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Von Erdély: Der Mann, der Deutschlands Immobilien umbaut
Wenn Alexander von Erdély im Oktober die BImA übernimmt, wird er einer der mächtigsten Immobilienmanager Deutschlands. Doch was treibt den Ex-CBRE-Chef an – und warum setzt die Branche jetzt auf ihn?
Marcus Heller
28. März 2026
Es ist ein Montagmorgen im Juli, als Alexander von Erdély in einem Berliner Studio Platz nimmt. Vor ihm das Mikrofon von Immobiléros, hinter ihm die Uhr, die unerbittlich tickt. 30 Minuten hat er Zeit, um zu erklären, warum er nach drei Jahrzehnten in der Privatwirtschaft jetzt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) führen will. „Die öffentliche Hand tickt anders“, sagt er und lehnt sich zurück. „Aber genau das reizt mich.“ Was er nicht sagt: Mit diesem Wechsel übernimmt er die Verantwortung für ein Portfolio, das von der Zugspitze bis zu tausendfachen Wohnungen reicht – und damit für einen der größten Hebel der deutschen Immobilienpolitik. [2][5]
Von Erdély kennt die Spielregeln der Branche auswendig. Als CEO von CBRE Germany hat er gelernt, wie man Milliardenwerte bewegt – doch die BImA ist ein anderes Biest. Hier geht es nicht um Quartalszahlen, sondern um jahrzehntelange Planungszyklen. „In der Privatwirtschaft entscheidet man schnell, in der öffentlichen Hand muss man überzeugen“, verrät er im THE PROPERTY Podcast. Dass er diesen Spagat meistern will, überrascht Branchenkenner nicht. Schon als junger Ingenieur hat er sich durch Facility-Management-Projekte gekämpft, die andere als „unlösbar“ abgetan hätten. Sein Credo: „Immobilien sind kein Selbstzweck. Sie müssen Nutzen stiften – für die Gesellschaft.“ [1][4]
Die BImA ist ein Koloss mit unsichtbaren Fäden. Sie verwaltet nicht nur Forstflächen und Wohnungen, sondern auch die Forschungsstation auf der Zugspitze – ein Symbol für die Bandbreite ihrer Aufgaben. „Das ist kein Job, den man nebenbei macht“, sagt ein langjähriger Weggefährte aus CBRE-Zeiten. „Alex hat immer gesagt: Wenn schon Staat, dann richtig.“ Dass er jetzt genau das tut, sehen viele als Signal. Die BImA steht vor Herausforderungen: veraltete Liegenschaften, politische Vorgaben zur Nachhaltigkeit, und nicht zuletzt der Druck, öffentliche Immobilien effizienter zu nutzen. Von Erdélys Antwort darauf? „Wir müssen schneller werden – ohne die Sorgfalt zu verlieren.“ [2][6]
Sein Werdegang liest sich wie ein Lehrbuch für Führung in der Immobilienbranche. Geboren 1969, hat er sich vom Ingenieur zum Vorstand hochgearbeitet – immer mit einem Fuß in der Praxis. „Er hat diese seltene Kombination aus technischem Verständnis und strategischer Weitsicht“, sagt ein ehemaliger Kollege. Bei CBRE hat er gezeigt, wie man internationale Konzerne berät, doch jetzt will er sein Wissen auf die öffentliche Hand übertragen. Die Frage, die viele umtreibt: Kann jemand, der jahrzehntelang in der Privatwirtschaft sozialisiert wurde, die Bürokratie der BImA wirklich beschleunigen? Von Erdélys Antwort im Immobiléros-Podcast klingt selbstbewusst: „Ich brauche keine Work-Life-Balance. Ich brauche Herausforderungen.“ [1][5]
Dass sein Wechsel zur BImA kein Zufall ist, zeigt ein Blick auf die Agenda der Behörde. Die Digitalisierung öffentlicher Liegenschaften stockt, und die Quartiersentwicklung braucht frische Impulse. Von Erdély hat bei CBRE gelernt, wie man grenzüberschreitende Projekte steuert – eine Fähigkeit, die jetzt gefragt ist. „Die BImA ist kein Selbstläufer“, sagt ein Insider aus dem Bundesfinanzministerium. „Wir brauchen jemanden, der die Prozesse strafft, ohne die demokratischen Entscheidungswege zu ignorieren.“ Genau hier könnte sein größter Trumpf liegen: Er kennt beide Welten. [2][6]
Die Branche beobachtet seinen Start mit Spannung. PropTech-Experten hoffen auf einen Schub für digitale Lösungen, etwa bei der Verwaltung von Bundesforstflächen oder der Modernisierung von Wohnungsbeständen. „Wenn jemand die öffentliche Immobilienwirtschaft in die Zukunft führen kann, dann er“, sagt ein Podcast-Gast aus dem THE PROPERTY-Team. Doch nicht alle sind überzeugt. Kritiker fragen, ob ein Mann mit Privatwirtschafts-DNA wirklich die Geduld für politische Abstimmungsprozesse mitbringt. Von Erdélys Reaktion darauf? Ein Schulterzucken. „Ich habe 30 Jahre lang gelernt, wie man Dinge bewegt. Jetzt geht es darum, das im öffentlichen Interesse zu tun.“ [1][4]
Sein Büro in Düsseldorf ist bereits geräumt, die Kisten für den Umzug nach Bonn gepackt – dem Sitz der BImA. Ab Oktober wird er nicht mehr nur über Quartiersentwicklung reden, sondern sie gestalten. „Die BImA ist ein schlafender Riese“, sagt ein Branchenkenner. „Wenn von Erdély es schafft, ihn zu wecken, wird das den deutschen Immobilienmarkt verändern.“ Die ersten 100 Tage werden zeigen, ob er die Erwartungen erfüllt. Eines ist sicher: Die Branche wird genau hinschauen. [2][6]
Hintergrund
Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) ist einer der größten Immobilieneigentümer Deutschlands – mit einem Portfolio, das von Wohnungen über Forschungsstationen bis zu Forstflächen reicht. Im DACH-Raum gilt sie als Schlüsselakteur für nachhaltige Quartiersentwicklung und digitale Transformation öffentlicher Liegenschaften. Von Erdélys Wechsel markiert einen Paradigmenwechsel: Erstmals übernimmt ein Branchenoutsider mit Privatwirtschaftserfahrung die Führung. Sein Erfolg könnte zum Vorbild für andere öffentliche Institutionen werden – oder zeigen, wo die Grenzen zwischen Staat und Markt liegen.
Quellen
- [1]Prof. Dr. Alexander von Erdély
- [2]Podcast mit Prof. Dr. Alexander von Erdély über seinen BImA-Job
- [3]Experttalk Prof Dr Alexander v Erdély CEO CBRE Germany
- [4]im Gespräch mit Prof. Dr. Alexander von Erdély - THE PROPERTY Podcast
- [5]Prof. Dr. Alexander von Erdély: „Brauche keine Work-Life-Balance“ – Immobiléros - Der Podcast für die Immobilienszene – Podcast
- [6]Prof. Dr Alexander von Erdély - Vorstandssprecher - Bundesanstalt für Immobilienaufgaben | XING
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