Werte im digitalen Zeitalter.
Warum noa auf deutsche PropTechs setzt

Foto: Photo by Rodeo Project Management Software on Unsplash

Markt & Investments

Warum noa auf deutsche PropTechs setzt

Der Londoner Investor noa hat den deutschen PropTech-Markt als Goldgrube entdeckt. Während institutionelle Anleger 2025 wieder verstärkt in Wohnimmobilien investieren, zeigt sich der Gewerbesektor schwächer. Ein Blick hinter die Zahlen – und warum Living-Assets die stabilste Wette bleiben.

Marcus Heller

1. März 2026

Es war ein Deal, der in der Berliner Gründerszene für Aufsehen sorgte: Als noa 2023 in Hausgold investierte, flossen 50 Millionen Euro in den digitalen Makler – ein Signal, das weit über die Hauptstadt hinaus wirkte. Der Londoner Investor, früher als Notion Capital bekannt, hat sich längst als einer der aktivsten PropTech-Finanzierer in Deutschland etabliert. Branchenkreise nennen drei Gründe: Die DACH-Region gilt als unterkapitalisiert, die Digitalisierung der Immobilienbranche läuft auf Hochtouren, und traditionelle Player suchen händeringend nach innovativen Lösungen. noas Portfolio liest sich wie ein Who’s Who der deutschen PropTech-Szene: McMakler sammelte 100 Millionen Euro ein, Exporo 43 Millionen. Die Botschaft ist klar: Wer hier früh einsteigt, sichert sich Zugang zu einem Markt, der laut Startbase 2024 immerhin 7,4 Milliarden Euro an Investitionen anzog. [1][2]

Doch während Startups wie Hausgold oder McMakler mit frischem Kapital expandieren, zeigt der deutsche Immobilienmarkt ein gespaltenes Bild. Laut JLL lag das Transaktionsvolumen 2025 bei knapp 34 Milliarden Euro – etwas unter Vorjahresniveau. Die Gründe? Hohe Zinsen, regulatorische Unsicherheiten und ein anhaltender Verkaufsdruck bei Gewerbeimmobilien. Besonders betroffen sind Büroflächen in B-Lagen, wo Leerstände steigen und Mieten stagnieren. Ein informierter Marktteilnehmer aus dem JLL-Team bringt es auf den Punkt: „Viele Investoren halten sich zurück, bis die Zinswende greifbar wird.“ Doch nicht alle Segmente leiden. Wohnimmobilien erweisen sich als resilient, getrieben von einer anhaltenden Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum und Mikroapartments. [4]

Die Rückkehr institutioneller Investoren in den Wohnimmobilienmarkt ist kein Zufall. Laut einer Umfrage unter deutschen Pensionskassen planen 68 Prozent 2024 und 2025 Neuanlagen in diesem Segment. Der Grund liegt auf der Hand: Wohnimmobilien gelten als inflationsgeschützt und bieten stabile Cashflows – ein Argument, das in Zeiten volatiler Märkte an Gewicht gewinnt. Besonders gefragt sind Living-Assets wie Student Housing oder Seniorenresidenzen, die laut JLL 2025 die stabilste Assetklasse darstellen. „Institutionelle Investoren suchen nach langfristigen, krisensicheren Anlagen“, erklärt ein Dachfondsmanager. „Und Wohnimmobilien passen perfekt in dieses Schema.“ [3][4][5]

Doch nicht alle Player profitieren gleichermaßen. Die Top 5 der größten deutschen Immobilieninvestoren – angeführt von Vonovia mit 65 Milliarden Euro Assets under Management – dominieren den Markt und setzen auf Skaleneffekte. Für kleinere Investoren wird es zunehmend schwieriger, attraktive Objekte zu finden. „Der Wettbewerb um Core-Immobilien ist hart“, sagt ein Analyst von Patrizia. „Wer hier mithalten will, muss entweder hohe Risiken eingehen oder in Nischen wie Logistikimmobilien oder nachhaltige Bürokonzepte ausweichen.“ Tatsächlich zeigt der Einzelhandel erste Anzeichen einer Erholung, getrieben von Nahversorgern und last-mile-Logistikzentren. [4][6]

Für noa und andere PropTech-Investoren bietet dieser Markt eine einmalige Chance. Die Digitalisierung der Immobilienbranche ist kein Trend mehr, sondern eine Notwendigkeit. Startups wie Exporo oder McMakler zeigen, wie Technologie traditionelle Prozesse disruptiert – von der Finanzierung bis zum Verkauf. „Die Branche steht vor einem Paradigmenwechsel“, sagt Arjun Jairaj, Partner bei noa. „Wer jetzt nicht in digitale Lösungen investiert, wird in fünf Jahren nicht mehr wettbewerbsfähig sein.“ Besonders ESG-Kriterien spielen eine immer größere Rolle. Investoren verlangen nach zertifizierten Gebäuden, und PropTechs liefern die Tools, um diese Anforderungen zu erfüllen. [1]

Doch der deutsche PropTech-Markt ist kein Selbstläufer. Trotz der 7,4 Milliarden Euro, die 2024 in Startups flossen, bleibt die Finanzierung eine Herausforderung. Viele Gründer klagen über lange Entscheidungsprozesse bei Investoren und hohe Bewertungen, die schwer zu rechtfertigen sind. „Die Luft wird dünner“, warnt ein Angel Investor aus München. „Wer nicht schnell skalieren kann, wird es schwer haben.“ Gleichzeitig lockt der Markt mit enormem Potenzial: Laut einer Studie der Digital Hubs Initiative könnte der deutsche PropTech-Markt bis 2027 auf über 20 Milliarden Euro wachsen – vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen stimmen. [2][7]

Fazit für Investoren: Der deutsche Immobilienmarkt bleibt ein zweischneidiges Schwert. Während Gewerbeimmobilien unter Druck stehen, bieten Wohnimmobilien und Living-Assets stabile Renditen. PropTechs wie noas Portfolio-Unternehmen könnten die entscheidenden Treiber sein, um die Branche zukunftsfähig zu machen. Wer hier früh einsteigt, sichert sich nicht nur Zugang zu innovativen Lösungen, sondern auch zu einem Markt, der trotz aller Herausforderungen weiter wächst. Die Frage ist nicht, ob man investieren sollte – sondern wie schnell man handeln muss. [4][5]

Hintergrund

Der deutsche PropTech-Markt entwickelt sich rasant, getrieben von Digitalisierung, ESG-Anforderungen und dem Druck auf traditionelle Immobilienakteure. Während institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherer 2024/25 verstärkt in Wohnimmobilien zurückkehren, zeigt der Gewerbesektor Schwächen – insbesondere bei Büroimmobilien. Living-Assets wie Mikrowohnen oder Student Housing gelten als stabilste Assetklasse. Gleichzeitig positionieren sich PropTech-Startups als Schlüsselplayer, um Prozesse zu digitalisieren und Nachhaltigkeitskriterien zu erfüllen. Der Londoner Investor noa hat diese Dynamik früh erkannt und setzt gezielt auf deutsche Startups, um von der Marktentwicklung zu profitieren.

Weitere Beiträge

Bern setzt auf Wohnraum – wer profitiert?
Markt & Investments

Bern setzt auf Wohnraum – wer profitiert?

Marcus Heller·18. März 2026

Zwei Brachen in Bern werden zu Stadtquartieren mit 55.000 Quadratmetern Wohnfläche. Die Ausschreibung lockt institutionelle Investoren an – doch die Baurechtszinsen und der partizipative Ansatz machen den Deal komplexer als gedacht.

Immobilienmarkt 2026: Selektive Erholung in DACH
Markt & Investments

Immobilienmarkt 2026: Selektive Erholung in DACH

Anna Lenz·11. März 2026

Der deutsche Immobilienmarkt zeigt 2026 erste Anzeichen einer moderaten Erholung, nachdem Transaktionsvolumina 2025 leicht stabilisierten. Während Wohnimmobilien in Ballungsräumen und der Living-Sektor weiterhin gefragt sind, bleiben Büroimmobilien strukturell belastet. Investoren agieren selektiv – mit Fokus auf renditestarke Assetklassen.