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PropTech-Investments im DACH-Raum: Selektive Chancen trotz Marktschwäche
PropTech-Startups im DACH-Raum sichern sich 2025 gezielt Wachstumskapital für Energieeffizienz und EdTech — während der gewerbliche Immobilienmarkt volatil bleibt. Für Investoren ergeben sich Nischenchancen in nachhaltigen und bildungsnahen Lösungen, gestützt durch regulatorische Treiber.
Anna Lenz
1. März 2026
Der PropTech-Sektor im DACH-Raum verzeichnet 2025 selektive Investitionen in digitale Lösungen für Energieeffizienz und Bildungstechnologie. OptiML erhielt 8 Mio. € Seed-Kapital für KI-gestützte Energieoptimierung in Gewerbeimmobilien, während nuuEnergy 4,3 Mio. € für dezentrale Energielösungen in Wohngebäuden einsammelte. Diese Finanzierungsrunden spiegeln den wachsenden Fokus auf regulatorisch getriebene Nachhaltigkeitsthemen wider, insbesondere durch die EU-Taxonomie und das deutsche Gebäudeenergiegesetz (GEG). Für Investoren bedeutet das: Technologiegetriebene Ansätze mit klarer ESG-Komponente bieten aktuell die stabilsten Wachstumsperspektiven im PropTech-Bereich. [3]
Die Übernahme von SchoolMouv durch sofatutor unterstreicht die Konsolidierung im EdTech-Segment, das zunehmend mit Immobilienprojekten verknüpft wird. Co-Learning-Spaces und digitale Bildungsplattformen profitieren von der Nachfrage nach flexiblen Lernumgebungen, die hybride Arbeitsmodelle ergänzen. Während der Büroimmobilienmarkt strukturelle Herausforderungen wie Hybridarbeit und Leerstandsquoten bewältigt, bleiben Logistik- und Wohnimmobilien stabile Investmentziele. Institutionelle Investoren setzen hier auf Core+- und Value-Add-Strategien mit langfristigen Mietverträgen, um Volatilität zu kompensieren. [4][5]
Das Transaktionsvolumen im deutschen Immobilieninvestmentmarkt sank 2023 um 50 % auf rund 30 Mrd. € gegenüber dem Vorjahr (2022: ~60 Mrd. €). Im vierten Quartal 2023 zeigte sich mit 8 Mrd. € ein leichtes Plus gegenüber dem Vorquartal, was auf erste Erholungstendenzen hindeutet. Dennoch bleibt der Markt fragmentiert: Während Büroimmobilien unter Druck stehen, verzeichnen Logistik- und Wohnsegmente stabilere Nachfrage. Für Investoren ergibt sich daraus ein zweigeteiltes Bild: Opportunistische Käufe in A-Lagen und ESG-konforme Objekte dominieren die Strategien. [1][2]
Die Leerstandsquote bei Büroimmobilien in den Top-7-Städten stieg 2024 auf durchschnittlich 6,8 %, wobei Frankfurt und München mit 8,2 % bzw. 7,5 % über dem Schnitt liegen. Gleichzeitig sank die Spitzenmiete in Frankfurt um 4,5 % auf 42 €/m², während Berlin mit 38 €/m² eine Seitwärtsbewegung verzeichnete. Diese Entwicklung unterstreicht die regionale Differenzierung: Während B-Lagen unter Mietpreisverfall leiden, bleiben A-Lagen in zentralen Lagen resilient. Investoren konzentrieren sich daher auf Objekte mit hoher ESG-Compliance und langfristigen Mietverträgen. [4][5]
Nachhaltigkeit entwickelt sich zum zentralen Investmentkriterium: 62 % der institutionellen Investoren im DACH-Raum priorisieren 2025 Objekte mit ESG-Zertifizierung, gegenüber 45 % im Vorjahr. PropTech-Lösungen wie die von OptiML oder nuuEnergy profitieren von diesem Trend, da sie messbare Energieeinsparungen und CO₂-Reduktionen ermöglichen. Für Asset Manager bedeutet das: Technologiepartnerschaften mit PropTech-Startups werden zunehmend zum Wettbewerbsfaktor, um regulatorische Anforderungen zu erfüllen und Mieterbindung zu stärken. [3][5]
Der Wohnimmobilienmarkt zeigt 2024 eine zweigeteilte Entwicklung: Während Neubauprojekte in Ballungsräumen wie München und Hamburg unter hohen Baukosten und Zinsen leiden, steigen die Mieten in Bestandsobjekten um durchschnittlich 3,7 %. PropTech-Lösungen für Mieterkommunikation und Energieeffizienz gewinnen hier an Bedeutung, da sie Betriebskosten senken und die Attraktivität von Objekten erhöhen. Für Investoren ergibt sich daraus ein klarer Handlungsdruck: Modernisierungen mit digitalen Tools werden zur Voraussetzung für langfristige Renditen. [7]
Die selektive Erholung des Immobilienmarkts 2025 wird von zwei Faktoren getragen: Erstens der Nachfrage nach ESG-konformen Objekten, die regulatorische Vorgaben erfüllen, und zweitens der Konsolidierung im PropTech-Sektor durch strategische Übernahmen. Die Akquisition von SchoolMouv durch sofatutor zeigt, dass EdTech-Plattformen mit Immobilienprojekten wie Co-Learning-Spaces synergistisch verknüpft werden. Für Investoren bedeutet das: PropTech-Investments sollten gezielt auf diese Schnittstellen ausgerichtet sein, um von der Konvergenz von Technologie und Immobilien zu profitieren. [3][4]
Hintergrund
Der DACH-Immobilienmarkt steht 2025 vor strukturellen Herausforderungen: Hohe Zinsen, regulatorische Vorgaben wie die EU-Taxonomie und veränderte Nutzeranforderungen durch Hybridarbeit prägen die Investmentlandschaft. Gleichzeitig bieten PropTech-Lösungen für Energieeffizienz und digitale Bildung neue Ansätze, um Leerstände zu reduzieren und Objekte zukunftsfähig zu machen. Institutionelle Investoren reagieren mit einer Fokussierung auf Core+-Strategien und ESG-konforme Objekte, während opportunistische Käufer gezielt in A-Lagen investieren.
Quellen
- [1]Immobilien-Investmentmarkt in Deutschland - Transaktionsvolumen bis 2024 | Statista
- [2]Immobilien-Investmentmarkt Deutschland Q4 2023 | DE | Cushman & Wakefield
- [3]Immobilienmarkt 2025: Selektive Erholung & neue Anlagetrends
- [4]Büroimmobilienmarkt Deutschland Q3 2025 | BNP Paribas Real Estate
- [5]Büroimmobilien-Investmentmarkt Deutschland Q3 2025 | BNP Paribas Real Estate
- [6]Marktberichte und Fallstudien aus der Immobilienwirtschaft - Colliers
- [7]Wohnimmobilienmarkt Deutschland 2024 | BNP Paribas Real Estate
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