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Tobias Just: Der Mann, der PropTech erklärt

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Köpfe & Charaktere

Tobias Just: Der Mann, der PropTech erklärt

Was passiert, wenn ein Volkswirt mit Immobilienfieber auf digitale Revolutionäre trifft? Tobias Just baut Brücken – und die Branche hört zu. Sein Geheimnis: Er redet nicht über Technologie, sondern über Geld, Macht und die Zukunft der Städte.

Marcus Heller

28. März 2026

Es ist ein Dienstagmorgen in Eltville, und Tobias Just sitzt in seinem Büro bei der IREBS Immobilienakademie. Vor ihm liegt kein Stapel Papier, sondern ein Tablet mit den neuesten Folgen des Podcasts baugeld gibt. 231 Episoden, 20.000 Downloads – Zahlen, die zeigen, dass hier jemand nicht nur redet, sondern gehört wird. Justs Thema? Die Schnittstelle zwischen altem Geld und neuer Technologie. „Baufinanzierung ist kein Hexenwerk“, sagt er im Podcast, „aber wer die Daten nicht nutzt, zahlt drauf.“ Branchenkreise nennen das eine Untertreibung. [1]

Justs Karriere begann nicht mit PropTech, sondern mit Volkswirtschaft. Nach der Promotion in Regensburg landete er an der IREBS, wo er seit 2017 als Geschäftsführer die Immobilienakademie leitet. Doch was ihn von anderen Ökonomen unterscheidet, ist sein Blick fürs Praktische. „Die meisten PropTech-Startups scheitern nicht an der Technologie, sondern daran, dass sie die Immobilienbranche nicht verstehen“, erklärt er in einem Interview. Seine Lösung? Die IREBS bildet Fachkräfte aus, die beides können: Excel-Tabellen lesen und KI-Tools bedienen. [1][3]

In der DACH-Region gilt Just als einer der wenigen, die PropTech nicht als Hype, sondern als Werkzeugkasten begreifen. „Nachhaltigkeit ist kein Nice-to-have, sondern ein Must-have“, betont er. Besonders in der Schweiz und Österreich, wo strenge ESG-Vorgaben herrschen, setzen Unternehmen auf digitale Lösungen für CO₂-Bilanzierung und Energieeffizienz. Justs These: Wer hier nicht mitspielt, verliert nicht nur Mieter, sondern auch Investoren. „Die Daten sind da – wer sie ignoriert, handelt fahrlässig.“ [5]

Doch Just warnt auch vor blindem Technologieglauben. Im THE PROPERTY Podcast der IREBS diskutiert er regelmäßig mit PropTech-Gründern – und stellt unbequeme Fragen. „Viele Lösungen sind toll, aber sie lösen kein echtes Problem“, sagt er. Sein Rat an Startups: „Fragt nicht, was die Technologie kann, sondern was die Branche braucht.“ Ein Beispiel? Digitale Mieterkommunikation. „Früher reichte ein Briefkasten, heute erwarten Mieter Apps. Wer das nicht bietet, verliert.“ [4]

Seine Expertise macht Just zum gefragten Gesprächspartner – nicht nur in Podcasts, sondern auch in Aufsichtsräten und bei Banken. „Die Zinswende hat die Branche kalt erwischt“, analysiert er. „Jetzt geht es darum, Risiken digital zu managen.“ Sein Credo: „PropTech ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um in unsicheren Zeiten handlungsfähig zu bleiben.“ Für viele in der Branche ist das eine Erleuchtung. [1]

Was Just von anderen Meinungsführern unterscheidet, ist seine Fähigkeit, komplexe Themen einfach zu erklären. „Immobilien sind kein Rocket Science“, sagt er oft. „Aber sie sind auch kein Selbstläufer.“ Seine Vorträge sind gespickt mit Anekdoten – etwa über den Projektentwickler, der Millionen in eine PropTech-Lösung investierte, nur um festzustellen, dass seine Mitarbeiter sie nicht nutzten. „Technologie ist nur so gut wie die Menschen, die sie bedienen.“ [3]

Die Branche hat reagiert. Immer mehr Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter zu Schulungen an die IREBS – nicht nur wegen Justs Fachwissen, sondern wegen seiner Art, Wissen zu vermitteln. „Er redet nicht über PropTech, sondern über die Probleme, die es löst“, sagt ein Teilnehmer einer Weiterbildung. Und genau das macht ihn zum wichtigsten Übersetzer zwischen zwei Welten: der alten Immobilienwirtschaft und der digitalen Zukunft. [2]

Hintergrund

Im DACH-Raum steht die Immobilienbranche vor einem Paradigmenwechsel: PropTech ist kein Nischenthema mehr, sondern ein zentraler Baustein für Wettbewerbsfähigkeit. Doch während Startups mit disruptiven Ideen locken, kämpfen etablierte Player mit veralteten Prozessen und regulatorischen Hürden. Hier kommt Tobias Just ins Spiel. Als einer der wenigen, die sowohl die makroökonomischen Zusammenhänge als auch die praktischen Herausforderungen der Branche verstehen, wird er zum Vermittler zwischen Tradition und Innovation. Seine Arbeit an der IREBS Immobilienakademie und seine mediale Präsenz machen ihn zu einer Schlüsselfigur – nicht nur für Deutschland, sondern auch für Österreich und die Schweiz, wo ESG-Vorgaben und digitale Transformation die Märkte prägen.

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