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Schweizer PropTech konsolidiert – wer profitiert?
Die PropTech-Branche in der Schweiz steht vor einem Wendepunkt: Weniger Neugründungen, mehr Übernahmen. Gleichzeitig locken Wohnimmobilien und nachhaltige Projekte institutionelle Investoren an – trotz hoher Preise und Zinsen. Wo liegen die Chancen?
Sophie Wagner
1. März 2026
Es war ein Deal, der in Zürich kaum Wellen schlug – und doch symptomatisch ist. Im vergangenen Herbst übernahm 21st Real Estate, die digitale Transaktionsplattform für Gewerbeimmobilien, einen kleineren Konkurrenten aus dem Bereich Bewertungstools. Branchenkreise sprechen von einer „strategischen Konsolidierung“. Die Botschaft: Wer jetzt nicht skaliert, wird geschluckt. Seit 2022 stagniert die Zahl der PropTech-Neugründungen in der Schweiz. Die Gründe? Hohe Kapitalkosten und ein gesättigter Markt, auf dem etablierte Player wie pom+ oder Wüest Partner ihre Positionen festigen. „Die Phase des wilden Wachstums ist vorbei“, sagt ein Insider vom Swiss Real Estate Forum. Statt neuer Startups dominieren nun Übernahmen und Partnerschaften. [2][3]
Während PropTechs um Marktanteile kämpfen, zeigt der Schweizer Immobilienmarkt ein zweigeteiltes Bild. Auf der einen Seite bremsen hohe Preise und steigende Hypothekarzinsen die Dynamik. Auf der anderen Seite sehen institutionelle Investoren – insbesondere Pensionskassen und Versicherungen – in Wohnimmobilien und nachhaltigen Projekten weiterhin attraktive Anlageziele. Laut Fintech Schweiz Digital Finance News dominieren diese Investorengruppen den Markt, auch wenn konkrete Transaktionsdaten fehlen. „Die Nachfrage nach Core-Immobilien bleibt stabil, aber die Selektion wird strenger“, erklärt ein Analyst von Wüest Partner. [1][4]
Die Preisentwicklung spiegelt diese Ambivalenz wider. Während Wohnimmobilien in Städten wie Genf oder Zürich weiterhin gefragt sind, geraten Büroflächen unter Druck. In Zürich liegt die Leerstandsquote laut JLL im einstelligen Bereich, und die Preise für Gewerbeimmobilien zeigen erste Abschwächungstendenzen. „Die Zeiten der zweistelligen Renditen sind vorbei“, sagt ein Portfoliomanager einer großen Pensionskasse. Stattdessen setzen Investoren auf langfristige Mieteinnahmen und Energieeffizienz – ein Trend, der durch regulatorische Vorgaben wie die MuKEn 2014 (Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich) beschleunigt wird. [4][6]
Die Zinsentwicklung bleibt der größte Unsicherheitsfaktor. Nach Jahren der Niedrigzinsen haben sich die Hypothekarzinsen in der Schweiz deutlich erhöht. Laut 20 Minuten liegen sie aktuell im Schnitt über 3%, was die Finanzierungskosten für Käufer und Investoren in die Höhe treibt. „Die Zinswende hat den Markt gebremst, aber nicht zum Stillstand gebracht“, analysiert ein Makler aus Zürich. Für institutionelle Investoren mit langfristigen Horizonten bieten sich dennoch Chancen – insbesondere in Segmenten mit stabiler Nachfrage, wie Wohnimmobilien in Ballungsräumen. [5]
Nachhaltigkeit ist kein Nice-to-have mehr, sondern ein Muss. Laut Wüest Partner fließt ein wachsender Anteil der Transaktionen in Objekte, die ESG-Kriterien erfüllen. „Investoren, die hier nicht nachrüsten, riskieren Wertverluste“, warnt ein Berater. Besonders gefragt sind Gebäude mit Zertifizierungen wie Minergie oder LEED, die nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich überzeugen. Die höheren Anfangsinvestitionen zahlen sich durch niedrigere Betriebskosten und höhere Mieteinnahmen aus – ein Argument, das auch skeptische Investoren überzeugt. [4]
Die PropTech-Branche reagiert auf diese Trends mit neuen Lösungen. Unternehmen wie 21st Real Estate oder pom+ entwickeln Tools, die nicht nur Transaktionen digitalisieren, sondern auch ESG-Daten in Echtzeit analysieren. „Die Zukunft gehört Plattformen, die Nachhaltigkeit messbar machen“, sagt ein Gründer aus dem Swiss Real Estate Forum. Doch nicht alle Startups überleben. Die Konsolidierung wird weitergehen – wer nicht skaliert, wird übernommen. Für Investoren bedeutet das: Wer jetzt in die richtigen Technologien investiert, könnte von der nächsten Welle profitieren. [2][3]
Der Ausblick für 2024 bleibt vorsichtig optimistisch. Laut JLL wird der Schweizer Immobilienmarkt weiter von institutionellen Investoren dominiert, die selektiv in Core-Immobilien und nachhaltige Projekte investieren. „Die Preise werden stabil bleiben, aber die Volatilität nimmt zu“, prognostiziert ein Analyst. Für PropTechs bedeutet das: Wer sich auf Nischen wie Datenanalyse oder ESG-Tools spezialisiert, hat gute Chancen – vorausgesetzt, er findet die richtigen Partner. Die Konsolidierung ist kein Ende, sondern ein Neuanfang. [6]
Hintergrund
Die Schweiz gilt im DACH-Raum als Vorreiter bei der Digitalisierung von Immobilientransaktionen. Doch während Länder wie Deutschland oder Österreich noch mit fragmentierten Märkten kämpfen, steht die Schweiz vor einer Konsolidierungswelle. PropTech-Firmen müssen sich anpassen – oder verschwinden. Gleichzeitig bietet der Immobilienmarkt trotz hoher Preise und regulatorischer Hürden attraktive Chancen für Investoren, die langfristig denken. Nachhaltigkeit und Technologie sind die Treiber der nächsten Jahre.
Quellen
- [1]Der Immobilienmarkt in der Schweiz bietet eine der grössten Chancen der letzten 20 Jahre - Fintech Schweiz Digital Finance News - FintechNewsCH
- [2]Proptechs - Digital Real Estate by pom+
- [3]PropTech: Kerngeschäft oder Innovation?
- [4]Immobilienmarkt Schweiz
- [5]Immobilienmarkt im Vergleich: In dieser Region steigt der Preis deutlich - 20 Minuten
- [6]Swiss Real Estate Transaction Market: Outlook 2024
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