bei der NEXT Conference, wo er regelmäßig über die Zukunft der Branche spricht. „Stilke hat eine seltene Gabe: Er kann komplexe Themen so erklären, dass sie jeder versteht“, sagt ein Teilnehmer. Dass er dabei nicht mit Kritik spart, ist bekannt. „Die Immobilienbranche ist zu langsam, zu behäbig – und das wird ihr zum Verhängnis“, warnte er schon vor Jahren. Heute, in Zeiten von Klimakrise und Regulierungsdruck, klingt das prophetisch. [4]

Was kommt als Nächstes? Brancheninsider spekulieren über eine Rückkehr in die operative Führung eines großen Players – oder gar eine eigene Gründung. „Stilke ist kein Typ für den Ruhestand“, sagt ein enger Vertrauter. „Er sucht immer das nächste große Ding.“ Eines ist sicher: Wo auch immer er landet, die Branche wird sich wieder verändern. Denn Marc Stilke hat nicht nur Karriere gemacht – er hat eine ganze Industrie geprägt. Und das ist erst der Anfang. [2][3]

Hintergrund

Marc Stilkes Karriere ist untrennbar mit der Entwicklung des PropTech-Sektors im DACH-Raum verbunden. Von der Digitalisierung der Immobilienvermarktung bei ImmobilienScout24 über die Automatisierung von Bewertungsprozessen bei der Sprengnetter Gruppe bis hin zu Energieeffizienzlösungen bei encosa energy – seine Stationen spiegeln die zentralen Herausforderungen der Branche wider. Besonders in Deutschland, wo ImmobilienScout24 und Sprengnetter als Marktführer agieren, hat er mit seinen strategischen Weichenstellungen Maßstäbe gesetzt. Doch auch in Österreich und der Schweiz wirkt sein Einfluss nach, etwa durch seine Auftritte bei Branchenkonferenzen wie der NEXT Conference. Stilkes Arbeit zeigt: PropTech ist kein Nischenthema mehr, sondern ein zentraler Treiber für die Zukunft der Immobilienwirtschaft.

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